Am 13. Februar 2026 jährt sich der Anschlag mit 2 Toten und vielen Verletzten zum ersten Mal

Anschlag auf Streikdemo in München: Stilles Gedenken zum Jahrestag

Am 13. Februar 2025 fuhr in München ein Fahrzeug in eine Streikdemonstration. Der Anschlag forderte zwei Todesopfer, eine städtische Mitarbeiterin und ihre zweijährigen Tochter. München trauerte bei einem Gedenkgottesdienst und einer Gedenkveranstaltung am Stiglmaierplatz und bot zahlreiche Hilfen an. Ein Jahr nach dem Anschlag laden ver.di und die Stadt München am 13. Februar 2026 zum gemeinsamen Gedenken am Tatort ein.

Zahlreiche Menschen legten in Gedenken an die zwei Toten und zahlreichen Verletzten Blumen und Kerzen am Tatort nieder
muenchen.de/Michael Hofmann
Beileidsbekundungen für die Opfer des Anschlags am Stiglmaierplatz

Öffentliche Gedenkveranstaltung am 13. Februar 2026

Am Freitag, 13. Februar 2026, gedenken die Landeshauptstadt München und die Gewerkschaft ver.di von 13 bis 14 Uhr gemeinsam der Opfer des Anschlags auf die ver.di-Streikdemonstration vom Februar 2025. Bei der Veranstaltung handelt es sich ausdrücklich nicht um eine Kundgebung, sondern um ein gemeinsames stilles Gedenken.

  • Die Veranstaltung findet an der Seidlstraße / Ecke Karlstraße unter dem Motto „Wir trauern gemeinsam“ statt und wird in Stille und Würde abgehalten.  Das Gedenken wird musikalisch umrahmt.
  • Eingeladen sind alle Betroffenen, Helfenden, Gewerkschafter*innen sowie alle Münchner*innen, die gemeinsam erinnern, trauern und Solidarität zeigen möchten.
  • Eröffnet wird das Gedenken von Oberbürgermeister Dieter Reiter. Zudem sprechen Claudia Weber, Geschäftsführerin von ver.di München & Region, und Luise Klemens, Landesbezirksleiterin von ver.di Bayern.
  • Die Ablage von Kränzen und Bouquets ist nicht erwünscht.
  • Die Sicherheit der Teilnehmenden hat höchste Priorität. Die Gedenkveranstaltung wird in enger Abstimmung mit den zuständigen Sicherheitsbehörden durchgeführt.
  • Die Teilnahme ist ohne Anmeldung und barrierefrei möglich, Sitzplätze stehen nur begrenzt zur Verfügung.
  • Es wird darum gebeten, besonders auf die Bedarfe von Betroffenen und Angehörigen Rücksicht zu nehmen.
  • ver.di und die Landeshauptstadt München bitten darum, von parteipolitischen Symbolen und Fahnen abzusehen. Gewerkschaftliche Erkennungszeichen sind willkommen. 

Anschlag in München am 13. Februar 2025 unweit des Stiglmaierplatzes

Rettungskräfte stehen in der Nähe des Einsatzortes. In München ist ein Fahrzeug in eine Menschengruppe gefahren.
picture alliance/dpa | Matthias Balk
Polizei, Rettungskräfte und das Tatfahrzeug am Tag des Anschlags

Am Donnerstag, den 13. Februar 2025, fuhr ein Mann mit einem Auto an der Ecke Seidlstraße/Karlstraße in der Münchner Maxvorstadt unweit des Stiglmaierplatzes in einen Demonstrationszug einer ver.di-Veranstaltung mit etwa 1.500 Personen. Dabei verletzte er 39 Personen. Die städtische Angestellte Amel und ihre zweijährige Tochter Hafsa erlagen wenige Tage nach dem Anschlag ihren Verletzungen.

Zahlreiche Einsatzkräfte des Rettungsdienstes und Katastrophenschutzes waren vor Ort, um die Verletzten medizinisch zu versorgen und Betroffene zu betreuen. Teams der psychosozialen Notfallversorgung waren ebenfalls im Einsatz.

Mutter und zweijähriges Kind nach Anschlag verstorben

Zwei Tage nach dem Anschlag hatte das Bayerische Landeskriminalamt mitgeteilt, dass die städtische Mitarbeiterin und ihre zweijähriges Kind ihren schweren Verletzungen erlegen sind. 

Oberbürgermeister Dieter Reiter zeigte sich tief betroffen: „Meine Gedanken sind bei der Familie der Ermordeten und ihren Verwandten und Freunden. ... Der Schmerz ist nicht in Worte zu fassen. Wir werden der Familie alle nur erdenkliche Unterstützung in dieser düsteren Zeit anbieten.“

In einer Video-Botschaft sagte OB Dieter Reiter auf Instagram außerdem: „Ich bin einfach nur traurig und ich bin sicher: Ganz München, ganz Deutschland trauert. Ich will sagen, dass wir mit unseren Gedanken bei den Angehörigen sind. Beim Vater des Kindes und Ehemann. Bei allen, die die Verstorbenen gekannt haben. Ich appelliere dringend an alle, die diesen schrecklichen Tod jetzt kommentieren, sich doch entsprechend respektvoll zu äußern und nicht politische Propaganda zu machen. Das wäre völlig unangemessen. Wir wollen gemeinsam mit den Hinterbliebenen trauern.“

Gedenken in München
IMAGO / Andreas Stroh
Zahlreiche Menschen gedachten der Opfer des Anschlags mit Blumen, Kerzen und Karten

Statement der Angehörigen

In einem Statement, das die Familie zur Veröffentlichung auch auf den Kanälen der Landeshauptstadt München und von muenchen.de freigegeben hat, wenden sich die Angehörigen an die Öffentlichkeit: 

„Wir möchten uns zunächst bei denen herzlich bedanken, die aufrichtige Anteilnahme und Solidarität gezeigt haben. Wir bedanken uns bei den Hilfskräften, bei den Pflegekräften, Ärzt*innen für die gute Unterstützung, Begleitung und für den emotionalen Beistand. Amel ist in Algerien geboren und ist mit vier Jahren nach Deutschland gekommen. Sie studierte Umweltschutz in Köln und Bingen. Seit 2017 war sie Beschäftigte der Landeshauptstadt München als Ingenieurin. Sie war Projekt- und Sachgebietsleitung.

