Was Ihr in Neuhausen-Nymphenburg immer machen könnt

Häuserfassaden in Neuhausen, München., Foto: Anette Göttlicher
Foto: Anette Göttlicher

Neuhausen neu erleben: Kultur, Eis, Architektur und Restaurants

Das größte Viertel Münchens - von der Einwohnerzahl her - hat mehr zu bieten als Schloss Nymphenburg. Das berühmteste Eis, die schönsten Fotomotive, großartige Pizza und ein paar Geheimtipps.

Eis! Im Sommer auf der Waffel, im Winter unter den Füßen

Der Nymphenburger Kanal im Winter., Foto: Anette Göttlicher
Foto: Anette Göttlicher Wenn es längere Zeit richtig kalt bleibt, friert der Nymphenburger Kanal zu

Woran denkt Ihr als erstes, wenn Ihr „Neuhausen-Nymphenburg“ hört? Richtig, das weltberühmte Schloss Nymphenburg. Aber Kenner denken auch an: Eis. Bei Temperaturen über 10 Grad plus assoziiert man die wohl bekannteste Eisdiele Münchens, das Sarcletti. Die Sorten sind gar nicht so speziell, Weißwursteis oder Stachelbeer-Balsamico sucht man hier vergebens, aber Carapinho mit Pinienkernen, Schoko Spezial oder Himbeer-Grieß machen süchtig. Und obwohl der Platz vor der Eisdiele nicht der schönste des Viertels ist, trifft man sie hier alle, die Einheimischen und die Zuagroasten aus Schwabing oder der Maxvorstadt. Hinweis: Bis 7.2.2020 befindet sich das Sarcletti in der wohlverdienten Winterpause!

Fällt das Thermometer im Winter unter die Nullgradgrenze, geht’s einen Kilometer weiter nach Nordwesten: Zum Nymphenburger Kanal, Eisstockschießen zwischen Waisenhaus und Schloss oder Eislaufen auf dem Teich am Hubertusbrunnen. Zuschauen macht auch Spaß: An den Verleih-Häuschen gibt’s auch Glühwein, Würstl, Gummischlangen und Tee. Den besten Blick aufs Geschehen hat man von der Gerner Brücke aus. Mehr zur Wintergaudi am Schlosskanal

Architektur: Die Herz-Jesu-Kirche und den Jugendstil entdecken

Die Herzjesukirche in München Neuhausen., Foto: Anette Göttlicher
Foto: Anette Göttlicher

In Neuhausen gibt’s jede Menge toller Fotomotive. Einen Superlativ hat die katholische Herz-Jesu-Kirche in der Lachnerstraße: das größte Kirchenportal der Welt! Es ist 14 Meter hoch, 18 Meter breit und 50 Tonnen schwer. Die blaue Glasfassade ist normalerweise geschlossen, aber zu besonderen Gelegenheiten, zum Beispiel bei der Erstkommunion im Mai, öffnen sich die gewaltigen Flügeltüren. Ein ganz besonderes Schauspiel, das es nur in Neuhausen gibt!

Wer schöne Häuser und Architektur liebt, findet in Neuhausen-Nymphenburg und insbesondere Gern viele Villen und Gebäude im Jugendstil. Eingemeindet wurde das Viertel im Jahr 1890, kurze Zeit später wurde München zu einem Zentrum der Art nouveau. Ins Fernsehen schaffte es das Wappenhaus am östlichen Rand von Neuhausen, an der Ecke Nymphenburger/Maillingerstraße. In den oberen beiden Stockwerken wohnte, nein, logierte Klatschreporter Baby Schimmerlos in der 80er-Kultserie „Kir Royal“.

Ein besonderes Schmankerl an der Grenze von Neuhausen zu Gern ist die Bothmerstraße, die kurz vor dem Kanal von der Nymphenburger Straße abzweigt: Hier sind noch fast alle alten Jugendstilbauten erhalten. Besonders schöne Ensembles gibt’s auch ein paar hundert Meter weiter, mitten im Villenviertel Gern, zum Beispiel in der Wilhelm-Düll-Straße. Überhaupt ist diese erste Reihenhaussiedlung Münchens einen Spaziergang wert: Ein bisschen Notting Hill in Bayern!

Münchner Cheesecake probieren oder sich im Ruffini treffen

Das Muffins’n’More in München Neuhausen., Foto: Anette Göttlicher
Foto: Anette Göttlicher

„Wir haben keinen Käsekuchen!“ Das ist dem Besitzer des Muffins’n’More, bei den Einheimischen als „JJ“ bekannt, so wichtig, dass er’s auf Schilder schreibt. Was es dort nämlich gibt: Einen der besten Cheesecakes außerhalb von New York City. American Cheesecake. Ob in der Junior-Variante, also pur, oder Senior, mit Laphroaig-Whiskey. Oder mit Blaubeeren. Auf jeden Fall: Wirklich gut, der Nicht-Käsekuchen!

