Der Münchner Faschings-Höhepunkt am Viktualienmarkt
So war der Tanz der Marktweiber
Der Höhepunkt des Münchner Faschings am Faschingsdienstag: Am Vormittag verwandelte der traditionelle Tanz der Marktweiber den Viktualienmarkt wieder in eine große närrische Bühne - bis zum Abend gibt es allerdings noch Programm und Party! Mit viel Herzblut präsentierten die Marktfrauen ihre einstudierten Choreografien in fantasievoll und aufwendig gestalteten Kostümen. Doch für fünf Damen war es der letzte Auftritt...
More actions
Nach dem Tanz geht die Party weiter
Die Gaudi ist noch nicht vorbei: An den Standln und in der Innenstadt wird bis gegen 19 Uhr weitergefeiert – mit Musik, Getränken und bester Stimmung. Wer den Auftritt am Vormittag verpasst hat, kann also auch später noch ins Faschingstreiben eintauchen. Zusätzlich sorgen die Bühnenprogramme von „München Narrisch“ am Stachus und am Marienplatz für weitere närrische Highlights.
So war der Tanz der Marktweiber
Nach dem Einmarsch stellten sich die Marktweiber gemeinsam mit OB Dieter Reiter zum Gruppenfoto auf. In ihrem rund einstündigen Programm ging es dann klassisch mit dem „Wagen auf der Linie 8“ von Weiß Ferdl los – dabei saß unter anderem auch der Oberbürgermeister als Fahrgast mit auf der Bühne.
Anschließend wirbelten die Marktweiber zu schmissigen Evergreens wie „Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett“ und „Atemlos“ über das Parkett, setzten mit der Blumenfest-Polka oder "Das Leben tanzt Sirtaki" aber auch leisere und gemütlichere Akzente. Ihre fantasievollen Kostüme spiegelten wie immer die Vielfalt des Viktualienmarkts wider: Ob Bäckerin, Metzgerin oder Blumenhändlerin – auf einen Blick war zu erkennen, wer welchen Stand repräsentiert.
Für einige Urgesteine bedeutete der Tanz heuer allerdings einen Abschied: Fünf langjährige Tänzerinnen und der Tanzlehrer beendeten ihre aktive Zeit bei den tanzenden Marktweibern. Christa Lang, frühere Sprecherin und seit 38 Jahren dabei, Erika Schuster-Dik (40 Jahre), Hella Friedl (33 Jahre), Annemarie Doll (18 Jahre) und Monika Schneider (15 Jahre) verabschiedeten sich ebenso wie Tanzlehrer Christian Langer, der die Gruppe 22 Jahre lang unterstützte. Ein Generationswechsel steht an – doch die Nachfolge ist geregelt, und die Marktweiber werden auch künftig fester Bestandteil des Münchner Faschings bleiben.
Das Vorprogramm mit Narrhalla und OB Reiter
Der Tanz der Marktweiber startete um 9:30 Uhr mit einem schwungvollen Aufwärmprogramm. Auch das Faschingsprinzenpaar wagte dabei die ersten Schritte auf dem Bühnenparkett, begleitet vom Einmarsch des Fahnenregiments und der Prinzengarde der Narrhalla.
Um 10 Uhr eröffnete Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter die Veranstaltung offiziell unter dem Motto „Mir san Fasching, mir san München“. Mit dem augenzwinkernden Spruch „Nur die Harten kommen bekanntlich in den Garten!“ begrüßte er das zahlreich erschienene und gut gelaunte Publikum, das dem kühlen Wetter trotzte. Im Anschluss erhielt der OB standesgemäß den Faschingsorden der Narrhalla aus den Händen des Prinzenpaars.
Bis zum großen Auftritt der Marktweiber zeigte die Faschingsgarde der Narrhalla ihr Programm „Beats und Berge“ mit einer mitreißenden Heidi-Tanznummer. Es folgten weitere Choreografien mit dem Fahnenregiment sowie Auftritte rund um Pumuckl und den Monaco Franze. Mit einem romantischen Prinzenwalzer von Samantha I. und Stephan I. nahm das Programm noch einmal richtig Fahrt auf, bevor schließlich die Marktweiber die Bühne übernahmen.
Vorfreude auf den Marktweiber-Tanz
Die Marktweiber gehören zum Fasching wie das Prinzenpaar - und sind nicht zu ihrem großen Auftritt im Fasching zu sehen. Sie tanzten sich warm und heizten mit Ausschnitten aus ihrem Programm die Münchner*innen ein, damit diese am Faschingsdienstag zahlreich vorbeischauen. So kamen die Närr*innen traditionell in den Genuss der Marktweiber beim Faschingsauftakt am 11.11. oder am Unsinnigen Donnerstag.
Seit wann tanzen die Marktweiber?
Um ihren schlechten Ruf als „grantelnde Marktweiber“ aufzupolieren, begannen Marktfrauen vor über 100 Jahren zur Faschingszeit, zwischen den Ständen herumzutanzen. Der Tanz, die Faschingsmusik und nicht zuletzt der Gratis-Schnaps ließ manch grantelnde Marktfrau ihren sonst üblichen Zwist mit der Nachbarin vergessen.
In den 50er- und 60er-Jahren war der Tanz der Marktweiber noch ein Geheimtipp, wurde aber nach und nach zu einer großen Traditionsveranstaltung, bis die Tänzerinnen schließlich den gepflasterten Bereich des Biergartens in Beschlag nahmen und seit 1987 unter großem Medieninteresse auf einer Bühne am Maibaum/Biergarten tanzen.
Im Laufe der Jahre wurden sowohl Darbietung als auch die Kostüme der Damen immer professioneller. Die Proben beginnen schon viele Monate im Voraus und werden von einem ausgebildeten Tanzlehrer geleitet. Für ihr Kostüm ist jede Marktfrau selbst zuständig. Einige setzen sich selbst an die Nähmaschine, andere beauftragen einen Schneider. Im „richtigen Leben“ arbeite(te)n viele tanzende Damen beispielsweise als Bäckerin, Honigverkäuferin oder Blumenhändlerin auf dem Viktualienmarkt.
Dates
-
Tue , 17. February 2026
10:00
Viktualienmarkt