Münchens humorvollstes Museum im Isartor
Valentin-Karlstadt-Musäum in München
„An jedem Eck a Gaudi!“: Das Valentin-Karlstadt-Musäum im Isartor ist zurück. Nach Sanierung und Umbau ist Münchens wohl schrägstes Museum wieder geöffnet – mit einer neuen Ausstellung zu Liesl Karlstadt, einer überarbeiteten Karl-Valentin-Ausstellung, neu inszenierten Dioramen und dem Turmstüberl unter dem Dach.
Im Mittelpunkt stehen Karl Valentin, Liesl Karlstadt und die Münchner Volkssängerkunst: mit Original-Requisiten, Filmen, Hörstationen, kuriosen Objekten und viel Münchner Humor – aber auch mit neuen kritischen Blicken auf problematische Seiten der historischen Unterhaltungskultur.
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Valentin-Karlstadt-Musäum: Die wichtigsten Infos auf einen Blick
- Lage: im Isartor, direkt am S-Bahnhof Isartor
- Adresse: Tal 50, 80331 München
- Öffnungszeiten ab 10. Juli 2026: täglich außer Mittwoch 11 bis 18 Uhr, Sonntag ab 10 Uhr
- Schließtage: Mittwoch, 24. bis 26. Dezember und 1. Januar
- Eintritt: Erwachsene 3,99 Euro, ermäßigt 2,99 Euro ( Jahreskarte: 24,99 Euro, Ermäßigte Jahreskarte: 12,99 Euro)
- Freier Eintritt: Kinder bis 18 Jahre, Auszubildende und Rentner*innen mit Nachweis
- Empfohlene Aufenthaltsdauer: etwa 1 bis 1,5 Stunden, mit Besuch des Turmstüberls entsprechend länger
- Anfahrt: S-Bahn S1 bis S8, Tram 16/18 und Bus 132 bis Isartor
- Parken: Parkgarage Rieger City und Isarparkhaus
- Barrierefreiheit: Ausstellungen und Turmstüberl sind nur über eine Wendeltreppe erreichbar; ein Aufzug ist nicht vorhanden
Warum lohnt sich ein Besuch im Valentin-Karlstadt-Musäum?
Das Valentin-Karlstadt-Musäum ist ein besonderer Ort für Münchner Humor, Theatergeschichte und Volkssängerkunst. Hier geht es nicht nur um lustige Sprüche, sondern um zwei Künstler*innen, die Bühne, Film, Radio und Alltagsbeobachtung auf unverwechselbare Weise verbunden haben.
Nach dem Umbau lohnt sich der Besuch besonders: Die Ausstellung zu Liesl Karlstadt wurde völlig neu konzipiert, Karl Valentin wird mit neuen Leihgaben und Original-Requisiten gezeigt, die Dioramen wurden neu in Szene gesetzt. Dazu kommen Film- und Hörstationen, das Musäumskino und das Turmstüberl unter dem Dach des Isartors.
Das Museum bleibt dabei bewusst klein, verwinkelt und eigenwillig. Gerade diese Mischung aus Stadtgeschichte, Kuriositätenkabinett, Bühne und Café macht den Reiz aus.
Karl Valentin: Neue Objekte aus dem Besitz des Komikers
Die Ausstellung zu Karl Valentin wurde umfassend überarbeitet. Zu sehen sind persönliche Gegenstände, Fotografien, Requisiten, Originalinstrumente, Briefe, Postkarten, Programme und dem Valentinschen Panoptikum nachempfundene Objekte wie der Winter-Zahnstocher oder die geschmolzene Schneeplastik.
Neu hinzu kommen Original-Requisiten aus dem Nachlass Karl Valentins aus der Theaterwissenschaftlichen Sammlung der Universität zu Köln. Dazu zählen etwa das Fahrrad aus „Nacht und Nebel“ oder das Steckenpferd aus „Schwerer Reiter“, mit dem Valentin den Militarismus parodierte.