Prima Kuchen und Torte, aber auch Frühstück und Mittagessen gibt’s im Ruffini in der Orffstraße. Montag ist Ruhetag, aber an den anderen Tagen ist hier immer was los und gleichzeitig findet man dann doch jedes Mal ein Plätzchen. Und am allerschönsten ist es in den warmen Jahreszeiten oben auf der lauschigen Dachterrasse — auch wenn man sein Essen hier selbst rauftragen muss.

Wer gerne spanische Tapas mag, sollte ins VolkART in der gleichnamigen Straße gehen, nur wenige Schritte vom U-Bahn-Ausgang Rotkreuzplatz entfernt. An den Wänden findet man interessante Kunst, die man auch kaufen kann.

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Parks, Kanäle und Natur: Neuhausens grüne Ecken erkunden

Der Olympiapark in München., Foto: Anette Göttlicher
Foto: Anette Göttlicher

Den Schlosskanal kennt jeder, aber es gibt trotz Isar-Ferne noch mehr Wasser in Neuhausen: Ein Stückchen weiter nördlich verläuft der Nymphenburg-Biedersteiner Kanal: Er zweigt am Schloss Nymphenburg vom Kanal ab und treibt dort die Anlagen der Porzellanmanufaktur am Nördlichen Schlossrondell an. Dann fließt er durch Gern und den südlichen Olympiapark bis in den Olympiasee.

Apropos Olympiapark: Der südliche Teil gehört zumindest gefühlt noch zu Neuhausen, hier habt Ihr vom Olympiaberg nicht nur einen der schönsten Blicke auf die Innenstadt und die Alpen (zum Greifen nah bei Föhn!), sondern in die andere Richtung auch das Olympiastadion im Blick. Besonders schön zum Sonnenuntergang, bei Konzerten im Stadion oder wenn im August das Impark-Festival stattfindet.

Auch grad noch in Neuhausen: Der Botanische Garten am Nymphenburger Schlosspark. Vor allem im Winter ein Tipp, wenn man bei Schmuddelwetter Lust auf ein bisschen Süden hat: In den erst Ende 2018 renovierten Gewächshäusern gibt’s nicht nur die berühmte Schmetterlingsausstellung (immer von Ende Dezember bis Mitte März), sondern — ganzjährig — Schildkröten und verschiedene Themenhäuser, in denen man ganz klimaschonend und für ein paar Euro Eintritt nach Afrika oder Südamerika reisen kann.

Subkultur, Theater, Künstler: sich im Kreativquartier inspirieren lassen

Graffiti in Neuhausen, München., Foto: Anette Göttlicher
Foto: Anette Göttlicher

Am nordöstlichen Ende von Neuhausen könnte der Kontrast zum gutbürgerlichen Villenviertel rund um die Nymphenburger Straße nicht größer sein: Am Rand des Olympiaparks, auf dem Gelände der ehemaligen Luitpold-Kaserne, liegt das Kreativquartier. Auf fünf Hektar Fläche haben hier Künstler und Künstlerinnen ihre Ateliers, Designer ihre Werkstätten und Studios. Hier tobt das kulturelle Leben jenseits staatlicher und städtischer Theater: Proben- und Aufführungsbühnen, Ausstellungen, Workshops, sozio-ökologische Start-ups … Und auch ohne akuten Kulturbedarf lohnt es sich, über das Gelände zu spazieren. Es verändert sich gefühlt jeden Tag, hier gibt’s alles, was man sonst in München manchmal vermisst: Graffitis und Streetart, wild wuchernde urbane Gärten und alte Industriebauten. Ein ehemaliger türkischer Supermarkt wurde zum alternativen Club: Im Import Export finden Konzerte, Jamsessions und etwas andere Clubabende statt.

