Auf 11 Stationen durch die Münchner Altstadt

Der Hofgarten im Winter, Foto: muenchen.de/Katy Spichal
In München gibt es viel zu entdecken - und dazu muss man gar nicht weit laufen

Winterspaziergang mit Wahrzeichen und Geheimtipps

Auf einem gemütlichen Winterspaziergang lernt man die Münchner Altstadt mit all ihren Sehenswürdigkeiten und Facetten kennen - und wenn es mal zu kalt wird, ist man nie zu weit vom nächsten netten Restaurant oder Café entfernt. Für die 11 Stationen unserer Tour gibt es auch den ein oder anderen Geheimtipp.

Karlsplatz: Wo es "zugeht wie am Stachus"

Karlsplatz Stachus, Foto: Katy Spichal
Der westliche Eingang zur Fußgängerzone am Karlstor

Los geht es am Karlsplatz (Stachus), der den Auftakt zur Fußgängerzone bildet. Selbst an Sonntagen ist rund um den Stachus-Brunnen immer viel los, daher auch die typische Münchner Redewendung "Da geht's ja zu wie am Stachus". Die ersten Meter unseres Spaziergangs führen durch das westliche Altstadt-Tor, das historische Karlstor. Im mittleren Torbogen ragen aus den Ecken die sogenannten Kragenköpfe. Sie stellen herausragende Münchner Persönlichkeiten dar.

Neben dem Kutscher Krenkl, Baron Sulzbeck und dem Finessensepperl schaut auch Bayerns letzter Hofnarr auf die Altstadt-Erkunder herab. Aufgrund der angrenzenden Kaufingerstraße wird das Karlstor zuweilen mit dem Kaufingertor verwechselt. Dieses wurde jedoch 1807 abgerissen. Auf Höhe vom Hirmer-Haus in Richtung Marienplatz sind im Boden die Umrisse des früheren Westtores eingelassen - auch eine Gedenktafel am Haus erinnert an das Bauwerk.

Frauenkirche: Wo der Teufel seinen Fußabdruck hinterließ

Dom- und Stadtpfarrkirche „Zu Unserer Lieben Frau, Foto: Katy Spichal
Münchens Wahrzeichen: Die Frauenkirche

Folgt man der Fußgängerzone, ragen bald die Spitzen der Frauenkirche über die Dächer. Also biegt man am besten beim Jagd- und Fischereimuseum links ab. Das Museum ist übrigens ein prima Zwischenstopp, denn es befindet sich in der ehemaligen Augustinerkirche, deren Gebäude auch ohne die gelungene Ausstellung sehenswert ist. Nun aber auf zum Münchner Wahrzeichen, der Frauenkirche mit ihren berühmten Zwillingstürmen. Gleich am Eingangsbereich zieht ein Fußabdruck im Steinboden die Blicke auf sich - der sogenannte Teufelstritt. Hier soll der Teufel selbst dem Geschick des Baumeisters der Kirche auf den Leim gegangen sein. Sehenswert sind auch die alten verwitterten Grabplatten an der Außenwand der Kirche - teils mehrere hundert Jahre alt.

Der Marienplatz: Wo Münchens Herz schlägt

Blick vom Alten Peter auf das Neue Rathaus auf dem Marienplatz, Foto: Katy Spichal

Der Marienplatz ist Münchens strahlende Mitte. Ein absoluter Klassiker unter den Münchner Treffpunkten ist der Fischbrunnen in der nordöstlichen Ecke des Platzes. Direkt hinter dem traditionsreichen Brunnen ragt imposant das Neue Rathaus in neugotischer Bauweise in den Himmel. Noch wesentlich älter als das 1909 fertiggestellte Haus ist die namensgebende Marienfigur in der Platzmitte. Sie thront seit dem 17. Jahrhundert auf ihrer Säule. Das Alte Rathaus schließt den Marienplatz nach Osten ab und beherbergt heute unter anderem das Spielzeugmuseum. An der Fassade des Turms findet man eine Sammlung aller bisherigen Wappen Münchens. Zu Füßen des Turms in Richtung Viktualienmarkt steht stolz und aufrecht die "bezaubernde Julia". Die 2,65 Meter große Frauenstatue ist ein Geschenk der Partnerstadt Verona und bekommt von romantischen Seelen regelmäßig Blumen in den Arm gelegt.

