Hofbräuhaus, Attraktionen und Geschichte
Zwischen Viktualienmarkt und Maximilianstraße: Ein Besuch am Platzl
Kopfsteinpflaster, schmale Fassaden, ein paar Schritte abseits vom Marienplatz: Das Platzl ist streng genommen gar kein Platz, sondern eine platzartige Erweiterung der Orlandostraße. Genau das macht den Reiz aus – hier steht altstädtische Bausubstanz so dicht beieinander wie an kaum einer anderen Stelle der Innenstadt. Das schmucke Ensemble sollte deshalb auf keiner München-Führung fehlen.
Bekannt ist das Platzl vor allem durch das Hofbräuhaus. Wer den Blick hebt, entdeckt aber deutlich mehr: mittelalterliche Reste in den Bürgerhäusern, ein historistisches Prachthaus mit Arkade und die Adresse, an der Münchens volkstümliche Bühnenkultur ihre größten Jahre hatte.
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Das Wichtigste im Überblick
- Wo: Platzl, Altstadt-Lehel, 80331 München – nordöstlich des Marienplatzes
- Was: Historisches Altstadt-Ensemble mit Bürgerhäusern, Orlandohaus und dem Hofbräuhaus
- Öffnungszeiten: Jederzeit frei zugänglich
- Eintritt: Kostenlos
- Anfahrt: S-Bahn und U3/U6 bis Marienplatz oder Isartor, jeweils rund 500 Meter Fußweg; Tram 19 bis Nationaltheater
- Barrierefreiheit: Ebenerdig, aber durchgehend Kopfsteinpflaster
- Gut zu wissen: Das Platzl liegt in der Fußgängerzone der Altstadt
Woher der Name Platzl kommt
Der Straßenname besteht an dieser Stelle seit mindestens 1780. Davor taucht der Bereich in den Münchner Steuer- und Gerichtsbüchern zwischen 1368 und 1805 auch unter der Bezeichnung Graggenau auf – so hieß eines der vier mittelalterlichen Stadtviertel Münchens.
Die Verkleinerungsform ist wörtlich zu nehmen: Das Platzl entsteht nur dadurch, dass die nördliche Orlandostraße sich stufenförmig aufweitet und die Fassaden schräg zueinander stehen. Auch die versetzt angeordneten Bauteile des Hofbräuhauses tragen zu diesem Raumgefühl bei – einer der Gebäudeteile wirkt dadurch wie ein eigenständiges Eckhaus.
👉 Das Platzl in der Münchner Altstadt ist kein angelegter Platz, sondern eine platzartige Erweiterung der Orlandostraße, deren Name dort seit mindestens 1780 nachweisbar ist.
Das Hofbräuhaus am Platzl
Die Ostseite des Platzes nimmt fast vollständig das Hofbräuhaus ein. Der heutige Bau im Stil der Neorenaissance entstand 1896/97 nach Plänen von Max Littmann, nachdem die Brauerei nach Haidhausen umgezogen war. Schon 1607 stand an dieser Stelle ein Brauhaus – lange bevor der Ort überhaupt Platzl hieß.
Alles zu Geschichte, Innenräumen und Traditionen findet ihr auf der eigenen Seite zum Hofbräuhaus.
👉 Das Hofbräuhaus prägt die Ostseite des Münchner Platzls seit 1607 als Brauerei und seit dem Umbau von 1896/97 als Wirtshaus im Stil der Neorenaissance.
Die Bürgerhäuser Platzl 2 und 3
Die Häuser Platzl 2 und 3 gelten als selten gewordene Beispiele für altmünchner Bürgerhäuser. Im Vordergebäude von Platzl 3 stecken noch Reste aus dem Mittelalter. Die Hauptbauphasen lassen sich gut ablesen: Das Vorderhaus Platzl 2 stammt in seinem Kern aus der Renaissance um 1565, das Mittelgebäude aus der Mitte des 17. Jahrhunderts, das Rückgebäude aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Das Vorderhaus Platzl 3 wurde um 1700 aufgestockt.
1987/88 wurde die Hausgruppe saniert – begleitet von einer ausführlichen Bauuntersuchung, aber auch von erheblichen Verlusten an historischer Substanz. Seither führen Passagen in die Innenhöfe, die sich vom Platzl aus erkunden lassen.
👉 Am Platzl 2 und 3 stehen zwei der wenigen erhaltenen altmünchner Bürgerhäuser, deren Bausubstanz von mittelalterlichen Resten über die Renaissance bis ins 18. Jahrhundert reicht.
