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Theresienwiese: Neuer Gedenkort über Oktoberfest-Attentat eröffnet

Denkmal für die Wiesn-Attentat-Opfer (Archivbild), Foto: picture alliance/Sven Hoppe/dpa
Foto: picture alliance/Sven Hoppe/dpa Dimitrios Lagkadinos (vorne l-r), Renate Martinez und Gudrun Lang, drei Überlebende des Oktoberfest-Attentats, zeigen sich mit Ilse Aigner (hinten l-r), Präsidentin des Bayerischen Landtags, Elke Büdenbender, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Markus Söder, Ministerpräsident von Bayern, OB Dieter Reiter und Ehefrau Petra Reiter

Bundespräsident Steinmeier bei der Eröffnung in München zu Gast

(26.9.2020) Am Haupteingang der Münchner Theresienwiese erinnert ein neuer Informationsort an das Oktoberfest-Attentat vom 26.9.1980. Bei der Eröffnung vor geladenen Gästen am Samstag, 26.9. sprachen Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Ministerpräsident Markus Söder, Oberbürgermeister Dieter Reiter sowie Pia Berndt, Jugendvertretung des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB Jugend München). Auch Überlebende kamen zu Wort.

OB Reiter entschuldigt sich bei Wiesnattentat-Opfern für Versäumnisse

Oberbürgermeister Dieter Reiter bei der Gedenkveranstaltung zum Oktoberfest-Attentat, Foto: Landeshauptstadt München / Kulturreferat
Foto: Landeshauptstadt München / Kulturreferat Oberbürgermeister Dieter Reiter

Im Rahmen einer Gedenkveranstaltung auf der Theresienwiese am 26.9. wurde die "Dokumentation Oktoberfest-Attentat" am 40. Jahrestag an die Öffentlichkeit übergeben.

Oberbürgermeister Dieter Reiter entschuldigte sich bei der Gedenkveranstalttung bei den Opfern und ihren Angehörigen für Versäumnisse der Behörden: "Bei der Aufklärung des Oktoberfest-Attentats gab es auch von Seiten der Stadt Versäumnisse, dafür möchte ich mich als Oberbürgermeister der Stadt München entschuldigen." 

Zudem sagte Reiter: "Noch schwerer aber wiegt ein anderes Versäumnis: nämlich, dass man die Familien der Getöteten, die Überlebenden und ihre Angehörigen jahrzehntelang in beschämender Weise allein gelassen hat mit ihren Verletzungen, ihren Schmerzen und ihren Traumata. Ihre Hilferufe hat man ignoriert, ihre Forderungen nach Unterstützung wurden oft genug abgelehnt und sie selbst sogar als Simulanten diffamiert." Das sei für einen Rechtsstaat vollkommen inakzeptabel und einer humanen Gesellschaft unwürdig.

Es sei ein schwerer Gang für die Hinterbliebenen und Überlebenden des Oktoberfest-Attentats, der Gedenkveranstaltung beizuwohnen und diese auch mitzugestalten. "Gleichzeitig ist es wichtig, dass sie und ihre Schicksale sichtbar werden. In der Dokumentation Oktoberfest-Attentat werden die Hintergründe des rechtsextremistischen Verbrechens und auch die Perspektiven der Betroffenen dargestellt. Auf der Theresienwiese wird also in Zukunft in das kollektive Gedächtnis gebracht, was sich hier am 26. September 1980 ereignet hat. Denn es bleibt unser aller Aufgabe, gegen menschenfeindliche Gesinnungen und rechten Terror zusammenzustehen. Das sind wir den Überlebenden des Oktoberfest-Attentats schuldig“, so Reiter.

Steinmeier: "Feinde der Demokratie dürfen nicht geduldet werden"

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei der Gedenkveranstaltung zum Oktoberfest-Attentat, Foto: Landeshauptstadt München / Kulturreferat
Foto: Landeshauptstadt München / Kulturreferat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier forderte in seiner Ansprache ein konsequentes Vorgehen gegen Rechtsextremismus: "Feinde der Freiheit und der Demokratie dürfen in der Polizei nicht geduldet werden. Es muss jede Anstrengung unternommen werden, rechtsextreme Netzwerke zu enttarnen, wo es sie gibt."

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei der Gedenkveranstaltung zum Oktoberfest-Attentat, Foto: Landeshauptstadt München / Kulturreferat
Foto: Landeshauptstadt München / Kulturreferat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier

Zudem thematisierte Steinmeier mögliche Defizite bei der Verfolgung rechtsextremistischer Taten: "Sind rechtsextreme Netzwerke in der Strafverfolgung zu selten wahr- und noch seltener ernstgenommen worden?", fragte Steinmeher und ergänzte, "die Geschichte rechtsextremer Taten" lasse zwei Antworten zu: "Entweder hat sich die Erkenntnis, dass auch diese Attentäter ein Umfeld haben, in Netzwerke eingebunden sind oder sich von ihnen inspirieren lassen, erst spät – zu spät – durchgesetzt. Oder, zweite Alternative: Diese Erkenntnis wurde bewusst missachtet."

