Schwabing mal anders: München-Tipps für Kultur, Parks und Plätze
Schwabing: 10 Entdecker-Tipps für den Stadtteil in München
Schwabing ist der Stadtteil, den alle zu kennen glauben: Leopoldstraße, Englischer Garten, Münchner Freiheit. Dabei reicht er vom Siegestor bis zum Petuelring – und je weiter ihr euch von der Hauptachse entfernt, desto ruhiger und eigenwilliger wird es.
Diese zehn Orte zeigen die andere Seite: eine Dorfkirche mit über 800 Jahren auf dem Buckel, drei steinerne Augen an einer Ausfallstraße, eine Gartensiedlung mit Pferdestall. Alle sind frei zugänglich, und die meisten lassen sich zu Fuß oder mit dem Rad verbinden.
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Das Wichtigste im Überblick
- 🧭 Worum geht es? 10 besondere Orte in Schwabing – Denkmäler, Kirchen, Parks und eine Siedlung
- 📍 Wo? Schwerpunkt rund um die Münchner Freiheit, dazu ein Abstecher nach Norden und vier Ziele westlich der Leopoldstraße
- 👥 Für wen? Alle, die ihren Stadtteil noch einmal neu ansehen wollen – und Gäste, die mehr suchen als das Standardprogramm
- 💶 Kosten: Alle Orte sind kostenlos zugänglich, auch die Kirchen
- 🕐 Wann? Ganzjährig; die Kirchen nur tagsüber, alle anderen Orte jederzeit
- 💡 Gut zu wissen: Alles am Stück ist ein Tagesprogramm. Zu Fuß teilt ihr am besten auf – die ersten sechs Tipps rund um die Münchner Freiheit als erste Etappe, die vier westlichen als zweite. Mit dem Rad lässt sich die ganze Runde an einem Nachmittag fahren.
Bronze-Denkmäler an der Münchner Freiheit
Zwei Kult-Figuren sitzen an der Münchner Freiheit in Bronze beieinander: Helmut Fischer, den ganz München als „Monaco Franze" kennt, und Helmut Dietl, der Regisseur der Serie. Fischers Figur steht seit den späten 1990er-Jahren vor seinem Stammcafé, Dietl kam im September 2022 dazu. Beide stammen vom Bildhauer Nicolai Tregor.
Und das Rätsel mit dem schiefen Tisch? Tregor hat ihn von Anfang an mit einem Bein in der Luft gegossen – er dachte schon damals einen Sitznachbarn mit, der den Tisch mit dem Fußrücken ankippt. Rund 25 Jahre später kam der Nachbar tatsächlich: Dietl hebt den Tisch an, Fischer muss seinen Eisbecher festhalten.
📍 Münchner Freiheit· U3/U6 Münchner Freiheit
👉 Das Denkmal für Helmut Fischer und Helmut Dietl an der Münchner Freiheit besteht aus zwei Bronzefiguren, die im Abstand von rund 25 Jahren entstanden – erst 2022 ergab der von Anfang an schief gegossene Café-Tisch einen Sinn.
Jugendstil-Kapitelle in der Erlöserkirche
Gleich am Nordende der Münchner Freiheit steht Schwabings älteste evangelische Kirche. Theodor Fischer baute sie 1899 bis 1901, es war seine erste Kirche überhaupt – von außen wirkt sie wie eine süddeutsche Landkirche mit romanischen und gotischen Anklängen.
Der Blick ins Innere lohnt mehr als die Fassade: Die Säulenkapitelle sind florale Jugendstilarbeiten, in der Apsis zieht sich ein Fresko von Linda Kögel über die Wand, darüber liegt eine hölzerne Kassettendecke. Vielen gilt der Bau als künstlerisch wertvollste evangelische Kirche Münchens.
📍 Ungererstraße 15 · U3/U6 Münchner Freiheit
👉 Die Erlöserkirche an der Ungererstraße in Schwabing ist normalerweise von 9 bis 17 Uhr geöffnet und zeigt im Inneren floralen Jugendstil an den Säulenkapitellen.