Auch Objekte aus dem Archiv des Valentin-Karlstadt-Musäums werden neu präsentiert: etwa der aufgedoppelte Zylinder aus „Das Christbaumbrettl“ oder die Uniformjacke, in der Liesl Karlstadt als Trommlerbua in „Raubritter vor München“ auftrat.
Neue Ausstellung: „Liesl Karlstadt – Flug zum Mond“
Die neue Ausstellung „Liesl Karlstadt – Flug zum Mond“ stellt Liesl Karlstadt stärker in den Mittelpunkt. Sie erzählt die Biografie der Künstlerin, die 1892 als Elisabeth Wellano geboren wurde, und fragt, wie ihr vor rund 100 Jahren ein freies, erfolgreiches und selbstständiges Künstlerinnenleben gelang.
Aus einfachen Verhältnissen kommend, verließ Elisabeth Wellano den sicheren Beruf als Verkäuferin, ging auf die Brettlbühne und wurde unter dem Namen Liesl Karlstadt zur Bühnenpartnerin von Karl Valentin. Gemeinsam schufen beide etwas Neues in der Unterhaltungskunst.
Die Ausstellung zeigt Liesl Karlstadt nicht nur als Bühnenpartnerin Valentins, sondern auch als eigenständige Künstlerin. Sie beleuchtet ihre Soloprojekte, ihre Arbeit für Theater, Film und Radio, ihre Versuche der künstlerischen Loslösung von Valentin und private Seiten ihres Lebens – bis hin zu ihrem späten Ruhm als Volksschauspielerin in den 1950er-Jahren.
Film- und Hörstationen machen ihr vielseitiges Schaffen erlebbar. Auch Karlstadt selbst kommt zu Wort. Der Titel „Flug zum Mond“ erinnert an eine der aufwendigsten multimedialen Inszenierungen von Karl Valentin und Liesl Karlstadt – und wird im Musäum selbst zum Weg in den zweiten Stock.
Dioramen, Kino und Münchner Volkssänger*innen
Die Dioramen erzählen in kleinen Bühnenbildern vom künstlerischen Schaffen Karl Valentins und Liesl Karlstadts. Nach dem Umbau wurden diese Miniaturszenen neu gestaltet und stärker in Szene gesetzt.
Im Musäumskino werden Karl Valentin und Liesl Karlstadt als frühe Medienkünstler*innen lebendig: mit Filmen, Hörstücken und Dokumenten aus ihrem Schaffen.
Die Ausstellung „An jedem Eck a Gaudi“ widmet sich der Münchner Volkssängerkunst. Sie zeigt die Entwicklung einer frühen Münchner Popkultur, die in den Vorstädten entstand und eine eigene Mischung aus Musik, Humor, Spott und Alltagsbeobachtung entwickelte.
Neu ist der kritischere Blick auf problematische Seiten dieser Unterhaltung: Wo mit Stereotypen, Ressentiments oder populistischen Mustern gespielt wurde, machen Interventionen in der Ausstellung diese Zusammenhänge sichtbar.
Führungen, Veranstaltungen und Kinderprogramm
Das Valentin-Karlstadt-Musäum bietet offene Führungen, Gruppenführungen und spezielle Angebote für Schulklassen an. Einzelne Veranstaltungen wie Musik, Kabarett, Führungen oder Familienformate ergänzen das Museumsprogramm.
