SWM Geothermie-Kraftwerk in Sauerlach eröffnet

Eröffnung Geothermie-Heizkraftwerk Sauerlach, Foto: SWM/Obermeier
Foto: SWM/Obermeier

(München, 31.1.2014) Die SWM haben ein weiteres Projekt ihrer ehrgeizigen Ausbauoffensive Erneuerbare Energien erfolgreich realisiert: Das geothermische Heizkraftwerk in Sauerlach ist fertig gestellt und geht in den Regelbetrieb. Der Generalunternehmer, der niederbayerische Mittelständler Karl Lausser GmbH, übergab am 30.1.2014 im Beisein zahlreicher Ehrengäste das Heizkraftwerk offiziell an die SWM. Die Inbetriebnahme feierten die SWM im Anschluss gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern aus Sauerlach und München, die sich bei einem Tag der offenen Tür über die Funktionsweise der Anlage informieren konnten.

Symbol der Verbundenheit von Stadt und Umland

Eröffnung Geothermie-Heizkraftwerk Sauerlach, Foto: SWM/Obermeier
Foto: SWM/Obermeier

Das Geothermie-Heizkraftwerk Sauerlach ist in enger Abstimmung mit der Gemeinde Sauerlach entstanden und auch ein Symbol der Verbundenheit zwischen Stadt und Umland. Sie dient dem gemeinsamen Ziel von Klima- und Ressourcenschutz. Für die SWM ist es ihre zweite Geothermie-Anlage. Erstmals nutzen sie hier das heiße Thermalwasser (in Sauerlach hat es rund 140 Grad) nicht nur zu Heizzwecken, wie in ihrer Anlage in Riem, sondern erzeugen daraus auch umweltfreundlich Strom für rund 16.000 Haushalte. Damit können sie jährlich den Ausstoß von rund 35.000 Tonnen Kohlendioxid vermeiden. Zusätzlich stellen die SWM Wärme für die Sauerlacher Haushalte bereit. Mit der neuen Anlage nehmen die SWM die führende Position bei der Nutzung der Geothermie ein.

Christian Ude, Oberbürgermeister von München

 „Die Geothermie-Anlage hier in Sauerlach ist ein Symbol für die Verbundenheit von Stadt und Region. Zwei Kommunen arbeiten über Gemeindegrenzen hinweg Hand in Hand für den Klima- und Umweltschutz. Und ich hoffe, dass dieses Beispiel Schule macht. Denn nur wenn alle Akteure an einem Strang ziehen, können wir dem Klimawandel begegnen, und dieser ist die größte Herausforderung unserer Zeit. Unser kommunales Unternehmen, die SWM, nimmt hierbei eine weltweit beachtete Vorreiterrolle ein. Bis 2025 wollen die SWM so viel Ökostrom in eigenen Anlagen erzeugen, wie ganz München verbraucht. München wird damit die erste Millionenstadt der Welt, die dieses Ziel erreicht. Die Geothermie-Anlage Sauerlach ist ein Baustein auf diesem Weg. Viele andere sind schon realisiert, viele weitere werden folgen. Insgesamt stellen die SWM hierfür ein stattliches Budget von 9 Milliarden Euro zur Verfügung!“

Barbara Bogner, 1. Bürgermeisterin Sauerlach

„Ich freue mich, dass die Geothermie-Anlage Sauerlach nun in Betrieb gehen kann. Wir haben damals, als die SWM zwecks Errichtung der Anlage auf unserem Gemeindegrund an uns heran getreten sind, nicht lange überlegen müssen. Denn dieses Projekt ist nicht nur gut für die Umwelt, auch die Gemeinde Sauerlach profitiert mehrfach von dieser engen Zusammenarbeit: So erhalten unsere Bürger kostengünstige, umweltfreundliche Wärme aus der Anlage. Seit einiger Zeit speist das Heizkraftwerk bereits in das Wärmenetz der Zukunfts-Energie-Sauerlach ein. Dann bekommen wir die Einnahmen aus der Verpachtung des Grundstücks. Und zu guter Letzt rücken wir damit in die noch sehr kleine Zahl der Gemeinden auf, auf deren Gebiet mehr Wärme und Strom regenerativ erzeugt werden, als hier verbraucht wird.“

