Geschichte des Münchner Faschings

Fasching München - im Wandel der Zeiten, Foto: Stadtarchiv München/AB_Erg_0202
Faschingswagen beim Umzug 1896 mit dem Titel "Zum Kamin"...

Eine Lok auf dem Bahnhofsplatz und ein Elefant auf der Maximilianstraße: Wir haben außergewöhnliche Faschingsbilder vor früher. Schon vor über 100 Jahren waren die Münchner im Fasching mit Eifer bei der Sache - das beweisen stimmungsvolle Bilder aus dem Stadtarchiv und dem Stadtmuseum. Man sieht: Schon Ende des 19. Jahrhunderts hatten die Münchner Spaß am Kostümieren - und am Feiern...

Der Münchner Fasching im Wandel der Zeit: 1894 - 1975

Die Geschichte des Münchner Faschings

Fastnachtsfeierlichkeiten gab es in München schon im Mittelalter, vermutlich seit Gründung der Stadt im Jahr 1158. Allerdings fanden diese über die Jahrhunderte nur unregelmäßig statt und man muss sie sich wohl gänzlich anders als die heutigen Feste, Bälle und Umzüge vorstellen. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich in München eine richtige Faschingstradition. Es wurden damals die ersten Redouten gefeiert, also große Bälle mit ausgefallenen Kostümen.

Im Jahr 1893 wurde die "Carnevalsgesellschaft" gegründet und dank großzügiger Spenden der großen Münchner Brauereien der erste Faschingsumzug abgehalten. Im darauf folgenden Jahr bestieg der Antiquitätenhändler August Humpelmayr unter dem Namen "Prinz Gustl I." als erster Faschingsprinz den Thron - allerdings noch ohne Prinzessin.

Immer wieder gab es in jener Zeit Phasen ohne große Festivitäten oder Umzüge - zum Beispiel in den Jahren vor, während und nach dem ersten Weltkrieg. Erst 1925 wurde wieder ein großer Faschingsball im Salvatorkeller gefeiert. Zwischen 1970 und 2006 ruhte der Faschingsumzug ebenfalls, doch seitdem hat er sich äußerst lebendig zurückgemeldet.

Bilder: Der Tanz der Marktfrauen 1938 - 1974

Vom Schlemmer-Fest zum Maskenball

Das heutige Faschings- oder Karnevalsfest in den katholischen Ländern ist von seiner ursprünglichen Bedeutung weit abgerückt. Denn in früheren Jahrhunderten bestand der Zweck der "Fastnacht" darin, vor Beginn der strengen Fastenzeit noch einmal alle Genüsse ausgiebig zu kosten. In den katholischen Ländern hielt man sich im Mittelalter noch strikt an die Regel, keine tierischen Produkte wie Milch, Butter, Käse oder Fett zu sich zu nehmen - und auch sexuelle Enthaltsamkeit zu praktizieren. Bevor es mit dem Fasten los ging, mussten die Vorräte aufgebraucht werden - dazu gab es bereits Tanzveranstaltungen. Später dehnte sich die Fastnachtszeit immer weiter nach vorne aus, bis der heutige Narrentag erreicht war, der 11.11.

Der Brauch der Verkleidung kam übrigens erst im 15. Jahrhundert auf. In weiten Teilen der katholischen Welt geriet das Faschingsfest bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts aus der Mode, da der Klerus die ausgelassene Schlemmerei und besonders den Alkoholgenuss als Sinnbild der Sünde betrachtete. Erst in der Romantik entdeckte das Bildungsbürgertum das Fest wieder für sich. Ausgehend von der Fastnachts-Hochburg Köln setzte sich der Brauch der Faschingsprinzen durch, die während der tollen Tage symbolisch das Rathaus übernehmen.

Der Bezeichnung Fasching begegnet man vor allem im süddeutschen Raum und in Österreich. Sie leitet sich ab von der mittelhochdeutschen Zusammensetzung "vast-schanc", die den Ausschank vor der Fastenzeit bezeichnet und damit ebenfalls auf die bevorstehende vorösterliche Bußzeit verweist.

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