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Zwei neue Erinnerungszeichen für NS-Opfer – Einweihung mit Live-Stream

Erinnerungszeichen für Tilly und Franz Landauer, Foto: Michael Nagy / Presseamt
Foto: Michael Nagy / Presseamt Zwei neue Erinnerungszeichen werden in München eingeweiht - hier das bereits bestehende Erinnerungszeichen für Tilly und Franz Landauer

München setzt neue Erinnerungszeichen – die Gedenkveranstaltungen

(24.7.2020) München hat zwei neue Erinnerungszeichen für Opfer des NS-Regimes gesetzt: Bei der ersten Gedenkveranstaltung am 23.7. waren OB Dieter Reiter und Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde, dabei. Bürgermeisterin Verena Dietl und Kultusminister Michael Piazolo waren am 24.7. anwesend. Beide Einweihungen wurden live auf muenchen.de übertragen. An wen die neuen Tafeln erinnern und die beiden Veranstaltungen im Re-Live-Video: hier alle Infos.

Neues Erinnerungszeichen für Albertine Neuland

Oberbürgermeister Dieter Reiter, Charlotte Knobloch, Foto: Tom Hauzenberger/Stadtarchiv München
Foto: Tom Hauzenberger/Stadtarchiv München OB Reiter wird zusammen mit Charlotte Knobloch das Erinnerungszeichen für ihre Großmutter Albertine Neuland einweihen (Archivbild)

Oberbürgermeister Dieter Reiter weihte zusammen mit der Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde Charlotte Knobloch am Donnerstag, 23.7. am Bavariaring 15 das Erinnerungszeichen für deren Großmutter Albertine Neuland ein, die von den Nationalsozialisten als Jüdin ermordet wurde. Weiterhin anwesend waren Moris Lehner (Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern) und Barbara Turczynski-Hartje (Bezirksausschuss 2 – Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt).

Im Re-Live: Die Einweihung des 1. Erinnerungszeichens am 23.7.

Wer war Albertine Neuland?

Albertine Neuland, Foto: Yad Vashem
Foto: Yad Vashem

Albertine Neuland war die Großmutter von Charlotte Knobloch, der derzeitigen Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. Albertine Neuland wurde als Tochter von Heinrich und Luise Lehmann am 30. Januar 1866 im mittelfränkischen Schornweisach geboren. 1888 heiratete sie in Nürnberg den Kaufmann Salomon Neuland, mit dem sie zwei Söhne hatte, Willy und Siegfried, genannt Fritz.

Die Familie lebte in Bayreuth, wo Salomon Neuland gemeinsam mit seinem Bruder Simon in der Opernstraße 22 ein erfolgreiches Mode- und Textilwarengeschäft führte. Nach dem frühen Tod ihres Mannes zog Albertine Neuland zu ihrem Sohn Fritz nach München, der sich dort als Rechtsanwalt eine Existenz aufgebaut hatte, bevor die Nationalsozialisten ihm nach 1933 nur noch gestatteten, jüdische Klienten zu vertreten.

In München kümmerte sich Albertine Neuland liebevoll um ihre Enkelin Charlotte. Am 23. Juli 1942 deportierte die Gestapo sie in das Ghetto Theresienstadt, wo sie am 19. Januar 1944 in Folge der katastrophalen Lebensbedingungen starb. Ihr Sohn Willy emigrierte in die USA, Fritz Neuland und seine Tochter Charlotte überlebten die NS-Zeit im Versteck.

Neue Erinnerungszeichen für Elisabeth Heims und Alexander Dünkelsbühler

Am Freitag, 24.7.  (14.00 bis 15.00 Uhr) weihten Bürgermeisterin Verena Dietl und Kultusminister Michael Piazolo zusammen mit Ingrid Reuther (Initiatorin) in der Katharina-von-Bora-Straße 10 die Erinnerungszeichen für Elisabeth Heims und Alexander Dünkelsbühler ein. Unter anderem gab es Lesungen von Texten von Elisabeth Heims und Alexander Dünkelsbühler unter anderem mit Klaus-Peter Münch (Erinnerungswerkstatt München) und Dr. Mirjam Zadoff (NS-Dokumentationszentrum München). Zudem anwesend waren Ellen Presser (Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern), Ulrich Pfisterer (Zentralinstituts für Kunstgeschichte) und Svenja Jarchow (BA 3 – Maxvorstadt).

Die Veranstaltung wurde auf www.erinnerungszeichen.de/live übertragen. 

Im Re-Live: Die Einweihung des 2. Erinnerungszeichens am 24.7.

Wer waren Elisabeth Heims u. Alexander Dünkelsbühler?

Elisabeth Heims und Alexander Dünkelsbühler, Foto: Privat
Foto: Privat

Elisabeth Heims und Alexander Dünkelsbühler lebten seit 1925 in der Arcisstraße 14 (heute Katharina-von-Bora-Straße 10). Beide wurden in der NS-Zeit als Juden verfolgt, obwohl sie schon vor 1933 aus der jüdischen Gemeinschaft ausgetreten waren. Der am 6. Mai 1875 in Nürnberg geborene Alexander Dünkelsbühler war ein erfolgreicher Rechtsanwalt. Seit 1933 verlor er immer mehr Mandanten. Nach der Verabschiedung der Nürnberger Gesetze sah er für sich keine Zukunft mehr und beging am 24. September 1935 Suizid.

Nach Dünkelsbühlers Tod löste seine Lebensgefährtin Elisabeth Heims die Kanzlei auf, in der sie selbst viele Jahre mitgearbeitet hatte. 1938 schloss sich die am 25. Juli 1895 in Berlin als Tochter von Adele und Professor Paul Heymann geborene Elisabeth Heims den Quäkern an. Sie half Juden bei der Ausreise und betrieb ein kleines privates Altenheim in der Bauerstraße. 1941 zwangen sie die Nationalsozialisten zur Zwangsarbeit in der Flachsröste Lohhof. Am 20. November 1941 deportierte sie die Gestapo nach Kaunas, wo sie fünf Tage später von einem Sonderkommando der SS erschossen wurde.

Was sind Erinnerungszeichen?

Erinnerungszeichen, Foto: Tom Hauzenberger/Stadtarchiv München
Foto: Tom Hauzenberger/Stadtarchiv München Erinnerungszeichen erinnern an Münchner NS-Opfer

Erinnerungszeichen werden in Form von Tafeln und Stelen an Orten angebracht, an denen Münchnerinnen und Münchner lebten, die zwischen 1933 und 1945 Opfer der Verfolgung durch die Nationalsozialisten wurden. Sie erinnern auch an jene Menschen, die fern ihrer Heimat in München ermordet wurden. So wird den heute meist vergessenen Opfern des NS-Regimes ihr Platz in die Stadtgesellschaft zurückgegeben.

In die Tafeln und Stelen aus gebürstetem Edelstahl sind vergoldete Hülsen eingelassen, in die Namen, Lebensdaten und Gesichter der Verfolgten eingeschnitten sind. Alle Texte und Bilder befinden sich auf Augenhöhe.

Weitere Informationen gibt es auf der Homepage  www.erinnerungszeichen.de. Dort sind auch ausführliche Biografien von allen Frauen, Männern und Kindern zu finden, für die es bereits Erinnerungszeichen gibt.

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