- Offene Führungen: an Samstagen mit geradem Datum um 15:01 Uhr
- Kosten: 6 Euro pro Person zusätzlich zum Eintritt
- Gruppenführungen: auf Deutsch und Englisch buchbar, empfohlen für Gruppen bis 20 Personen, maximal 25 Personen
- Dauer: etwa 60 Minuten
- Schulklassen: spezielle Führungen über das Museumspädagogische Zentrum; auf Anfrage öffnet das Musäum dafür bereits ab 10 Uhr
- Kinderprogramm: einzelne Kinder- und Familienangebote nach Programm, darunter unregelmäßig Kindermatineen mit Märchenerzählungen und Musik
- Weitere Veranstaltungen: unter anderem Führungen, Musik, Kabarett und Formate im Turmstüberl
Eintrittspreise ab 10. Juli 2026
- Erwachsene: 3,99 Euro
- Ermäßigt: 2,99 Euro
- Freier Eintritt: Kinder bis 18 Jahre, Auszubildende und Rentner*innen mit entsprechendem Nachweis
- Jahreskarte: 24,99 Euro
- Ermäßigte Jahreskarte: 12,99 Euro
Barrierefreiheit und Angebote für Menschen mit Behinderung
Das Valentin-Karlstadt-Musäum ist auch nach dem Umbau nicht barrierefrei. Die Ausstellungsräume und das Turmstüberl sind nur über eine Wendeltreppe erreichbar. Ein Aufzug wurde nicht eingebaut.
- Spezielle Führungen: Führungen für Gehörlose aus dem Programm der "Museum Signers"
So ist das Musäum im Isartor aufgebaut
Das Valentin-Karlstadt-Musäum ist kein klassisches Museum mit breiten Sälen, sondern ein Rundgang durch Türme, Treppen und verwinkelte Räume des Isartors. Genau das macht den Besuch besonders: Das Gebäude wirkt selbst wie ein Teil der Ausstellung.
Der Rundgang führt durch die Ausstellungsbereiche zu Karl Valentin, Liesl Karlstadt und den Münchner Volkssänger*innen. Auf dem Weg begegnen euch Originalobjekte, Filme, Hörstationen, kleine Bühnenbilder und absurde Fundstücke.
Zum Musäum gehören außerdem das Kino, der Kiosk und das Turmstüberl. Wer weiter nach oben steigt, erreicht unter dem Dach des südlichen Isartorturms das Café – mit Blick ins Tal und viel Münchner Atmosphäre.
Café Turmstüberl und Museumskiosk
98 Stufen und einen „Raketenflug“ später wartet das Turmstüberl unter dem Dach des Isartors. Das Café wurde aufgefrischt und zeigt neue Fundstücke aus dem Archiv des Musäums – darunter Ballabzeichen, Bierflaschen von 1972 oder einen Ziegelstein, der einst als Eintrittskarte diente.
Das Turmstüberl gehört zum besonderen Erlebnis des Museums: ein kleines Café an einem ungewöhnlichen Ort, mit Blick ins Tal und viel Münchner Geschichte zwischen den Wänden. Möbliert ist es unter anderem mit originalen Thonet-Stühlen aus dem legendären Schwabinger Café Stefanie, das im Volksmund „Größenwahn“ hieß.
Im Museumskiosk findet ihr Bücher, Postkarten, Filme, Musik und Souvenirs rund um Karl Valentin, Liesl Karlstadt und die Münchner Volkssänger*innen – darunter auch Klassiker wie den Winter-Zahnstocher.
Geschichte des Valentin-Karlstadt-Musäums
- Am 17. September 1959 wurde das Valentin-Musäum eröffnet. Die Einladung dazu war selbst schon typisch valentinisch: Verschickt wurde ein vier Kilo schwerer Ziegelstein. Der Kunstmaler Hannes König richtete das Museum in Eigeninitiative im Südturm des kriegszerstörten Isartors ein – unterstützt von Künstlerfreunden und Münchner Bürger*innen.
- Als Vorbild für die Gestaltung diente Karl Valentins Ritterspelunke: eine Mischung aus Kellerkneipe, Bühne und Kuriositätenkabinett. Dieser Ursprung prägt das Musäum bis heute. Es ist nicht nur Ausstellungsort, sondern auch Bühne, Archiv, Café und liebevoll schräges Erinnerungsstück der Stadt.
- In den 1960er- und 1970er-Jahren entwickelte sich das Musäum zu einer Pilgerstätte für Karl-Valentin-Fans. Bei der Sanierung des Isartors 1971/72 kamen neue Ausstellungsräume im Nordturm hinzu.