Stephan Schwarz, SWM Geschäftsführer Versorgung und Technik

„Schon mit der Modernisierung der Wasserkraftwerke an der Isar, dem Bau des Praterkraftwerks in München und der Wasserschnecke an der Sempt in Wang haben wir verdeutlicht, dass für uns beim Ausbau der regenerativen Energieversorgung Projekte im Raum München Vorrang haben. Die SWM werden auch in Zukunft versuchen, alle regionalen Energiepotenziale konsequent und umweltverträglich zu erschließen. Mein Dank gilt an dieser Stelle den ausführenden Firmen, den Mitarbeitern der SWM, die mit diesem Projekt beschäftigt waren, der Gemeinde Sauerlach für die allseits sehr gute Zusammenarbeit und den Anwohnern für ihr Verständnis. Wir alle haben mit diesem Projekt Neuland betreten und auch Lehrgeld bezahlt. Durch nicht vorhersehbare Schwierigkeiten bei den Bohrungen und durch den Ausfall eines zentralen Anlagenteils kam es zu teils deutlichen Verzögerungen. Dennoch kann sich das Ergebnis sehen lassen. Die Anlage ist eine der leistungsfähigsten und modernsten in ganz Deutschland.“

Technische Daten der Anlage

Tiefe der Bohrungen (Bohrlochlänge): Th1: 4.757 m/Th2: 5.060 m/Th3: 5.567 m
Thermalwassertemperatur: ca. 140 °C
Thermalwassermenge: ca. 110 l/s
Elektrische Erzeugungsleistung: ca. 5 MW
Jährliche Stromerzeugung: ca. 40 Mio. kWh
Max. Wärmeauskopplung an Sauerlach: 4 MW / 4 Mio. kWh/Jahr
Jährliche CO2-Einsparung: 35.000 Tonnen

Geothermieschatz unter München und Region

München und das Umland sind dank ihrer günstigen Lage im bayerischen Molassebecken privilegiert für die Nutzung der hydrothermalen Geothermie. Hier sind die Voraussetzungen so gut wie in nahezu keiner anderen Region Deutschlands: Unter der Erdoberfläche befindet sich in einer Tiefe von 2.000 bis über 4.000 Metern ein riesiger Vorrat an umweltfreundlicher Energie - ein Heißwasservorkommen mit Temperaturen von 80 bis zu über 140 Grad Celsius.

Die Wärme aus diesem Thermalwasser lässt sich optimal zum Heizen nutzen, bei hoher Temperatur wie in Sauerlach auch zur Stromgewinnung. Hierzu muss das heiße Wasser an die Oberfläche geholt werden. Dabei bietet der Malm-Kalkstein einen für die Wärmegewinnung wesentlichen Vorteil: Durch zahlreiche kleine Hohlräume fließt das Wasser relativ gut, deshalb kann hier mit einem Bohrloch eine große Wassermenge gefördert werden.

Das Prinzip „Nachhaltigkeit“

In Sauerlach wird nur der Energieinhalt des heißen Wassers genutzt: Nach Übertragung der Wärme auf den Heizkraftwerksprozess wird das abgekühlte, ansonsten aber nicht veränderte Wasser wieder in die gleiche geologische Schicht zurückgeleitet, aus der es kam – in den Malm. Das ist erforderlich, um den Wasserhaushalt in der Tiefe nicht zu stören, denn der natürliche Zufluss von Wasser in dieser Schicht ist sehr gering. Deshalb müssen mehrere Bohrungen niedergebracht werden. Durch die erste Bohrung, die „Förderbohrung“, wird das heiße Wasser nach oben gefördert. Durch zwei weitere Bohrungen, die „Reinjektionsbohrungen“, wird das abgekühlte Wasser wieder in den Malm-Karst zurückgeführt. Damit es nicht sofort wieder zur Förderbohrung fließt, liegen die Bohrungsendpunkte jeweils etwa zwei Kilometer voneinander entfernt.