Das Orlandohaus und sein Namensgeber
Nördlich des Platzes steht das reich verzierte, fünfgeschossige Orlandohaus, fertiggestellt im Jahr 1900. Im Erdgeschoss zieht sich eine Arkade entlang – ein Detail, das man leicht übersieht, wenn man nur auf das Hofbräuhaus gegenüber schaut.
Benannt ist es nach Orlando di Lasso, dem franko-flämischen Komponisten, der die Münchner Hofkapelle unter Herzog Albrecht V. und dessen Sohn Wilhelm V. leitete und zu den einflussreichsten Musikern seiner Zeit zählte. Auch die angrenzende Orlandostraße trägt seinen Namen.
👉 Das Orlandohaus am Münchner Platzl wurde 1900 fertiggestellt und erinnert an Orlando di Lasso, den Kapellmeister der Münchner Hofkapelle im 16. Jahrhundert.
Als das Platzl eine Bühne hatte
Gegenüber dem Hofbräuhaus lag jahrzehntelang eine der wichtigsten Volkssängerbühnen Münchens. Untergebracht war sie in einem 1888 zu einem großen Saal umgebauten Lokal mit rund 600 Plätzen. Auf dem Programm standen Couplets, Bauernstücke, Blasmusik, Jodeln und Schwänke – gespielt vor einer stets gleichen Almhüttenkulisse.
Der bekannteste Name dieser Bühne war Ferdinand Weisheitinger, aufgetreten als Weiß Ferdl, ab 1907 im Ensemble und später auch Direktor des Hauses. Das dort gepflegte Bayernbild aus Tracht, Dialekt und Almromantik prägte für viele Gäste von außerhalb das Bild der Stadt. Zur Geschichte dieser Bühne gehört ebenso, dass Weiß Ferdl früh mit dem Nationalsozialismus sympathisierte und bereits ab Anfang der 1920er-Jahre bei Veranstaltungen der NSDAP auftrat. Nach dem Zweiten Weltkrieg lief der Spielbetrieb weiter, bis das Haus Mitte der 1990er-Jahre schloss.
👉 Am Münchner Platzl bespielte von 1906 bis in die 1990er-Jahre eine Volkssängerbühne die Adresse gegenüber dem Hofbräuhaus und formte das populäre Bayernbild ganzer Besuchergenerationen mit.
Studentenverbindungen rund um den Platz
Seit dem 19. Jahrhundert sind am Platzl schlagende Studentenverbindungen ansässig. Historisch waren hier unter anderem die Corps Bavaria, Makaria, Franconia, Rheno-Palatia, Hercynia, Vitruvia und Cisaria sowie die Burschenschaft Rhenania beheimatet. Einige sind inzwischen weitergezogen, etwa nach Bogenhausen oder Schwabing; vertreten sind am Platzl heute noch die Corps Rheno-Palatia, Vitruvia und Cisaria.
👉 Am Münchner Platzl haben seit dem 19. Jahrhundert studentische Corps ihre Häuser, von denen drei bis heute dort ansässig sind.
Anfahrt und Service
- Adresse: Platzl, 80331 München
- S-Bahn: alle Linien bis Marienplatz oder Isartor, jeweils rund 500 Meter Fußweg
- U-Bahn: U3/U6 bis Marienplatz
- Tram: Linien 19 und 21 bis Nationaltheater
- Bus: Linie 132 bis Marienplatz
- Auto: Parkhaus am Thomas-Wimmer-Ring; das Platzl selbst liegt im Fußgängerbereich
- Barrierefrei parken: ausgewiesene Stellplätze an der Maximilianstraße und der Sparkassenstraße
Häufige Fragen zum Platzl
Was kann man am Platzl sehen?
Das Hofbräuhaus, das Orlandohaus von 1900 und die Bürgerhäuser Platzl 2 und 3 mit Bausubstanz aus Mittelalter, Renaissance und Barock.
Kostet der Besuch am Platzl Eintritt?
Nein, das Platzl ist eine öffentliche Straße im Altstadt-Fußgängerbereich und jederzeit frei zugänglich.
Wie kommt man zum Platzl?
Am schnellsten mit S-Bahn oder U-Bahn bis Marienplatz und dann rund fünf Minuten zu Fuß Richtung Nordosten.
Warum heißt das Platzl so?
Weil sich die Orlandostraße an dieser Stelle platzartig aufweitet. Der Name ist seit mindestens 1780 belegt.
Ist das Platzl barrierefrei?
Der Bereich ist ebenerdig, allerdings durchgehend mit Kopfsteinpflaster belegt, was für Rollstühle und Kinderwagen unbequem sein kann.
Wie lange sollte man am Platzl einplanen?
Für das Ensemble selbst reichen 15 bis 20 Minuten, gut kombinierbar mit einem Bummel über die Maximilianstraße oder zum Viktualienmarkt.