Foto: Katy Spichal

Stadion an der Grünwalder Straße

Das Städtische Stadion an der Grünwalder Straße in Giesing ist ein Stück Sportgeschichte und eines der wenigen verbliebenen echten Stadtstadien, in denen Anwohner vom Fenster aus die Spiele verfolgen können. Seit der Saison 2017/18 trägt der TSV 1860 München seine Heimspiele wieder an seiner Traditionsstätte in Giesing aus.

Ein Stadion für Nostalgiker

Die Fankurve des TSV 1860 München im Grünwalder Stadion, Foto: TSV 1860 München

Nach vielen Jahren in der Allianz Arena ist der TSV 1860 München im Sommer 2017 in sein Giesinger Heimatstadion zurückgekehrt. Zusätzlich spielen im Grünwalder Stadion noch die zweite Mannschaft des FC Bayern München und seit der Saison 2013/14 auch die Frauenmannschaft des FC Bayern. 2012/2013 wurde das Stadion drittligatauglich umgebaut und fasst seitdem maximal 12.500 Zuschauer.

Einst war das Grünwalder eine der bedeutendsten Sportstätten in Deutschland, heute ist es ein Ort für Fußball-Fans, die sich in Zeiten vor Multifunktions-Arenen mit ihrem Event-Publikum zurücksehnen. Zeiten, in denen Viertelbewohner zu Fuß ins Stadion gehen konnten und der Lärm der Fans die Nachbarschaft durchdrang.

Für sie ist es ein Glück, dass Spuren der bewegten Geschichte des Stadions auch heute noch sichtbar sind: Joachim Bertholds Relief von sporttreibenden Menschen an der Fassade der Osttribüne von 1958 oder der prominente Schriftzug "Städtisches Stadion an der Grünwalder Straße" aus den 1980er Jahren. Besonders leben die alten Zeiten auf, wenn die Zifferntafeln an der manuellen Anzeigentafel umgeklappt werden, weil ein Tor gefallen ist.

Geschichte und Architektur

Bereits seit 1911 besteht das Städtische Stadion an der Grünwalder Straße. Damit ist die Sportstätte das älteste Münchner Stadion. Es wurde damals vom TSV 1860 München errichtet, ging aber 1937 in den Besitz der Stadt München über. Nachdem Bombenangriffe 1943 weite Teile des Stadions zerstörten, wurde es in den nachfolgenden Jahren immer weiter ausgebaut. 1948 sahen mehr als 58.000 Zuschauer das Derby 1860 gegen 1. FC Nürnberg im Grünwalder Stadion. Absoluter Zuschauerrekord an der Spielstätte, die bis zur Eröffnung des Olympiastadions 1972 auch das größte Stadion Münchens war. Anfangs wurden hier auch Feldhandball- und Leichtathletik-Wettkämpfe ausgetragen, aber seit dem Rückbau der Aschenbahn 1958 ist das "Grünwalder" ein reines Fußballstadion. Kurz darauf wurden vier 52 Meter hohe Flutlichtmasten errichtet, die auch heute noch die Beleuchtungsanlage tragen, die bei Abendspielen über Giesing erstrahlt.

Das Herz von Fußballnostalgikern schlägt angesichts der überdachten Haupttribüne höher, schließlich sind hier Grundrisse und Grundform seit 1925 so gut wie unverändert. Auf der anderen Spielfeldseite steht ihr eine Sitztribüne gegenüber, deren flaches Dach schon so mancher Fangruppierung zum entscheidenden Lautstärken-Vorteil gereicht hat. Zwei Stehplatzterrassen befinden sich an den Enden des Feldes. Die Westkurve ist dabei Territorium der Sechzger, deren leidenschaftlichste Anhänger ihr Team hier seit jeher nach vorne peitschen.

1860 und sein "Sechzgerstadion"

Jubelnde Fans des TSV 1860 München im Grünwalder Stadion, Foto: TSV 1860 München

Das Grünwalder Stadion ist wegen der bislang einzigen deutschen Meisterschaft des Vereins im Jahr 1966 untrennbar mit dem TSV 1860 München verbunden. Während der Jahre in der Allianz Arena war das Stadion für die Fans ein Sehnsuchtsort - nun sind die Löwen wieder zurück an der Stätte ihrer größten Erfolge. Das von den Fans liebevoll "Sechzgerstadion" genannte Grünwalder repräsentiert eine glanzvolle Ära, in der 1860 in das Finale des Europapokals der Pokalsieger vordringen konnte und die Fußball-Legende Pelé sich mit dem FC Santos in Giesing die Ehre gab. Seit den 1970er Jahren pendelte 1860 immer wieder zwischen der alten Heimat und dem neu gebauten Olympiastadion hin und her. Vor dem Umzug in die Allianz Arena spielte der TSV 1860 in der Saison 2004/05 noch einmal in seiner Giesinger Heimat und kehrte im Sommer 2017 endgültig zurück.

Hermann-Gerland-Kampfbahn

Impressionen vom Amateur-Derby 1860 gegen FC Bayern, Foto: muenchen.de/Lukas Fleischmann

Bei der engen Verbindung des TSV 1860 mit dem Grünwalder Stadion übersieht man leicht, dass auch der FC Bayern hier wichtige Meilensteine seiner erfolgreichen Geschichte erlebte. Da seit langer Zeit nur die Amateure des FC Bayern den Giesinger Rasen beackern, tauften die Fans das Stadion nach dem langjährigen Trainer der Amateurmannschaft Hermann Gerland kurzerhand in "Hermann-Gerland-Kampfbahn" um. Natürlich will man so auch nebenbei dem Stadtrivalen die Benennung "Sechzgerstadion" strittig machen. Aber auch vor der Amateurzeit war das Stadion kein rein "blaues" Territorium. Schon von 1925 bis zum Umzug ins Olympiastadion 1972 trugen die "Roten" hier ihre Heimspiele aus. Auf dem Weg zur ersten deutschen Meisterschaft 1932 erkämpfte man in der zwischenzeitlich "Heinrich-Zisch-Stadion" genannten Wettkampfstätte wichtige Punkte und schaltete im Achtelfinale der KO-Runde Minerva 93 Berlin aus. Später spielte der FC Bayern hier auch im Europapokal und konnte 1969 seine zweite deutsche Meisterschaft in Giesing feiern.

Video: Tag der offenen Tore mit Heimspiel der FCB Damen

1 Bewertungen zu Grünwalder Stadion

4
1 Bewertungen
  • von am

    Lange hat's gedauert und nun wird hier wieder Fußball gespielt. Von außen sieht es immer noch wie ein Betonbrocken aus, aber hier tobt echte Fußballstimmung, selbst von außen ein Schauspiel.

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