Residenz
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Foto: Bayerische Schlösserverwaltung - www.schloesser.bayern.de
Es ist schon ein imposanter Anblick, wenn man sich von der Dienerstraße aus auf den Max-Joseph-Platz begibt und die mächtige Fassade der Residenz vor einem aufragt. Ein ungewöhnlicher Anblick, mitten in einer Großstadt. Die Münchner Residenz ist das größte Innenstadtschloss Deutschlands. Und es hat einiges zu erzählen...
Der Rundgang im Inneren, durch die Appartements, die Festsäle und die Hofkapellen der bayerischen Herrscher führt durch historische Raumensembles - in unterschiedlichen Epochenstilen, da die Residenz in ihrer über 600-jährigen Geschichte laufend erweitert und umgebaut wurde. Es verging kaum ein Jahrzehnt, ohne dass irgendwo in oder an der Residenz eine Baustelle gewesen wäre. Die Prunkräume vermitteln dem Besucher heute einen Eindruck herrschaftlicher Wohnkultur und fürstlicher Repräsentation vergangener Zeiten.
Foto: Bayerische Schlösserverwaltung
Man sieht es ihr kaum an, dass die Münchner Residenz einst wie eine düstere Ruine in der Stadt lag. Sie war in den Bombennächten des Zweiten Weltkriegs schwer in Mitleidenschaft gezogen worden, lag teilweise bis auf das Erdgeschoss offen. Regen und Schutt sammelte sich in den prachtvollen Räumen, in denen einst Kurfürsten und Könige residierten.
Beeindruckend war die Leistung derer, welche die Residenz in wenigen Jahren wieder aufbauten. Man kann sich kaum vorstellen, dass die Joche des Antiquariums durchbrochen waren, das 23.000 qm große Dach bis auf 50 qm zerstört wurde und die berühmten Löwen der Residenzstraße - die Glücksbringer der Münchner - zum Schutz vor den Bomben im Brunnenhof vergraben lagen.
Zuvor blieb die Residenz fast 600 Jahre lang von Zerstörungen verschont. Im Laufe der Jahrhunderte wuchs sie im Nordosten der Innenstadt zu immenser Größe heran. Ausgangspunkt der wittelsbachischen Residenz war die Neuveste, eine gotische Wasserburg aus dem Jahr 1385.
Foto: Immanuel Rahman
Die Neuveste war die Fluchtburg der frühen Herzöge, die damals noch im Alten Hof residierten. Jener wurde jedoch bald zu klein. Der erste Bau der neuen Residenz an der Neuveste sollte das erste Museum nördlich der Alpen sein: Das Antiquarium, 1571 fertiggestellt. Kurz darauf folgten der Witwenstock, der Grottenhof und der Schwarze Saal. Auch der Brunnenhof stammt aus dieser Zeit. Die Neuveste musste weichen, um dem schmucken Renaissanceschloss, welches dem hohen politischen Anspruch der Wittelsbacher gerecht werden sollte, mehr Raum zu geben.
Foto: Bayerische Schlösserverwaltung
Mit die prächtigsten Raumfolgen in der Residenz München entstanden zur Zeit des Barock und Rokoko. Aufwändige Dekore, Gemälde und Möbel, Seide an den Wänden und viel Gold geben eine leise Ahnung davon, welchen sozialen und künstlerischen Anspruch die bayerischen Herrscher verfolgten.
Ein überaus bedeutender Anbau entstand bis 1753: Das Cuvilliés-Theater. Aus über 1000 Bäumen, gefällt am Staffelsee, entstand eines der schönsten Rokokotheater Deutschlands. Kräftiges Rot und viel Gold dominieren das vierstöckige Schmuckstück, in dem auch heute noch Konzerte und kleinere Opern aufgeführt werden.
