So kam es zum Volksfest mit Markt im Stadtteil Au
Geschichte der Auer Dult in München: Das Volksfest damals und heute
Was bedeutet ‚Dult' überhaupt? Und warum findet sie ausgerechnet in der Au statt? Die Geschichte der Auer Dult reicht bis ins Jahr 1310 zurück – und ist damit älter als die meisten Stadtteile Münchens. Hier erfahrt ihr, wie aus einem mittelalterlichen Kirchenfest einer der ältesten und beliebtesten Jahrmärkte Münchens wurde.
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Die Auer Dult auf einen Blick: Jahreszahlen
- 1310 – Erste Jakobidult am Anger (heute Sankt-Jakobs-Platz)
- 1796 – Kurfürst Karl Theodor verleiht dem Dorf Au das Recht zur Dult
- 1799 – Umzug an den Mariahilfplatz, Name »Auer Dult« entsteht
- 1854 – Eingemeindung: Die Au und ihre Dult kommen nach München
- 1905 – Alle drei Dulten auf dem Mariahilfplatz vereint
- Heute – bis zu 346.000 Besucherinnen und Besucher jährlich (Spitzenwert 2024)
Was bedeutet »Dult«?
Der Name hat mittelalterliche Wurzeln: »tult« oder »Dult« bedeutete ursprünglich Kirchenfest. Bei solchen Festen wurden zu Ehren eines Heiligen rund um eine Kirche Verkaufsstände aufgebaut und Waren feilgeboten. Im Laufe der Zeit wandelte sich die Bedeutung – aus dem Kirchenfest wurde der Jahrmarkt. Ähnliche Verschiebungen in der Bedeutung erlebten auch die Wörter »Messe«, »Kirchweih« und »Kirmes«.
Über 700 Jahre Dult: Vom Kirchenfest zum Jahrmarkt
Vom Anger auf den Mariahilfplatz: 1310 bis 1799
Die erste Dult – die Jakobidult – wurde im Jahr 1310 am Anger abgehalten, dem heutigen Sankt-Jakobs-Platz im Stadtzentrum. Sie galt als Kirchenfest zu Ehren des Heiligen Jakobus und zog Kaufleute und Schaulustige aus der ganzen Region an.
Danach wanderte die Dult durch die Stadt: Ab 1791 fand sie an verschiedenen Plätzen statt. Den entscheidenden Schritt machte Kurfürst Karl Theodor im Jahr 1796: Er verlieh dem damals noch eigenständigen Dorf Au das Recht, zweimal jährlich eine Dult abzuhalten. Ab 1799 fanden die Dulten jeweils im Mai und Oktober rund um die Wallfahrtskirche Mariahilf statt – der Mariahilfplatz war fortan ihr Zuhause. Damit war auch der Name »Auer Dult« geboren.
Der »Niederländer Markt«: Woher kommt der Antiquitäten-Charakter?
Schon in den frühen Jahren auf dem Mariahilfplatz war den Dulten ein sogenannter »Niederländer Markt« angeschlossen – ein Tändelmarkt, auf dem ausschließlich gebrauchte Haushaltsgeräte und abgetragenes Gewand verkauft werden durften. Was damals pragmatische Armutsbewältigung war, ist heute das Herz der Auer Dult: die Tandler-Standln mit Antiquitäten, Raritäten und Sammlerstücken. Bücher aus dem 17. Jahrhundert, Biedermeier-Möbel, historisches Spielzeug – der Ursprung liegt in diesem frühen Gebrauchtwarenmarkt.
Von der Dorfkirmes zum Münchner Stadtfest: 1854 bis 1905
Mit der Eingemeindung des Dorfes Au im Jahr 1854 kam die Auer Dult offiziell nach München. Doch das Dulten-Trio, das wir heute kennen, wurde erst 1905 komplett: In diesem Jahr wurde die Jakobidult vom Haidhauser Johannisplatz auf den Mariahilfplatz verlegt. Seitdem finden alle drei Dulten – Maidult im Frühjahr, Jakobidult im Sommer, Kirchweihdult im Herbst – auf demselben Platz statt.
Krieg, Corona und Rekorde: Die Dult in jüngerer Zeit
So beständig die Dult ist, zweimal musste sie pausieren: Von 1943 bis 1946 fielen die Dulten kriegsbedingt aus. Und 2020 sorgte die Corona-Pandemie dafür, dass die ersten beiden Dulten des Jahres abgesagt werden mussten – erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg.
Und die Zahlen sprechen für sich: Rund 250 Standln auf über 22.000 Quadratmetern Marktfläche ziehen heute jährlich bis zu 346.000 Besucher*innen an – Spitzenwert 2024. Die Auer Dult gilt als größter Geschirrmarkt Europas und ist eines der ältesten Volksfeste der Stadt.
FAQ: Häufige Fragen zur Geschichte der Auer Dult
Seit wann gibt es die Auer Dult?
Seit 1310 – damals am Anger, ab 1799 auf dem Mariahilfplatz, seit 1905 dreimal jährlich.
Warum heißt sie »Auer« Dult?
Weil sie seit 1799 im damaligen Dorf Au auf dem Mariahilfplatz stattfindet.
Was bedeutet »Dult«?
»Dult« bedeutete ursprünglich Kirchenfest – mit der Zeit wurde daraus der Jahrmarkt.
Woher kommt der Antiquitäten-Charakter der Auer Dult?
Vom historischen »Niederländer Markt«, einem frühen Gebrauchtwarenmarkt der am Mariahilfplatz angeschlossen war.
Wie viele Besucher kommen heute zur Auer Dult?
Bis zu 346.000 jährlich – Spitzenwert 2024, 2025 waren es 311.000.