Vom Sudhaus zum Wahrzeichen: das wohl berühmteste Wirtshaus der Welt
Das Hofbräuhaus am Platzl: Geschichte, Räume und Traditionen
„In München steht ein Hofbräuhaus…" – den Rest des Refrains können selbst Leute mitsingen, die noch nie in Bayern waren. Das Haus dahinter steht am Platzl, mitten in der Altstadt, und ist deutlich mehr als die Kulisse für ein Trinklied. Hier findet ihr alles über den Ort: die herzogliche Sparmaßnahme von 1589, den Bierpalast der Neorenaissance, die 616 Krugfächer im Maßkrugtresor
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Das Wichtigste im Überblick
- Wo: Platzl 9, Altstadt-Lehel, 80331 München
- Was: Staatliches Wirtshaus und Baudenkmal im Stil der Neorenaissance
- Öffnungszeiten: Täglich von 11 bis 24 Uhr
- Eintritt: Kostenlos, die Räume sind während der Öffnungszeiten frei zugänglich
- Anfahrt: S-Bahn und U3/U6 bis Marienplatz oder Isartor, rund 500 Meter Fußweg
- Barrierefreiheit: Ebenerdiger Zugang über die Bräuhausstraße, Aufzug und barrierefreie WCs vorhanden
- Gut zu wissen: Gebraut wird hier längst nicht mehr – die Brauerei sitzt seit 1988 in Riem
Die Räume im Überblick
- Schwemme: die große Bierhalle im Erdgeschoss mit rund 1.000 Plätzen an langen Holztischen
- Festsaal: in den Obergeschossen, unter einem neun Meter hohen Gewölbe, für etwa 1.500 Personen
- Weitere Räume: Wappensaal, Münchner Zimmer, Erkerzimmer und Bräustüberl, zusammen nochmals über 1.000 Plätze
- Wirtsgarten: der Innenhof mit dem Löwenbrunnen, im Sommer geöffnet
👉 Die Schwemme im Erdgeschoss des Hofbräuhauses fasst rund 1.000 Gäste, der Festsaal in den Obergeschossen noch einmal etwa 1.500.
Gut zu wissen für den Besuch
- Reservierung: In Schwemme und Wirtsgarten wird nicht reserviert, dort setzt man sich einfach dazu. Reserviert wird nur im Bräustüberl im ersten Stock.
- Führungen: München Tourismus vermittelt Führungen durch das Haus für Gruppen, Buchung spätestens 72 Stunden vorher.
- Brauereiführungen: finden nicht am Platzl statt, sondern am Brauereistandort in Riem.
- Hunde: erlaubt.
- Musikfreie Tage: An Karfreitag und Allerheiligen spielen keine Kapellen.
- Barrierefreiheit im Detail: Türbreite am Haupteingang 180 Zentimeter, barrierefreie WCs im Erdgeschoss und im zweiten Obergeschoss. Im Innenraum liegen einzelne Schwellen von rund sieben Zentimetern, der Wirtsgarten ist mit Kleinsteinpflaster belegt.
- Parken: Parkhaus Hofbräuhaus am Thomas-Wimmer-Ring, Reisebus-Stellplätze am Altstadtring.
Das bekannteste Wirtshauslied der Welt: Oans, zwoa, g’suffa
Das Hofbräuhaus-Lied entstand 1935 – und stammt nicht aus München. Die Musik schrieb der Berliner Komponist Wilhelm „Wiga" Gabriel, als Textdichter wird sein Freund Klaus S. Richter aus Hindelang im Allgäu genannt. Der Überlieferung nach fiel Gabriel die Melodie in einem Berliner Café ein. Weil er kein Notenpapier zur Hand hatte, notierte er sie kurzerhand auf dem Titelblatt einer Illustrierten.
Uraufgeführt wurde der Walzer 1936 auch nicht am Platzl, sondern auf dem Dürkheimer Wurstmarkt in der Pfalz. Von dort wanderte er über die Faschingssäle ins Repertoire praktisch jeder Blaskapelle – und schließlich in genau das Wirtshaus, das er besingt. Gabriel soll sein Stück im Hofbräuhaus sogar selbst dirigiert und dafür einen überdimensionierten Bierkrug bekommen haben.
Ein Detail für Münchenkenner*innen: Der Anfang der Melodie ähnelt der inoffiziellen Stadthymne „Solang der alte Peter", auf die Gabriel zurückgegriffen haben soll.
👉 Das weltbekannte Hofbräuhaus-Lied wurde 1935 von dem Berliner Komponisten Wiga Gabriel geschrieben und 1936 auf dem Dürkheimer Wurstmarkt uraufgeführt – nicht in München.
Traditionen, die das Haus prägen: Stammtische, Aloisius, Musik
Über 125 Stammtische treffen sich hier regelmäßig, rund 3.500 Stammgäste zählt das Haus – Handwerkerinnen, Trachtengruppen, Taxifahrer, Flugkapitäne, bunt zusammengewürfelte Runden. Viele von ihnen lassen ihren Maßkrug gleich da. Der Maßkrugtresor hat 616 Fächer, und die kann man nicht kaufen: Sie sind Stammgästen vorbehalten.
Der berühmteste Stammgast ist trotzdem eine Erfindung. Engel Aloisius stammt aus Ludwig Thomas Kurzgeschichte „Ein Münchner im Himmel" von 1911. Dienstmann Alois Hingerl wird darin nach seinem Tod zum Engel befördert, hält es dort oben ohne Bier aber nicht aus. Zurück auf die Erde geschickt, um der bayerischen Regierung einen göttlichen Ratschlag zu überbringen, kehrt er zuerst im Hofbräuhaus ein – und sitzt der Erzählung nach bis heute dort. Die Regierung wartet noch.
