Auf 8 Stationen durch die Münchner Altstadt

Hofgarten bei Sonne im Februar, Foto: muenchen.de/Michael Hofmann

Packt Euch warm ein und schaut die Altstadt mal genauer an! Auch wenn Ihr glaubt, München wie Eure Westentasche zu kennen – auf unserer Tour gibt's Geheimtipps, die Euch zum echten Experten machen.

Karlsplatz: Wo es "zugeht wie am Stachus"

Karlsplatz Stachus, Foto: muenchen.de/Katy Spichal


"Da geht's ja zu wie am Stachus", sagt der Münchner gerne. Und nennt den Platz niemals Karlsplatz - auch wenn er offiziell so heißt. Am westlichen Ende der Fußgängerzone ist tatsächlich immer High Life, und vielleicht lauft Ihr so mancher schräger Gestalt über den Weg. Aber die grinsenden Köpfe im historischen Karlstor verraten Euch, dass die in München auch früher schon unterwegs waren.

Unter den sogenannten Kragenköpfen befinden sich nämlich Unikate wie der Finessensepperl, ein Liebesbrief-Austräger, der auch das ein oder andere Rendezvous arrangiert haben soll – also quasi ein Partnervermittler des 19. Jahrhunderts. Daneben schaut auch Bayerns letzter Hofnarr auf Euch herab.

Frauenkirche: Wo der Teufel seinen Fußabdruck hinterließ

Frauenkirche im Winter, Foto: muenchen.de/Mark Read

 
Wann wart Ihr das letzte Mal in der Frauenkirche? Bestimmt ist das schon wieder viel zu lange her, darum holen wir das jetzt nach. Biegt beim Jagd- und Fischereimuseum links ab – übrigens ein lohnender Zwischenstopp auch für Nicht-Jäger und -Angler – und schon steht Ihr vor dem Münchner Wahrzeichen schlechthin. Und jetzt den Blick nach unten gerichtet: gleich beim Eingang findet Ihr den Teufelstritt. Der Leibhaftige persönlich soll hier dem Geschick des Kirchenbaumeisters auf den Leim gegangen sein und einen "Fußabdruck" im Steinboden hinterlassen haben. Glaubt Ihr nicht? Ziemlich reell sind jedenfalls die alten verwitterten Grabplatten an der Außenwand der Kirche. Versucht mal, die Jahrhunderte alten Inschriften zu entziffern, und Ihr fühlt Euch wie in einem Dan-Brown-Roman.

Der Marienplatz: Wo Ihr hoch hinaus könnt

Münchens Panorama mit Rathaus und Frauenkirche


Wenn Ihr am Marienplatz einer Dame den Hof machen wollt: Direkt vor dem Alten Rathaus steht stolz die "bezaubernde Julia", ein Geschenk der Partnerstadt Verona. Münchens Romantiker legen ihr regelmäßig Blumensträuße in die Arme. Keine Blumen dabei? Zum Glück ist der Viktualienmarkt gleich nebenan.

Den Fischbrunnen und das Neue Rathaus kennt Ihr natürlich. Aber wie oft wart Ihr schon auf dem Rathausturm oben? Höchste Zeit, den Hammer-Ausblick über die Dächer der Innenstadt mal wieder zu erleben - sogar den Monopteros im Englischen Garten seht Ihr ganz locker. Die Nackerten natürlich nicht, die liegen bekanntlich im Nordteil des Parks.

Kaum weniger schön ist die Aussichtsplattform auf dem Alten Peter. Wenn Ihr beim ersten Date Eindruck schinden wollt - hoch geht's! Allerdings gilt hier noch das Prinzip „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“. Der Aussichtsplattform auf 91 Metern Höhe gehen 300 Stufen voraus. Aber es lohnt sich: Bei Föhn seht Ihr bis zu 100 Kilometer weit.

Sankt-Jakobs-Platz: Wo es Stadtgeschichte zum Anfassen gibt

Synagoge Ohel Jakob am Stankt Jakobs Platz, Foto: muenchen.de/Michael Hofmann


Sagen wir's, wie es ist: der Sankt-Jakobs-Platz mit der Synagoge Ohel Jakob, dem Jüdischen Museum und dem Stadtmuseum ist einer der schönsten Münchner Plätze. Hier könnt Ihr Euch ausruhen und im gemütlichen Stadtcafé einkehren. Aber sagt nicht, wir hätten Euch nicht gewarnt - die Kuchenauswahl ist enorm! Kultige Geschenke und allerlei schönen München-Schnickschnack gibt es im "Servus Heimat"-Shop im Stadtmuseum.