Alter Peter und Heilig-Geist-Kirche: Wo Ausblicke Einblicke bieten

Der Turm von St. Peter , Foto: muenchen.de/Lukas Fleischmann
Die Peterskirche wird auch Alter Peter genannt

Im unmittelbaren Umfeld des Marienplatzes lohnen gleich zwei alte und traditionsreiche Kirchen einen Besuch. Die Heilig-Geist-Kirche wurde 1392 vollendet und ist somit eines der ältesten noch erhaltenen Kirchengebäude Münchens. Südlich des Marienplatzes steht auf dem sogenannten "Petersbergl" die Pfarrkirche Sankt Peter, deren Turm im Münchner Volksmund Alter Peter genannt wird. Der rund 300 Stufen umfassende Aufstieg zur Aussichtsplattform in 91 Metern Höhe lohnt sich. Bei Föhn hat man von dort eine Fernsicht von bis zu 100 Kilometern. Wie bei der Frauenkirche gibt es auch bei Sankt Peter an der Kirchenmauer verwitterte Grabsteine zu entdecken.

Sankt-Jakobs-Platz: Wo es Stadtgeschichte zum Anfassen gibt

Die Synagoge und der Israelitischen Kultusgemeinde, Foto: Katy Spichal
Synagoge Ohel Jakob

Mit der Synagoge Ohel Jakob, dem Jüdischen Museum und dem Stadtmuseum im historischen Zeughaus darf sich der Sankt-Jakobs-Platz als einer der schönsten Münchner Plätze rühmen. Hier kann man wunderbar ausruhen - aber auch echte Besonderheiten entdecken wie originale Überreste des Siegestors. Zwar liegt der Triumphbogen eigentlich mehr als zwei Kilometer weiter nördlich. Dennoch kann man in der Altstadt Bruchstücke des Siegestors finden - in der Nieserstraße zwischen Sankt-Jakobs-Platz und Rosental. Das nach dem Zweiten Weltkrieg zerstörte Tor wurde 1958 nämlich nicht komplett wiederaufgebaut. Ein paar Teile davon deponierte man einfach in der kleinen Nebenstraße. Hier können sie für jedermann frei zugänglich besichtigt werden.

Viktualienmarkt: Wo jeder Hunger gestillt wird

Der winterliche Viktualienmarkt, Foto: Katy Spichal

Sightseeing und Kultur machen Hunger: Kein Problem, denn am Viktualienmarkt bieten unzählige Stände und Buden leckere Abhilfe. Ob Fleisch, Fisch oder frisches Obst: Auf über 22.000 Quadratmetern gibt es am Viktualienmarkt alles, was das Herz begehrt. Ebenfalls sehenswert und doch nicht jedem bekannt sind die sechs Brunnendenkmäler bekannter Münchner Persönlichkeiten, die auf dem Gelände verstreut stehen - etwa vom legendären Komiker Karl Valentin. Außerdem gibt es auf dem Platz noch zwei kleinere Brunnen ohne berühmte Namensgeber.

Das Isartor: Wo die Uhren rückwärts laufen

Das Isartor in München, Foto: Katy Spichal
Das Isartor mit rückwärts laufender Uhr

Erfrischt und gestärkt geht unsere Altstadt-Tour weiter. Vorbei an der Heilig-Geist-Kirche, diversen Restaurants, Bars und Läden geht es über das Tal geradewegs zum Isartor. Dieses grenzt die Altstadt gen Osten ab und beherbergt eines der kultigsten Münchner Museen: Das Valentin-Karlstadt-Musäum, das sich mit dem legendären Komiker-Duo beschäftigt. Ein besonderes Highlight ist die Uhr auf der Westseite des Isartors, denn diese läuft verkehrt herum - falsch angebrachte Ziffernblätter inklusive. Erinnern soll das an Karl Valentin und das Zitat von Willy Brandt "In Bayern gehen die Uhren anders".