Der Natur ganz nah: Bummel am Schwabinger See
Mit Geheimtipps ist das so eine Sache – eigentlich sollte man sie für sich behalten, sonst sind sie ja keine mehr. Aber der Schwabinger See im Norden des Stadtteils ist einfach zu schön, um unbekannt zu bleiben.
Der L-förmige See ist noch gar nicht alt: Er entstand Ende der 1980er-Jahre auf dem Gelände des ehemaligen Schwabinger Güterbahnhofs. Durchflossen wird er vom Nymphenburg-Biedersteiner Kanal, der hier den schönen Namen „Schwarze Lacke" trägt und weiter durchs Ungererbad in den Englischen Garten läuft. Zwei Inseln dienen Gänsen, Schwänen und Blässhühnern als Rückzugsort – manchmal hört man es von dort knistern und knacken. Baden ist nicht erlaubt, Bänke gibt es rundherum genug.
📍 Zwischen Berliner Straße und Schinkelstraße, neben dem Ungererbad · U6 Nordfriedhof oder Dietlindenstraße
👉 Der Schwabinger See entstand Ende der 1980er-Jahre auf dem Gelände des früheren Schwabinger Güterbahnhofs und ist heute ein Vogelrefugium mit zwei Inseln.
Wedekindplatz: Warum die Laterne krumm ist
Der Wedekindplatz war der alte Dorfplatz von Schwabing und ist heute einer der beliebtesten Treffpunkte im Viertel: Bänke unter alten Bäumen, ringsum Kneipen, Cafés und kleine Läden, im Sommer plätschert der Musenbrunnen von 1959. Wer sich hier hinsetzt, sitzt neben Münchens wohl schiefster Straßenlaterne – einem Einzelstück aus dem legendären, längst geschlossenen Lokal „Bei Gisela".
Die Krümmung hat einen sehr unromantischen Grund: 1960 brauchte die Wirtin Gisela Jonas eine neue Lautsprecheranlage, und die Laterne stand im Weg. Weil sie sich partout nicht von ihr trennen wollte, lieh sich ein Lehrling ein Schweißgerät und bog die Laterne kurzerhand um die neue Box herum. Nach der Neugestaltung des Platzes leuchtete sie im November 2015 zum ersten Mal wieder, offiziell eingeweiht wurde sie im Mai 2016. Vom Standort aus seht ihr übrigens noch das alte Lokal – heute sitzt dort das Vereinsheim.
📍 Wedekindplatz, an der Feilitzschstraße · U3/U6 Münchner Freiheit
👉 Die schiefe Laterne am Wedekindplatz in Schwabing wurde 1960 im Lokal „Bei Gisela" um eine neue Lautsprecherbox herumgebogen und steht seit 2015 wieder im Freien.
St. Sylvester: zwei Kirchen unter einem Dach
Das Gotteshaus an der Biedersteiner Straße 1 sieht nach unauffälliger Pfarrkirche aus und ist in Wahrheit einer der ältesten Kirchorte im Stadtgebiet. Die quadratischen Turmgeschosse reichen bis um 1200 zurück, die Außenmauern des Altbaus stammen aus gotischer Zeit, im 17. Jahrhundert kamen Stuck und drei Altäre dazu.
Kurios ist die Namensgeschichte: Bis 1897 hieß diese Kirche St. Ursula. Als der große Neubau am Kaiserplatz fertig war, musste die alte Dorfkirche Namen und Patrozinium abgeben – seit 1921 heißt sie St. Sylvester. 1925/26 setzte der Architekt Hermann Buchert einen hellen, neobarocken Neubau direkt an den Altbau. Deshalb stehen hier buchstäblich zwei Kirchen unter einem Dach, was St. Sylvester zu einer gefragten Hochzeitskirche gemacht hat.
📍 Biedersteiner Straße 1 · U3/U6 Münchner Freiheit
👉 Die Pfarrkirche St. Sylvester in der Biedersteiner Straße war Schwabings Dorfkirche und musste 1897 ihren Namen St. Ursula an den Neubau am Kaiserplatz abtreten.