Unter Ludwig I. bekam die Residenz ihr heutiges Erscheinungsbild. Bis 1842 entstanden der mächtige Königsbau am Max-Joseph-Platz, sein Pendant der Festsaalbau am Hofgarten, sowie das Nationaltheater und die Allerheiligen-Hofkirche. Die repräsentative Königswohnung Ludwig I. entlang des gesamten Königsbaus ist einer der Höhepunkte der Besichtigung.
Typisch Ludwig mögen sich manche Leute gedacht haben, als dieser einen 70 x 17 Meter großen Wintergarten, samt exotischer Vögel und Pflanzen errichten lies. Eine neun Meter hohe Tonne aus Eisen und Glas überspannte den Festsaalbau und auf einem kleinen künstlichen See, hoch über den Dächern der Stadt, ließ sich Ludwig in einem Schwanenboot treiben. Wer die bayerischen Könige kennt, weiß genau, dass jetzt nicht mehr Ludwig I. gemeint ist. Nein, es ist Ludwig II., der Märchenkönig. Der Wintergarten samt See ist leider nur noch auf alten Photographien erhalten, da Prinzregent Luitpold die Konstruktion 1897 abbauen lies. Sie war zu schwer für den Königsbau - und es tropfte durch die Decke in die Gemächer der Dienerschaft darunter.
Die schlimmsten Verluste der Bombennächte sind vor allem die Fresken der Allerheiligen-Hofkirche, die prunkvolle Ausstattung der Päpstlichen Zimmer, die privaten Wohnräume Ludwigs II. sowie einige klassizistische Säle im Festsaalbau inklusive der prächtigen Prunktreppe gegenüber dem Marstall. Auch der Große Thronsaal existiert nur noch auf alten Bildern, obwohl er nicht komplett zerstört war.
Allerdings gab es für den Festsaalbau einen anderen Plan. Auch das Odeon am Odeonsplatz war zerstört, und der Bayerische Rundfunk wollte einen neuen Konzertsaal als Ersatz. So wurde an der Stelle des ehemaligen Thronsaals der Neue Herkulessaal errichtet. Ein Monument des Neoklassizismus, gefördert und ermöglicht durch eine Millionenspende der Rundfunkanstalt. Über 1000 Gäste lauschen dort bis heute nicht nur klassischen, sondern auch modernen Pop-Konzerten.
Foto: Bayerische Schlösserverwaltung
Kroninsignien und Königskronen, edle Statuetten und Trinkspiele, Gefäße, Truhen und Pokale gehören zu den bestgehüteten Schätzen eines jeden Herrscherhauses. Trotzdem darf man die teuren Kunstwerke bestaunen - in Münchens bestbewachten Räumen, der Schatzkammer der Residenz. So mancher darin wird sich insgeheim gewünscht haben, wenigstens einmal im Leben die Krone der Bayerischen Könige selbst auf dem Haupt tragen zu dürfen.
2013 feiert der Hofgarten sein 400-jähriges Jubiläum. Das Alter sieht man ihm überhaupt nicht an, was wohl auch an den vielen Menschen liegt, die ihn tagtäglich bevölkern: Manche lesen auf den Bänken, andere liegen in der Sonne. Auf den Wegen tummeln sich Boulespieler und an den Tischen des Café Tambosi herrscht la Dolce Vita. Besser als hier könnte man einen Residenz-Tag kaum ausklingen lassen.
Wegen der Sanierung des Königsbaus können die Königsbau-Appartements, die Sammlung "Porzellan 19. Jahrhundert", die Nibelungensäle sowie die Ausstellung "Zerstörung und Wiederaufbau" derzeit nicht besichtigt werden.
Hier geht's zum Führungsprogramm
April - Mitte Oktober: 9.00 - 18.00 Uhr (letzter Einlass: 17.00 Uhr)
Mitte Oktober - März: 10.00 - 17.00 Uhr (letzter Einlass: 16.00 Uhr)
Täglich geöffnet, geschlossen am 1. Januar, Faschingsdienstag, 24., 25. und 31. Dezember.
Infos zu den Residenzkonzerten
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