Das Hofbräuhaus: Wo es jeden Besucher hinzieht

Das Hofbräuhaus in der Dämmerung
Traditionsreich und weltbekannt: Das Hofbräuhaus in München

Vom Isartor aus geht es über die Marienstraße zu einem der größten Besuchermagneten Münchens. Im Hofbräuhaus gibt es alles, was sich Einheimische und Besucher von einem bayerischen Gasthaus wünschen: Regionale Küche, beschwingte Volksmusik, urige Stammtische und vor allem süffiges Bier. Das Hofbräuhaus hat eine lange und bewegte Geschichte - es diente früher vor allem zur Versorgung des Wittelsbacher Hofes und seiner Bediensteten.

Der Alte Hof: Wo das spätgotische München lebendig wird

Alter Hof in der Innenstadt München, Foto: Katy Spichal

Ein paar Meter weiter westlich treffen wir auf das nächste Ziel mit historischer Bedeutung: die Münchner Kaiserburg im Alten Hof. In der ersten Residenz der Wittelsbacher in München wohnte unter anderem Kaiser Ludwig der Bayer, der im 13. und 14. Jahrhundert herrschte. Somit ist die Kaiserburg der älteste Herrschaftssitz der Wittelsbacher. Noch heute wird in der spätgotischen Gewölbehalle die Geschichte des Gebäudes in Form einer Dauerausstellung erzählt. Hier erfährt der Besucher unter anderem auch, was es mit der Legende vom Affenturm auf sich hat. Außerdem gibt es ein besonders altes Merkmal der Münchner Stadtgeschichte zu entdecken. Die Burgmauer ist im Querschnitt offen gelegt und von Experten wie die erste Münchner Stadtmauer auf's späte 12. Jahrhundert datiert. Eine nette Abwechslung zum Altstadt-Spaziergang, insbesondere auch, weil der Eintritt kostenlos ist. 

Feldherrnhalle und Viscardigasse: Wo einst getrickst wurde

Die Viscardigasse, Foto: Katy Spichal
Die Pflastersteine in der Viscardigasse erinnern an die "Drückeberger" im dritten Reich

Weiter geht es über den Marienhof auf die Weinstraße, die später zur Theatinerstraße wird, in Richtung Norden. Vorbei an noblen Boutiquen kommt man nach einem kurzen Fußmarsch an den Odeonsplatz mit der Feldherrnhalle. Das monumentale Bauwerk aus dem 19. Jahrhundert bildet den südlichen Auftakt der Ludwigstraße. Von hier geht der Blick bis zum Siegestor.

Besonders bekannt ist auch die Viscardigasse hinter der Feldherrnhalle. Da nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten vor dem errichteten Ehrenmal Tag und Nacht eine SS-Wache stand, die von allen Vorübergehenden einen Gruß an die Gefallenen des Hitlerputsches erwartete, mieden trickreiche Münchner diese Stelle und benutzten die kleine Viscardigasse. Darum wird die etwa 50 Meter lange Passage auch Drückebergergasse genannt. Heute erinnert dort eine etwa 30 cm breite Bronzespur an die schlaue Ausweichtaktik vieler Münchner.

 

Hofgarten und Kabinettsgarten: Wo Münchner gerne entspannen

Der Hofgarten im Winter
Der Dianatempel im Hofgarten ist zu jeder Jahreszeit ein hübscher Anblick

Direkt hinter dem Odeonsplatz wartet eine der schönsten Münchner Ruheoasen. Der Hofgarten lädt mit königlichem Flair zum Flanieren ein. In den Arkadengängen an beiden Seiten der Parkanlagen gibt es Wandmalereien aus dem Leben des Hauses Wittelsbach zu bestaunen. In der Mitte befindet sich der Dianatempel, ein zwölfeckiger Pavillon mit acht offenen und vier geschlossenen Seiten. Eine weitere Ruheoase und ein wahres Kleinod ist der öffentlich zugängliche Kabinettsgarten am Rande der Residenz, den man vom Hofgarten aus über die Alfons-Goppel-Straße erreicht.

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