Zum Tod von Dieter Hildebrandt

Am Ende war die Krankheit stärker: Dieter Hildebrandt hat den Kampf gegen den Krebs verloren. In der Nacht auf den 20. November 2013 verstarb er im Kreis seiner Familie. Mit Hildebrandt verschied ein großer Kabarettist, der sein Fach wie kaum ein anderer im Nachkriegsdeutschland geprägt hat. Er war vor allem als Gründer der Münchner Lach- und Schießgesellschaft und durch die satirische Fernsehsendung „Scheibenwischer“ bekannt geworden.

Hildebrandt ist in der Nacht auf den 20. November in einem Münchner Krankenhaus gestorben, wie seine Frau Renate der Nachrichtenagentur „dpa“ bestätigte. Erst kürzlich war bekannt geworden, dass der 86-Jährige an Prostatakrebs erkrankt war. Er selbst hatte die Diagnose laut „tz“ erst im Sommer erfahren und daraufhin alle seine Auftritte abgesagt. Zunächst sah es so aus, als würde sich sein Zustand nach einem Krankenhausaufenthalt wieder bessern. Vor Kurzem hatte er allerdings einen schweren Rückschlag erlitten und musste sich erneut in eine Klinik begeben. „Ich werde kämpfen bis zum Schluss“, sagte er noch in einem Interview mit der „tz“. Nun hat er den Kampf gegen den Krebs verloren.

Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, findet die Bestattung am Montag, dem 2. Dezember auf dem Neuen Südfriedhof am Perlacher Forst statt. Dort liegt schon Dieter Hildebrandts erste Frau Irene begraben. Die Beerdigung beginnt um 13 Uhr.

Oberbürgermeister Christian Ude zum Tod von Hildebrandt

(21.11.2013) Mit großer Bestürzung und tiefer Trauer hat Oberbürgermeister Christian Ude die Nachricht vom Tod Dieter Hildebrandts aufgenommen: „Noch in diesem Jahr haben wir umjubelte, virtuose Auftritte voller Kraft und Witz erleben und mitfeiern dürfen – da ist es einfach nicht zu fassen, dass er plötzlich nicht mehr da sein soll.

Dieter Hildebrandt hat mit der „Münchner Lach und Schieß“ das politische Kabarett in München heimisch gemacht und mit den „Notizen aus der Provinz“ genauso wie später mit dem „Scheibenwischer“ eine unvergleichliche  Präsenz auf dem Bildschirm erlangt – nicht als Entertainer, sondern als unerbittlicher Aufklärer, als kritische Instanz und moralische Institution, als kämpferischer Humanist, der die Welt besser und die Gesellschaft menschlicher machen wollte, der nie dem Mainstream nachgelaufen ist, sondern sich oft mit Mächtigen angelegt und stets Farbe bekannt hat. Noch immer ist mir unvergesslich, wie ich als Schüler an Silvesterabenden am Radio saß, um seine Abrechnung mit Fehlentwicklungen im ablaufenden Jahr zu hören – das war nicht nur witzig, lustig, schlagfertig, voller Spontanität und Improvisationstalent, nein, das war unendlich viel mehr, das machte Mut zur Kritik, stiftete an zur Aufsässigkeit, lud ein zur politischen Einmischung, weil es nach einer solchen Lektion einfach undenkbar war, als Untertan oder „Ohnemichel“ alle Missstände, die er angeprangert hatte, einfach hinzunehmen.

Dieter Hildebrandt war von seinen ersten Auftritten in den 50-er Jahren bis zu den letzten in diesem Jahr nicht nur der Größte seines Fachs, sondern ein Glücksfall für die deutsche Demokratie, der es ohne ihn an Oppositionsgeist, Kritikvermögen und Bereitschaft zum Engagement gemangelt hätte. Seinen jugendlichen Wechsel vom Laienspielseminar zum Kabarett hat er damit begründet, dass er für Liebhaberrollen nicht schön genug und fürs Charakterfach nicht gut genug gewesen sei. Trotzdem wird er uns in etlichen Rollen, vor allem als schmieriger Fotograf Herbie in Helmut Dietls Kir Royal, stets gegenwärtig bleiben. 1997 durfte ich ihm als bedeutenden „Freund Münchens“ die Medaille „München leuchtet“ überreichen, nachdem er dies zuvor unter Hinweis auf fehlendes Alter zurückgewiesen hatte. 2011 bekam er den Kulturellen Ehrenpreis, die höchste kulturelle Auszeichnung der Stadt. Persönlich habe ich Dieter Hildebrandt für eine Freundschaft zu danken, in der er kein kritisches Wort unterdrückte, aber stets und auch noch mit 86 Jahren zu aktiver Unterstützung bereit war. Unser Mitgefühl gilt seiner Frau Renate Küster, die ihm seinen letzten Lebensabschnitt so glücklich gestalten konnte.“

Pressestimmen zum Tod von Dieter Hildebrandt

"Ich verneige mich. Gute Reise" Reaktionen zum Tod von Dieter Hildebrandt (sueddeutsche.de) mehr...

 „Er war unermüdlich, unerbittlich und im besten Sinne unbelehrbar.“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung) mehr...

„Der Kabarettist Dieter Hildebrandt war ein Meister der Aneinanderreihung halbfertiger Sätze, die dennoch stets mehr als einen Gedanken enthielten.“ (Neues Deutschland) mehr...

„Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass Dieter Hildebrandt eine Säule der alten Bundesrepublik gewesen ist. Ein Aufpasser erster Güte.“ (Welt) mehr...

„Er hat sich Gehör verschafft durch ein präzis ausgerichtetes Crescendo, blieb immer über der Gürtellinie, setzte auf die feine Spitze und nicht auf den derben Witz. Eigenschaften, wegen derer er fehlen wird. (Neue Osnabrücker Zeitung) mehr...

Leben und Werk: Kabarettist, Schauspieler und Moderator

Dieter Hildebrandt wurde am 23. März 1927 im niederschlesischen Bunzlau geboren. Er wuchs unter anderem auf einem Bauernhof auf und begeisterte sich schon zur Schulzeit für die Schauspielerei. 1943 wurde er Flakhelfer und kurz vor Kriegsende zur Wehrmacht eingezogen. Nach der Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft, kam er im Jahr 1950 zum Studium nach München. Dort war er 1956 Mitbegründer der „Lach- und Schießgesellschaft“, die bald bundesweites Ansehen genoss. Auch im Fernsehen machte er sich einen Namen. Von 1972 bis 1979 stand er für das ZDF-Format „Notizen aus der Provinz“ vor der Kamera, ab 1980 etablierte er in der ARD das Live-Kabarett „Scheibenwischer“. Auch in der Satiresendung „Neues aus der Anstalt“ war er des Öfteren zu Gast. Zuletzt tourte er mit Soloprogrammen wie „Ich kann doch auch nichts dafür“ durch Deutschland. Er wurde für sein Schaffen mit zahlreichen Preisen geehrt, darunter vier Grimme-Preise und der Erich-Kästner-Preis. Er zählt zu den größten Kabarettisten Deutschlands.

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