Essen, trinken, feiern: Die etwas versteckten Hot Spots in Neuhausen

Das Broeding in Neuhausen, Foto: Anette Göttlicher
Foto: Anette Göttlicher

Wer beim Spazierengehen Hunger bekommen hat, findet an jeder Ecke ein Lokal. Der versteckteste und vielleicht kleinste Italiener ist das Tiziano in der Gerner Tizianstraße: schön für ein Date und besonders schön an einem warmen Sommerabend, im Garten sitzend. Pizza wie südlich des Brenners gibt’s in der Villa Dante am Westfriedhof. Wer Bowls und Fusion Food mag, wird in der Nymphenburger Straße bei Maui Hawasian Kitchen & Bar glücklich und wenn der eine gerne ein gutes Schnitzel hätte, der andere aber lieber was international-vegetarisches, ist man beim Großwirt hinterm Rotkreuzklinikum gut aufgehoben. Extra-Tipp für spezielle Gelegenheiten - oder einfach so: Das Broeding (Anzeige) in der Schulstraße. Das Konzept: Statt à la carte gibt’s ein täglich wechselndes 5- bis 6-Gänge-Menü, mit oder ohne Weinbegleitung. Wer das mal testen möchte, kann auch zwischen 18 und 20 Uhr ein Vorabendmenü mit drei Gängen buchen. Wen die feinen Weine aus Österreich begeistern: Das Broeding ist auch eine Weinhandlung.

Und was kann man abends machen? Neuhausen ist nicht gerade für sein ausschweifendes Nachtleben berühmt, aber das heißt nicht, dass hier ab 22 Uhr die Bürgersteige hochgeklappt werden, zumindest nicht überall: Im Hide Out in der Volkartstraße gibt’s regelmäßig Livemusik und Gigs, eine echte Münchner Boazn ist das Papalapap und in der Bar du Port in der Albrechtstraße (innerhalb des Mittleren Rings) gibt’s richtig guten Gin Tonic und mehr. In die Gorilla Bar, das Wohnzimmer Neuhausens, dürft Ihr sogar selbst Essen mitbringen. Nur den richtig guten Whiskey Sour, den mixt der Chef.

Wenn’s was Besonderes sein darf: Das Neue Maxim und der Taxisgarten

Das Kino Neues Maxim in München., Foto: Anette Göttlicher
Foto: Anette Göttlicher

Die Landshuter Allee zerschneidet das Viertel und ist das am stärksten befahrene Stadtautobahnstück Europas, ein Superlativ, mit dem die Neuhausener sich arrangiert haben, bis der Tunnel fertig ist. Einstweilen gibt’s hier trotzdem Schönes: Vor allem das Kino Neues Maxim, das per Crowdfunding von einer Gruppe Programmkino-Enthusiasten und vielen Fans gerettet wurde. Mit viel Liebe zum Detail wurde es hergerichtet, in zwei Sälen wird ein sorgfältig ausgesuchtes Programm gezeigt. Im kleinen Saal kann man den Film sogar vom Sitzsack aus schauen, wenn man möchte!

Und von März bis Oktober, da ist Biergartenzeit — mitten im Wohnviertel unweit der U-Bahn-Station Gern liegt zwischen einem Seniorenheim, einer Kleingartenanlage und alten Reihenhäuschen ein riesiger und gleichzeitig besonders gemütlicher Biergarten. Leckere Spareribs gibt’s im Taxisgarten (Anzeige), und vor allem für Familien ist es hier besonders entspannt: es gibt einen Spielplatz im Biergarten für die ganz Kleinen, große Wiesen zum Fußballspielen und seit Herbst 2017 direkt anschließend den Taxispark mit einem großen Spielplatz, der von den Neuhausener Kindern selbst entworfen wurde.

Wieder zum Kind werden oder Käse probieren: Shopping in Neuhausen

Das Brauseschwein in der Frundsbergstraße in München., Foto: Anette Göttlicher
Foto: Anette Göttlicher

Ihr mögt kleine, besondere Läden, die es nicht in jeder Innenstadt und in jedem Einkaufszentrum gibt? Dann solltet Ihr in Neuhausen unbedingt das Brauseschwein in der Frundsbergstraße besuchen (vielleicht nach dem Brunch im Ruffini direkt um die Ecke). Während die Kinder aus der Umgebung ihr Taschengeld am liebsten in die gemischten Gummibärchentüten investieren, wird man hier als Erwachsener für kurze Zeit selbst wieder zum Kind. Manche Dinge ändern sich zum Glück nie. Der Geschmack von Brausestangen zum Beispiel.

Einrichtungsfans sollten in der Nymphenburger Straße bei den zwei Himmelblau-Läden vorbeischauen — im großen gibt’s stylische Möbel, der kleine gegenüber ist bis unter die hohe Decke vollgestopft mit hübschen Haushaltsdingen, es gibt alles, was man braucht oder brauchen kann.

Und wer keinen Platz zu Hause hat, kann in Neuhausen prima Essbares shoppen: Zum Beispiel neue Käsesorten probieren und entdecken, entweder in der Käsmüller-Filiale in der Renatastraße oder in der Käsemaus in der Schulstraße. In beiden Geschäften geht’s nicht nur um den Käse, das Einkaufen bei den freundlichen Ladenbesitzern ist dort noch ein echtes Erlebnis.

Fotos & Text: Anette Göttlicher

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