Dieter Hildebrandt: Wie der Wahlmünchner das politische Kabarett geprägt hat

Von der Münchner Lach- & Schießgesellschaft bis zum Scheibenwischer

Er war der virtuose Stammler, der berechnende Stotterer und keine seiner Pointen verschluckte er unabsichtlich. Dieter Hildebrandt war Deutschlands bekanntester Kabarettist und München seine Heimat – auch wenn er nicht hier geboren wurde.

Wer war Dieter Hildebrandt? Das Wichtigste auf einen Blick

, Foto: Daniel Schäfer
Foto: Daniel Schäfer Dieter Hildebrandt (1927 - 2013).
  • Geburtstag: 23. Mai 1927 im schlesischen Bunzlau
  • Todestag: 20. November 2013 in München
  • Beruf: Kabarettist, Schauspieler, Autor
  • Familie: 1. Frau Irene Mendler (1955 bis zu ihrem Krebstod 1985), zwei Kinder Ursula und Jutta Hildebrandt. 1992 Heirat Renate Küster.
  • Bekannt wurde Dieter Hildebrandt durch sein politisches Kabarett in den Fernsehsendungen „Notizen aus der Provinz“ und „Scheibenwischer“ sowie als Mitbegründer der „Münchner Lach- und Schießgesellschaft“.
  • Seine Ausflüge in die Schauspielerei sind heute Kult, z.B. als „Herbie Fried“ in Helmut Dietls Fernsehserie „Kir Royal“ oder als Casanova „Dr. Eigenbrodt“ in Gerhard Polts Urlaubs-Satire „Man spricht Deutsch“.

Wahlheimat München: Über 60 Jahre lang war Hildebrandt hier zu Hause

Aus dem friedlichen Idyll im Stadtteil Waldperlach versuchte Hildebrandt mit messerscharfem Humor, Deutschland moralisch zu erziehen. In München gründete er die Lach- und Schießgesellschaft, die zum Hauptquartier des deutschen politischen Kabaretts wurde und noch heute wegweisendes Theater bietet. In München schrieb er die Nummern für die ARD-Sendung „Scheibenwischer“, die immer wieder politische Kontroversen auslöste.

In München findet man auch sein Grab. 2013 wurde er auf dem Neuen Südfriedhof beigesetzt, die Trauerrede hielt der damalige OB Christian Ude.

Die Münchner Lach- und Schießgesellschaft: Kabarett aus Bayern

Gemeinsam mit seinem Freund Sammy Drechsel gründete Hildebrandt 1956 die Münchner Lach- und Schießgesellschaft in Schwabing, nur einen Steinwurf von der Münchner Freiheit entfernt. Gleich das erste, über dreistündige Programm wurde im März 1957 von der ARD ausgestrahlt. Der Startschuss einer langjährigen Zusammenarbeit, denn bis 1971 gehörte „Schimpf vor Zwölf“, der kabarettistische Jahresrückblick der Lach und Schieß, zum regelmäßigen Silvesterprogramm des Senders.

Die Münchner Lach- und Schießgesellschaft war eines der einflussreichsten Kabaretts in Deutschland und existiert mit einigen Unterbrechungen und Ensemblewechsel durchgehend bis zum heutigen Tag.

Straße, Preise, Ehrungen: Wie er den Münchner*innen erhalten bleibt

Dieter Hildebrandt wurden zu Lebzeiten sowie posthum zahlreiche Auszeichnungen zu Teil. Neben diversen Kritikerpreisen und Literatur-Ehrungen nahm er ganze vier Adolf-Grimme-Preise mit nach Hause, einen für „Notizen aus der Provinz“, zwei für „Scheibenwischer“ und 2004 für sein Lebenswerk.

München ehrte ihm nicht nur mit der „München leuchtet“- und Ludwig-Thoma-Medaille, sondern auch auf ganz besondere Weise:

  • Straße: In unmittelbarer Nähe seiner letzten Ruhestätte am Neuen Südfriedhof führt die Dieter-Hildebrandt-Straße von der Adolf-Hackenberg-Straße zur Hochäckerstraße.
  • Schule: Mit dem Umzug nach Sendling wurde die Wirtschaftsschule in „Staatliche Dieter-Hildebrandt-Wirtschaftsschule München“ umbenannt. Eine in Deutschland einzigartige Namensvergabe, die auf ausdrücklichen Wunsch von Schülern und Lehrern durchgesetzt wurde.
  • Kabarettpreis: 2015 wurde der Kabarettpreis der Landeshauptstadt München, der Künstler und Ensembles aus der Region München mit politischem und gesellschaftlichem Programm auszeichnet, in Dieter-Hildebrandt-Preis umbenannt.
Dieter Hildebrandt (rechts) bei der Premiere des Films "Zettl" 2012.
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