Söder: "Schutzversprechen" gegen Hass

Ministerpräsident Dr. Markus Söder bei der Gedenkveranstaltung zum Oktoberfest-Attentat, Foto: Landeshauptstadt München / Kulturreferat
Foto: Landeshauptstadt München / Kulturreferat Bayerns Ministerpräsident Markus Söder

Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder entschuldigte sich bei den Betroffenen: "Es tut mir leid und ich entschuldige mich für die Fehler, die in den Ermittlungen, aber auch in der Einschätzung zu der Tat gemacht wurden." Er gebe ein "Schutzversprechen" ab: "Wir werden nicht zulassen, dass Rechtsextremismus, Hass, Antisemitismus, Rassismus geduldet, akzeptiert oder irgendwie unterschätzt werden."

Überlebender des Oktoberfestattentats: "Vergessen können wir nicht"

Gedenkveranstaltung zum Oktoberfest-Attentat, Foto: Landeshauptstadt München / Kulturreferat
Foto: Landeshauptstadt München / Kulturreferat Überlebende des Wiesnattentats am 40. Jahrestag des Anschlags

Vier Überlebende des Wiesnattentats kamen zu Wort und erzählten eindrücklich, wie das Attentat ihr Leben veränderte. "Ich möchte endlich wieder auf einen Berg steigen, mit dem Rad um den Starnberger See fahren. Ich möchte einfach nur schmerzfrei drei Stunden durch den Tierpark marschieren oder beschwingt tanzen", sagte die 73-jährige Renate Martinez.

Die damals schwer verletzte Gudrun Lang appellierte, dass das Attentat nicht in Vergessenheit geraten dürfe. Sie habe durch den Anschlag ihre erste große Liebe verloren. "Das Attentat zwang mich und viele andere zu einer neuen Wegführung, mit der ich mich erst nur schwerlich zurechtfand", so Lang.

Robert Höckmayr betonte die Wichtigkeit der Kultur des Erinnerns."Wir können vielleicht einiges verdrängen - doch vergessen können wir nicht. So habe ich zwei Geschwister direkt beim Anschlag verloren. Vierzig Jahre Gedenken - das ist für mich daher vor allem ein Denken an ihre vierzig Jahre ungelebtes Leben", sagte Höckmayr.

Dimitrios Lagkadinos verlor damals beide Beine und mahnte: "Die Weltanschauung des Rechtsextremismus nährt sich aus Hass und Ausgrenzung und geht selten von Einzelnen aus, sondern ist organisiert und vernetzt."

So erinnert München an das Wiesn-Attentat

Dokumentation Oktoberfest-Attentat, Foto: Landeshauptstadt München / Kulturreferat
Foto: Landeshauptstadt München / Kulturreferat Dokumentation Oktoberfestattentat, September 2020

Ab sofort ist die Dokumentation Oktoberfest-Attentat geöffnet. Sie befindet sich am Haupteingang zur Theresienwiese gegenüber dem Denkmal für die Opfer. Die Ausstellung kann rund um die Uhr bei freiem Eintritt besucht werden.

Der neue Informationsort „Dokumentation Oktoberfest-Attentat“ wurde gemeinsam mit Überlebenden entwickelt. 200 lebensgroße, beleuchtete Silhouetten erinnern auf einer Fläche von 13 x 19 Metern an die Betroffenen. Die Figurengruppen werden fünf Themeninseln zugeordnet. Analoge und digitale Bilder und Texte vermitteln Informationen.

Damit wird der schwerste rechtsterroristische Anschlag der Bundesrepublik am Ort des Geschehens noch sichtbarer in das Gedächtnis der Stadtgesellschaft zurückgerufen.

Neben dem bestehenden Kunstwerk von Friedrich Koller soll sie Besucher*innen ermöglichen, sich am Eingang der Theresienwiese über die Geschehnisse des 26. Septembers 1980 zu informieren und die Tragweite dieses Attentats aus Sicht der Überlebenden zu erfahren. Außerdem erinnert eine Gedenktafel am Münchner Rathaus an das Attentat.

Informationsort Oktoberfest-Attentat: Großes Programm bis 29.10.

Dokumentation Oktoberfest-Attentat, Foto: Gestaltungsbüro Müller-Rieger
Foto: Gestaltungsbüro Müller-Rieger

Rund 25 Veranstaltungen unterschiedlicher Akteure begleiten die Eröffnung der Dokumentation Oktoberfest-Attentat.

Das Programm des Kulturreferats der Landeshauptstadt München und der Fachstelle für Demokratie wird gemeinsam mit vielen Partnerinnen und Partnern aus der Stadtgesellschaft gestaltet. Die Veranstaltungsreihe findet vom 10.9. bis 29.10.2020 statt.

Die Veranstaltungen zum Wiesn-Attentat

Am Abend des Gedenktags (26.9.) gibt es um 18 Uhr einen Vortrag mit anschließender Podiumsdiskussion im Münchner Rathaus: „Das Oktoberfestattentat und die Kontinuitäten rechten Terrors“ über den gesellschaftlichen und politischen Umgang mit rechtsterroristischen Anschlägen sowie die fortwährende Gefahr rechter Gewalt. Impulsvortrag von Rechtsanwalt Werner Dietrich; Teilnehmer der Diskussion: Robert Andreasch, Prof. Dr. Gabriele Fischer, Dr. Matthias Quent und Andrea Röpke. Moderation: Heike Kleffner.

 

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