Musik gehört ebenfalls dazu: In der Schwemme spielen täglich Kapellen. Still bleibt es nur an den stillen Feiertagen Karfreitag und Allerheiligen.
👉 Im Hofbräuhaus am Platzl treffen sich über 125 Stammtische, deren Mitglieder ihre persönlichen Maßkrüge in einem Tresor mit 616 Fächern aufbewahren.
Von der Hofbrauerei zum Wirtshaus
Am Anfang stand kein Wirtshaus, sondern eine Rechnung: Der Wittelsbacher Hof kaufte sein Bier teuer auswärts ein, unter anderem im niedersächsischen Einbeck. 1589 ließ Herzog Wilhelm V. deshalb selbst brauen – zunächst beim Alten Hof, ab 1607 an der Stelle, an der das Hofbräuhaus bis heute steht.
Für die Münchner*innen öffnete es allerdings erst 1828, als König Ludwig I. erlaubte, auch die Bevölkerung zu bewirten. 1852 ging das Haus an den bayerischen Staat – daher der offizielle Name Staatliches Hofbräuhaus am Platzl.
👉 Das Hofbräuhaus entstand 1589 als herzogliche Brauerei, um teure Bierimporte zu ersparen, und öffnete erst 1828 für die Münchner Bevölkerung.
Wie das Haus zu seinem heutigen Gesicht kam
Die Jahreszahl 1589 steht überall dran, die Mauern sind sehr viel jünger. 1896 zog die Brauerei nach Haidhausen in den heutigen Hofbräukeller. Was danach am Platzl entstand, plante Max Littmann: ein Bierpalast im Stil der Neorenaissance, eröffnet im September 1897.
Fünfzig Jahre später war davon fast nichts mehr übrig. 1945 zerstörten Luftangriffe das Gebäude bis auf die Schwemme. Erst zur 800-Jahr-Feier der Stadt 1958 war der Wiederaufbau abgeschlossen.
👉 Der heutige Bau des Hofbräuhauses stammt aus dem Umbau von 1896/97 nach Plänen von Max Littmann und wurde nach schweren Kriegszerstörungen bis 1958 wiederaufgebaut.
Fünf Geschichten aus dem Hofbräuhaus
- Politische Bühne: Am 24. Februar 1920 trug Adolf Hitler im Haus vor rund 2.000 Personen das 25-Punkte-Programm vor; die Deutsche Arbeiterpartei nannte sich von diesem Tag an Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei. Ab 1934 nutzten die Nationalsozialisten das Hofbräuhaus jährlich für ihre Parteigründungsfeiern.
- Bier gegen Plünderung: 1632 standen schwedische Truppen vor München. Zu dem Preis, mit dem sich die Stadt freikaufte, gehörten 23.168 Liter aus dem Hofbräuhaus.
- Wie der Bock zu seinem Namen kam: Weil das starke Bier aus Einbeck am Hof so beliebt war, warb man 1612 kurzerhand einen Braumeister von dort ab. Aus dem „Ainpöck" machte der Münchner Mundgebrauch erst den „Oanbock" und schließlich den Bock.
- Ein Missverständnis auf Russisch: Lenins Frau Nadeschda Krupskaja notierte, das Kürzel HB auf den Krügen habe sie an die Abkürzung einer russischen Geheimgesellschaft erinnert. Geschützt ist das Kürzel seit 1879 – zu viele Brauereien hatten es kopiert.
- Das Haus als Exportartikel: 2004 entstand in Las Vegas ein dem Original nachempfundener Bau in Lizenz. Weitere folgten weltweit.
👉 Am 24. Februar 1920 verkündete die NSDAP im Hofbräuhaus am Platzl ihr Parteiprogramm – ein Datum, das das NS-Dokumentationszentrum München als Teil der Stadtgeschichte einordnet.
FAQ: Häufige Fragen zum Hofbräuhaus
Wann hat das Hofbräuhaus geöffnet?
Täglich von 11 bis 24 Uhr.
Kostet der Besuch Eintritt?
Nein, die Gasträume sind während der Öffnungszeiten frei zugänglich.
Wird im Hofbräuhaus noch Bier gebraut?
Nein. Die Brauerei zog 1896 nach Haidhausen und hat seit 1988 ihren Standort in München-Riem.
Wie alt ist das Gebäude am Platzl?
Der heutige Bau stammt aus dem Umbau von 1896/97, nach den Kriegszerstörungen wurde er bis 1958 rekonstruiert. Die Brauereigeschichte an diesem Ort beginnt 1607.
Muss man reservieren?
In Schwemme und Wirtsgarten nicht. Reservierungen gibt es nur im Bräustüberl im ersten Stock.
Ist das Hofbräuhaus barrierefrei?
Der Zugang ist ebenerdig, ein Aufzug und barrierefreie WCs sind vorhanden. Im Innenbereich gibt es einzelne niedrige Schwellen.
Wem gehört das Hofbräuhaus?
Seit 1852 dem bayerischen Staat, daher der offizielle Name Staatliches Hofbräuhaus am Platzl.
Auf einen Blick
Hofbräuhaus
Platzl 9
80331
München
Tel:
+4989290136100
Fax:
+4989290136129
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