In zwei Stufen zur Energie

Eröffnung Geothermie-Heizkraftwerk Sauerlach, Foto: SWM/Obermeier
Foto: SWM/Obermeier

Um die im Thermalwasser enthaltene Wärme möglichst effizient in Strom umzuwandeln ist ein Prozess mit einem Zwischenkreislauf und einem Arbeitsmittel notwendig. Das Thermalwasser überträgt seine Wärme in einem Verdampfer auf dieses Arbeitsmittel. Der unter Druck stehende Arbeitsmitteldampf treibt wiederum eine Turbine an. Das Arbeitsmittel kann die Wärme aus dem Thermalwasser in einem zweistufigen Prozess, wie er in Sauerlach erstmalig in einer deutschen Geothermie-Anlage eingesetzt wird, besonders gut ausnutzen und mit einem hohen Wirkungsgrad in Strom umwandeln. Bei der Entscheidung für die Technologie haben die SWM einen Schwerpunkt auf die Auswahl dieses Arbeitsmittels gelegt.

Das organische Pentafluorpropan, das eingesetzt wird, ist ein Stoff, der schon bei niedriger Temperatur und erhöhtem Druck verdampft. Es ist weder explosiv noch brennbar und für den Einsatz nahe am Ortsrand von Sauerlach sehr gut geeignet. Es ist außerdem ungiftig und wirkt nicht ozonzerstörend. Die für den Stromerzeugungsprozess notwendige Rückkühlung des Arbeitsmittels erfolgt in Luftkondensatoren. Bei dieser Technik wird kein Kühlwasser verbraucht und es können keine Dampfschwaden entstehen.

Überwachung der Anlage

Beim Betrieb des Geothermie-Heizkraftwerks werden keine Schadstoffe (Abgase, Staub, Abfälle), Dampfschwaden oder Erschütterungen an Mensch und Umwelt abgegeben. Um die von der Anlage ausgehenden Geräusche auf ein Minimum zu reduzieren, schöpfen die SWM alle technischen Möglichkeiten aus. Die Anlage wird durch entsprechende Schalldämm-Maßnahmen an den Maschinenkomponenten und am Gebäude so ausgelegt, dass die Geräuschbeiträge an den Immissionsorten irrelevant sind. Um den ordnungsgemäßen Betrieb der voll automatischen Geothermie-Anlage jederzeit sicherstellen zu können, wird der Betrieb von der Informationswarte der SWM rund um die Uhr fernüberwacht. Darüber hinaus wird die Einhaltung der Schallwerte durch Messungen von einem unabhängigen Gutachter überprüft.

Ansprechende Architektur

Die SWM haben auch Wert auf ein ansprechendes Äußeres der Anlage gelegt, beispielsweise durch die Gestaltung der Fassade mit Lärchenholz. In dem archtektonisch sehr homogen konzipierten Gebäude sind die Arbeitsmittelkreisläufe komplett eingehaust und die Luftkondensatoren untergebracht. Neben optischen Aspekten werden so gleichzeitig auch die Betriebssicherheit und der Lärmschutz optimiert.

SWM einer der Vorreiter bei der Nutzung der Geothermie

Die SWM sind einer der führenden deutschen Experten für Fernwärme und Tiefengeothermie und verfügen über jahrelange Erfahrung. Mit ihrem Geothermie-Pilotprojekt Riem übernahmen sie eine Vorreiterrolle und schufen ein vielbesichtigtes Vorbildprojekt. Die Anlage ging 2004 in Betrieb. Seither nutzen die SWM die Geothermie zur Wärmeversorgung der Messestadt Riem. Mit dem über 90 Grad heißen Wasser aus 3.000 Metern Tiefe decken die SWM den Wärmebedarf der Messestadt und auch der Neuen Messe München (Ausnahme: Spitzenlast).

Freiham: Erdwärme für einen neuen Stadtteil

Als nächstes Projekt steht die Geothermieanlage in Freiham zur Realisierung an. Nach der Errichtung eines erdgasbefeuerten Heizwerks haben die SWM im Herbst 2012 nochmals seismische Messungen durchgeführt. Auf Grundlage der Ergebnisse werden seit vergangenem Herbst die Tiefbohrungen geplant. Planung, Ausschreibung und Vergabe dauern etwa ein Jahr. Anschließend sind – abhängig von der Verfügbarkeit von Bohrgeräten – die Bohrarbeiten geplant. Die Einspeisung von geothermischer Fernwärme in die Energiezentrale und damit auch in das Münchner Fernwärmenetz ist für die Heizperiode 2015/16 geplant. Dann soll die Anlage die Grundlast des Wärmebedarfs des neuen Stadtteils und benachbarter Gebiete im Münchner Westen liefern.

Quelle: SWM

Das könnte Sie auch interessieren

Top