Gemeinsam mit ihrem Mann und ihrer Tochter Hafsa lebte sie seit 2017 in München. Amel war ein Mensch, der sich für Gerechtigkeit eingesetzt hat. War aktiv für Solidarität, Gleichheit und setzte sich für Arbeitnehmer*innenrechte ein und gegen Fremdenfeindlichkeit und Ausgrenzung. Ihr war es sehr wichtig, ihrer Tochter diese Werte mitzugeben.

Wir möchten bekräftigen, dass der Tod und der Verlust nicht benutzt werden, um Hass zu schüren und ihn politisch zu instrumentalisieren. Wir haben mit dieser Erklärung alles gesagt und möchten eindringlich darum bitten, von Anfragen abzusehen, da die Trauer und der Verlust nun im Vordergrund stehen.“

Familie und Freunde

Trauer in München: Gottesdienst, Kondolenzbuch, Gedenkveranstaltung

Oberbürgermeister Dieter Reiter beim Gedenkgottesdienst nach dem Anschlags in München
picture alliance/dpa/dpa-Pool | Sven Hoppe
  • In Erinnerung an die Verstorbenen fand am 17.2.2025 ein interreligiöser Gedenkgottesdienst im Münchner Dom statt. Dabei gedachten neben Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising, und dem evangelisch-lutherischen Landesbischof Christian Kopp auch Vertreter anderer Religionsgemeinschaften sowie Oberbürgermeister Dieter Reiter und Ministerpräsident Markus Söder der Opfer.
  • Die Stadt München hatte vom 17. bis 25. Februar im ersten Stock des Rathauses ein Kondolenzbuch für die beiden Getöteten ausgelegt, in das sich Oberbürgermeister Dieter Reiter mit folgenden Worten eintrug: „München trauert. Wir alle sind zutiefst erschüttert. Der brutale Anschlag auf den Demonstrationszug hat uns mitten ins Herz getroffen. Unsere Gedanken und unser Mitgefühl sind bei allen Opfern und ihren Familien – insbesondere bei der Familie der beiden Ermordeten und ihren Verwandten und Freunden. Lasst uns in dieser schwierigen Zeit fest zusammenstehen!“
  • Am 20. Februar 2025, eine Woche nach dem Anschlag am Stiglmaierplatz, lud die Gewerkschaft ver.di München zu einer Gedenkveranstaltung am Tatort ein. Unter dem Motto „Wir trauern gemeinsam“ gedachten Bürger*innen der Opfer und Betroffenen. Auch Oberbürgermeister Dieter Reiter und der ver.di-Bundesvorsitzende Frank Werneke sowie Claudia Weber von ver.di München sprachen auf der Veranstaltung. Es wurden Kerzen entzündet und Blumen niedergelegt.

Auszüge aus der Trauerrede von OB Reiter

„Wir sind zusammengekommen im Namen der Menschlichkeit. Und ich habe allerhöchsten Respekt davor, dass die Angehörigen von Amel und Hafsa in ihrer schwersten Stunde die Kraft aufgebracht haben, eine Botschaft zu formulieren: „Wir möchten bekräftigen, dass der Tod und der Verlust nicht benutzt werden darf, um Hass zu schüren und ihn politisch zu instrumentalisieren.“ [...] Wir lassen uns nicht spalten von Terror und von Hass. Wir wissen, dass wir zusammenstehen, mehr denn je für unsere demokratische Stadtgesellschaft, in der Menschen aus vielen Nationen friedlich zusammenleben. […] Im Namen der Landeshauptstadt München möchte ich Ihnen sagen: Wir sind für Sie da. […] München trauert, aber München steht zusammen. Gerade jetzt.“

Dieter Reiter Oberbürgermeister der Stadt München

Reel: Gedenkgottesdienst im Münchner Dom

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Anschlag in München am 13. Februar 2025: Der Tatverdächtige

Die Polizei München konnte den Fahrzeugführer vor Ort aus dem Auto ziehen und verhaften, dabei kam es auch zur Abgabe eines Schusses, der den Fahrzeugführer allerdings nicht traf.

Bei dem Tatverdächtigen handelt es sich um einen 24-jährigen afghanischen Asylbewerber mit Wohnsitz in München, der zum Tatzeitpunkt über einen gültigen Aufenthaltstitel verfügt hat. Er ist aus Ermittlungsverfahren polizeibekannt, in denen er aufgrund seiner vorherigen Tätigkeit als Ladendetektiv als Zeuge geführt wurde.

Die Bundesanwaltschaft hat am 19. August 2025 vor dem Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts München Anklage erhoben. Der Angeschuldigte ist des Mordes in zwei Fällen, des versuchten Mordes in 44 Fällen, der Körperverletzung und gefährlichen Körperverletzung sowie des schweren gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr hinreichend verdächtig.