Der Walking Man an der Leopoldstraße
17 Meter hoch, schneeweiß, ohne Gesicht: Die Figur von Jonathan Borofsky steht seit September 1995 vor dem Bürogebäude der Munich Re Stiftung und wurde eigens für diesen Ort entworfen. Der Künstler ließ sie in Los Angeles bauen, mehr als ein Jahr dauerte die Arbeit, in neun Teilen kam sie nach München.
Wer davorsteht, ahnt nichts von der Geschichte des Grundstücks. In einem Hintergebäude an dieser Stelle lag das Atelier des Architekten Manfred Eickemeyer. Er überließ es Hans Scholl und dessen Freunden – hier traf sich ab dem Frühsommer 1942 der Widerstandskreis der Weißen Rose.
📍 Leopoldstraße 36 · U3/U6 Giselastraße
👉 Der Walking Man von Jonathan Borofsky steht seit 1995 an der Leopoldstraße in Schwabing; auf demselben Grundstück lag das Atelier, in dem sich 1942 die Weiße Rose traf.
Italienisches Flair am „Dom von Schwabing"
Ein paar Straßen westlich der Leopoldstraße steht am Kaiserplatz die Kirche, die den Namen St. Ursula geerbt hat. August Thiersch baute sie zwischen 1894 und 1897 nach dem Vorbild der Florentiner Frührenaissance: eine Basilika mit Säulenvorhalle, Vierungskuppel und freistehendem Glockenturm.
Es war der erste Sakralbau Münchens, der sich von den mittelalterlichen Vorbildern löste – Thiersch verwendete für Fundament, Turmtreppe und Kuppel sogar den damals neuen Baustoff Beton. Das älteste München-Klischee von der nördlichsten Stadt Italiens stimmt hier ausnahmsweise ziemlich genau. Schaut euch im Inneren die Majolikareliefs von Balthasar Schmitt an, die farbig bemalte italienische Keramik nachbilden. Und neben dem Vorplatz steht eine alte Glocke, die ihr aus nächster Nähe betrachten könnt – so dicht kommt ihr an eine Kirchenglocke sonst selten heran.
📍 Kaiserplatz · U3/U6 Münchner Freiheit oder U2 Hohenzollernplatz
👉 Die Pfarrkirche St. Ursula am Kaiserplatz entstand 1894 bis 1897 nach dem Vorbild der Florentiner Frührenaissance und war der erste Münchner Kirchenbau, der sich von mittelalterlichen Stilvorbildern löste.
Relaxen zwischen Kunstwerken im Petuelpark
Früher schossen hier Autos durch, heute schieben Eltern ihre Kinderwägen über gekieste Wege: Der Petuelpark ist Münchens erster Park auf einem Tunneldeckel und verbindet seit 2004 zwei Stadtteile, die der Mittlere Ring jahrzehntelang getrennt hatte.
Über den Park verteilen sich 13 Kunstwerke. Bogomir Eckers Periskop lässt euch nach unten in den Tunnel schauen – aus der Idylle direkt ins Verkehrsgetümmel, im Winter allerdings stillgelegt. Pia Stadtbäumers Cowboy „Go!" reitet mit vollbepacktem Maultier im Kreis. Und Rodney Grahams sieben Stühle spielen jeden Tag um 16:15 Uhr einen Song. Am Fontänenplatz gibt es ein Café mit Biergarten, in dessen Untergeschoss ein Ausstellungsraum liegt, der nicht betreten werden kann, sich aber durch die Glasfassade einsehen lässt.
📍 Zugang am Petuelring · U3 Petuelring
👉 Im Petuelpark über dem Petueltunnel stehen 13 Kunstwerke, darunter ein Periskop, durch das man den Autoverkehr im Tunnel unter dem Park beobachten kann.
Drei Augen an der Schleißheimer Straße
Zwischen Nordbad und Stadtarchiv liegt eines der schrägsten Kunstwerke der Stadt – und die meisten fahren daran vorbei, ohne es zu bemerken. Anne und Patrick Poirier haben 1990 ein vierteiliges Ensemble über die Straße hinweg gebaut.