Eine echte Besonderheit direkt neben dem Sankt-Jakobs-Platz: Originale Überreste des Siegestors. Zwar liegt der Triumphbogen eigentlich mehr als zwei Kilometer weiter nördlich, aber in der Nieserstraße liegen Bruchstücke frei herum. Das kommt daher, dass das im Zweiten Weltkrieg zerstörte Tor 1958 nicht komplett wiederaufgebaut wurde. Die übrigen Teile landeten hier.

Viktualienmarkt: Wo jeder Hunger gestillt wird

Blick vom Viktualienmarkt auf die Peterskirche, Foto: muenchen.de/Mark Read

 

Ihr habt Hunger vom Sightseeing? Dann ist der Viktualienmarkt der Ort der Stunde: unzählige Stände und Buden bieten Euch eine riesige Auswahl von der Fischsemmel über Antipasti bis zur Kartoffelpfanne und dem Smoothie. Schwieriger ist eher sich auf den 22.000 Quadratmetern zu entscheiden. Während Ihr die Stärkung Eurer Wahl sucht, achtet mal auf die Brunnendenkmäler, die auf dem Markt verteilt sind! Sechs Münchner Persönlichkeiten könnt Ihr hier antreffen - etwa den legendären Komiker Karl Valentin. Außerdem gibt es auf dem Platz noch zwei kleinere Brunnen ohne berühmte Namensgeber.

The Lovelace und Literaturhaus: Wo Kultur Spaß macht

Das Literaturhaus München im Frühling, Foto: muenchen.de/Michael Hofmann


Jetzt geht es rüber ans andere Ende der Altstadt: Über den Marienhof und den Promenadeplatz mit dem Denkmal für Michael Jackson erreicht Ihr die Kardinal-Faulhaber-Straße. Hier, im wuchtigen Palais der ehemaligen königlichen Filialbank, ist noch bis 2019 das Pop-Up-Hotel The Lovelace zu finden. Die Macher bieten Euch auf mehreren Etagen alles, was eine Zwischennutzung ausmacht: Bars, abendliche Livemusik und Kulturevents, aber eben auch Hotelzimmer. Das Tagescafé im Erdgeschoss hat tagsüber geöffnet, die Dachterrasse mit tollen Frauenkirchen-Panorama könnt Ihr ebenfalls immer besuchen - wenn das Wetter mitspielt.

Ein paar Meter weiter die Straße hoch steht das Literaturhaus. Wenn nicht gerade Lesungen oder eine Sonderausstellung einen Besuch lohnen, dann definitiv die Brasserie OskarMaria im Erdgeschoss. Benannt nach Literatur-Rebell Oskar Maria Graf, dessen Zitate wie "Mehr Sexualität, die Herrschaften!" den Boden des Kaffeegeschirrs zieren. Mehr Wiener Kaffeehaus-Atmosphäre als hier gibt es nur noch ums Eck im altehrwürdigen Café Luitpold mit seinem Palmengarten.
 

Feldherrnhalle und Viscardigasse: Wo einst getrickst wurde

Die Viscardigasse, Foto: muenchen.de/Katy Spichal


Jetzt ist's nur noch ein Katzensprung zum Odeonsplatz mit der Feldherrnhalle. Sollte die Sonne scheinen, dann gönnt Euch eine Auszeit auf den Stufen und schaut die ganze Ludwigstraße hoch bis zum Siegestor.

Eine besondere Geschichte besitzt die Viscardigasse hinter der Feldherrnhalle. Da nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten vor dem errichteten Ehrenmal Tag und Nacht eine SS-Wache stand, die von allen Vorübergehenden einen Gruß an die Gefallenen des Hitlerputsches erwartete, mieden trickreiche Münchner die Stelle und benutzten die kleine Seitenstraße, die deshalb auch Drückebergergasse genannt wurde. Heute erinnert dort eine etwa 30 cm breite Bronzespur an die schlaue Ausweichtaktik.

Hofgarten: Wo Ihr bestens zur Ruhe kommt

Hofgarten aus der Sicht des Dianatempels


Das Beste kommt natürlich zum Schluss: Direkt hinter dem Odeonsplatz liegt der Hofgarten. Weil er quirlig und malerisch zugleich ist, findet Ihr hier bestimmt Entspannung - und wenn nicht hier, dann im mondänen Café Tambosi mit Blick auf die Feldherrnhalle. Aber ruhiger ist es eindeutig im Park selbst mit seinen Wandmalereien unter den Arkaden oder den Boule-Spielern, die stoisch ihre Kugel in den Sand werfen. In der Mitte befindet sich der Dianatempel, ein zwölfeckiger Pavillon, in dem manchmal auch Fotoshootings stattfinden. Zum Finale des Spaziergangs besucht Ihr noch die Bayerische Staatskanzlei an der Ostseite des Hofgartens - auf ihren Stufen könnt Ihr bestens den Tag ausklingen lassen...

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