Im Mittelalter war dies noch ganz anders: Zur Fastenzeit war es strengstens verboten, Fleisch oder andere tierische Produkte wie Milch, Butter, Käse und Schmalz und Fett zu essen. Und viel schlimmer noch: Es war absolute sexuelle Enthaltsamkeit geboten! Das war ein entscheidender Einschnitt im Jahresverlauf. Die lange Durststrecke - immerhin von Aschermittwoch bis Ostern - veranlasste die Menschen dazu, die Zeit davor dementsprechend ausgiebig zu begehen. Zunächst war das nur der Tag zuvor, die Fastnacht (ähnlich wie der Heiligabend vor dem eigentlichen Fest). Das eigens geschlachtete Fleisch und alles tierische verderbliche musste in großen Mengen verzehrt werden, häufig im Rahmen größerer Gelage. Dass es dabei auch sexuell freizügiger zuging, versteht sich von selbst. Tanzveranstaltungen waren die logische Konsequenz und viele junge Paare legten ihren Hochzeitstermin auf den Fastnachtsdienstag.
Im Laufe der Zeit dehnte sich die Fastnachtszeit immer weiter nach vorne aus, bis es heute in den meisten Regionen am Narrentag, dem 11.11. beginnt. Handwerksgesellen führten im 14. Jahrhundert die Schau- und Spielbräuche ein. Einerseits dienten sie dazu, ernsthaft neue Errungenschaften der Technik zu präsentieren (ein Pflug, eine Egge usf.), andererseits aber auch von jeher komische Turniere und Wettkämpfe zu veranstalten und sie beinhalteten auch Theateraufführungen und Umzüge durch die Städte. Erst im 15. Jahrhundert, wohl beeinflusst durch die italienische "comedia del arte" traten die Akteure dieses Spektakels zunehmend in Masken und Verkleidungen auf.
Der Klerus stand dem Fastnachtstreiben zunächst recht gleichgültig gegenüber und erst Anfang des 16. Jahrhunderts fand eine theologische Umbewertung des dollen Treibens statt. Während die Fastenzeit mit der "civitas dei" (Gottesstaat) gleichgesetzt wurde, interpretierte man die Fastnacht als "civitas diaboli" (Teufelsstaat). Das veränderte das Gesicht des Faschings. War die Kostümierung bislang eher beliebig, so bekam sie nun eine starke Besetzung mit Negativgestalten. Teufelsmasken, wilde Fratzen, dämonische Figuren prägten nun die Fastnachtszeit, die Zeit der verkehrten, gottlosen Welt. Auch das Sinnbild der Fastnacht, der Narr, entsprang dieser Tradition. Ursprünglich war er nicht der harmlose, lustige Geselle wie heute, sondern ein teufelsgleicher, gotteslästernder, dummer und eingebildeter Unhold. Ein Narr war bösartig und gefährlich - er verkörperte geradezu die Erbsünde.
Anfang des 19. Jahrhunderst war die Fastnacht am Ende. Sie entsprach all dem, was der Klerus vorausgesagt hatte: Saufereien bis zu Besinnungslosigkeit, Prügeleien und verkommene Bräuche. Erst das gehobene Bildungsbürgertum hob den alten Brauch im Zuge der Romantik aus seiner Versenkung. 1823 fand eine Fastnachtsreform in der Fastnachtshochburg Köln statt - nun eine Veranstaltung nicht mehr der einfachen Leute, sondern des organisierten Großbürgertums. Und diese führten auch die Narrenreiche und Fastnachtsprinzen (später dann auch Prinzessinnen) ein, die über das Heer der Narren herrschten. Symbolisch wurde und wird Ihnen das Rathaus überlassen für die Zeit der tollen Tage. Dieser Brauch setzte sich vielerorts durch, bis zur Zweispaltung des Fastnachtsbrauch in die rheinische und die alemannische Fastnacht im Württembergischen.
Der Bezeichnung Fasching begegnet man vor allem im süddeutschen Raum und in Österreich. Sie leitet sich ab von der mittelhochdeutschen Zusammensetzung "vast-schanc", die den Ausschank vor der Fastenzeit bezeichnet und damit ebenfalls auf die bevorstehende vorösterliche Bußzeit verweist.
Da Sie also nun so neunmalklug sind und so viel über den Fasching wissen, begehen Sie nicht den Fehler, Ihren Mitmenschen mit Ihrem Wissen auf den Geist zu gehen. Fasching ist zum Feiern und Tanzen, Fressen und Saufen - und nun gar nicht zum Denken. Da warten Sie dann mal bis zur Fastenzeit... wenn dann Ihr Magen nicht zu sehr knurrt.