Vor dem Nordbad stehen zwei Marmorquader: das oculus memoriae, das Auge des Erinnerns, und das oculus oblivionis, das Auge des Vergessens. Beide blicken hinüber auf das oculus historiae, eine vergoldete Scheibe in der Fassade des Stadtarchiv-Magazins. Davor ragt eine gut acht Meter hohe Stahlsäule auf, die in sich gebrochen ist und oben von einer Platte in Form eines aufgeschlagenen Buchs abgeschlossen wird. Passender könnte ein Kunstwerk vor einem Archiv kaum sein.
📍 Schleißheimer Straße 142, vor dem Nordbad und gegenüber dem Stadtarchiv-Magazin · U2 Hohenzollernplatz
👉 An der Schleißheimer Straße blicken zwei Marmoraugen vom Nordbad aus auf das goldene „Auge der Geschichte" in der Fassade des Münchner Stadtarchivs.
Barbarasiedlung: ein Dorf im Kasernenviertel
Im Dreieck zwischen Barbara-, Infanterie- und Schwere-Reiter-Straße liegt eine Siedlung, die jeder Erwartung an Schwabing widerspricht: Ein- bis Vierfamilienhäuser im Heimatschutzstil, teils mit Fachwerk und Holzverkleidung, dazu Vor- und Nutzgärten und eine kleine Privatstraße mittendrin.
Gebaut wurde sie zwischen 1909 und 1918 für Handwerker des benachbarten militärischen Bekleidungsamts – der Architekt Georg Besold kombinierte Theodor Fischers städtebauliche Prinzipien mit der Gartenstadtidee. Die Anlage steht komplett unter Ensembleschutz, 1993 wurde die Renovierung beim Münchner Fassadenpreis lobend erwähnt. Und hinter einem der Häuser stehen tatsächlich Pferde: Hier hat Münchens einzige Kutscherei ihre Ställe, deren Fiaker ab Mittag am Chinesischen Turm warten.
Denkt daran: Das ist keine Sehenswürdigkeit, sondern ein Wohnquartier. Schaut euch in Ruhe um, bleibt aber auf den Wegen.
📍 Zugang über die Barbarastraße, Kutscherei in der Schwere-Reiter-Straße 22 · Tram-Haltestelle Barbarastraße
👉 In der Barbarasiedlung in Schwabing, gebaut 1909 bis 1918 als Militärwohnanlage im Heimatschutzstil, stehen die Pferde von Münchens einziger Kutscherei.
Häufige Fragen zu Schwabing
Gehört Schwabing-West auch zu Schwabing?
Ja. Schwabing-West wurde 1909 als eigener Stadtbezirk abgetrennt, weil die Bevölkerung zu schnell wuchs – im Alltag spricht aber niemand von zwei Stadtteilen. Die Tipps auf dieser Seite verteilen sich über beide Hälften.
Welche Kirchen lohnen sich in Schwabing?
Drei sind besonders sehenswert: die Erlöserkirche mit ihrem Jugendstil-Innenraum, St. Sylvester als frühere Dorfkirche mit mittelalterlicher Bausubstanz und St. Ursula am Kaiserplatz mit ihrer italienisch inspirierten Kuppel.
Wo steht der Walking Man?
An der Leopoldstraße in Schwabing, vor dem Bürogebäude der Munich Re zwischen Giselastraße und Münchner Freiheit. Die Skulptur steht im öffentlichen Raum und ist jederzeit frei zugänglich.
Wo sitzt Monaco Franze in Schwabing?
An der Münchner Freiheit, im Garten des gleichnamigen Cafés. Die Bronzefigur zeigt Helmut Fischer in seiner Rolle als „ewiger Stenz", seit 2022 sitzt Regisseur Helmut Dietl am selben Tisch.
Kann man die Barbarasiedlung besichtigen?
Ihr könnt durch die Siedlung spazieren, sie ist über die Barbarastraße zugänglich. Es handelt sich aber um bewohnte Häuser mit privaten Gärten – Innenräume sind nicht zu besichtigen.
Wo gibt es in Schwabing Kunst im Freien?
Am meisten im Petuelpark mit seinen 13 Werken. Dazu kommen der Walking Man an der Leopoldstraße und das Augen-Ensemble zwischen Nordbad und Stadtarchiv. Alle drei sind jederzeit zugänglich und kostenlos.