- Seit der Eröffnung des Liesl-Karlstadt-Kabinetts im Jahr 2001 trägt das Museum den Namen beider Protagonist*innen. Von der Gründung bis Ende 2017 wurde es privat betrieben. Seit 2018 ist es ein Museum der Landeshauptstadt München. Damit wurde seine Zukunft unabhängig von privaten Betreiberstrukturen gesichert.
- Die Sammlung geht wesentlich auf Hannes König zurück. Nach seinem Tod vermachte er sie der Stadt München. Sie umfasst zahlreiche Archivalien zu Karl Valentin, Liesl Karlstadt und den Münchner Volkssänger*innen. Seit 2004 ist Sabine Rinberger Direktorin des Valentin-Karlstadt-Musäums.
Sanierung: Was am Gebäude gemacht wurde
- Die jüngste Sanierung diente vor allem dem Brandschutz und einem sicheren Museumsbetrieb. Geschossdecken wurden brandschutztechnisch verbessert, Treppentürme als Fluchtwege mit Sicherheitsglas und Brandschutztüren von den Ausstellungsräumen getrennt. Dazu kamen eine neue Brandmeldeanlage, neue Sicherheitsbeleuchtung, neue Elektroleitungen und eine neue Beleuchtung.
- Auch die Gebäudetechnik wurde erneuert: Die alten Nachtspeicheröfen wurden durch einen Anschluss an das Fernwärmenetz samt neuer Heizungsanlage ersetzt. Damit ist das Isartor für den Museumsbetrieb sicherer und zeitgemäßer ausgestattet.
Das Isartor: Ein besonderer Ort für ein Museum
Das Valentin-Karlstadt-Musäum passt kaum irgendwo besser hin als ins Isartor. Die verwinkelten Gänge, Treppen und Türme wirken fast wie gebaut für Valentins schräges Denken und Karlstadts Bühnenverwandlungen.
Das Isartor war einst ein wichtiges Stadttor Münchens. Über die Jahrhunderte gab es immer wieder Pläne, es abzureißen. König Ludwig I. verhinderte 1832 den Abriss und ließ das Tor durch Friedrich von Gärtner zum bayerischen Nationaldenkmal umgestalten.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das stark zerstörte Bauwerk zunächst nur notdürftig wiederaufgebaut. 1959 zog das Valentin-Musäum in den Südturm ein. Bis heute passt das Isartor mit seinen engen Wegen und ungewöhnlichen Räumen zum Charakter des Musäums.
Zu den Olympischen Spielen 1972 wurde das Umfeld des Isartors stark verändert: Die S-Bahn wurde unter das Tor gelegt, auch ein Abriss stand erneut im Raum. Stattdessen entschied sich die Stadt für eine umfassende Sanierung. Im Zuge dieser Maßnahme wurde auch das Museum erweitert: Der Nordturm wurde erschlossen und über einen neuen Wehrgang zugänglich gemacht.
FAQ: Häufige Fragen und Antworten
Was ist neu im Valentin-Karlstadt-Musäum?
Neu ist die Ausstellung „Liesl Karlstadt – Flug zum Mond“. Außerdem wurde die Karl-Valentin-Ausstellung überarbeitet, die Dioramen wurden neu inszeniert und auch Eingangsbereich, Turmstüberl und Gebäudetechnik wurden aufgefrischt.
Wo befindet sich das Valentin-Karlstadt-Musäum?
Das Valentin-Karlstadt-Musäum befindet sich im Isartor im Tal 50, direkt am S-Bahnhof Isartor und damit am östlichen Rand der Münchner Altstadt.
Was sieht man im Valentin-Karlstadt-Musäum?
Zu sehen sind Ausstellungen zu Karl Valentin, Liesl Karlstadt und der Münchner Volkssängerkunst. Dazu kommen Original-Requisiten, Fotografien, Filme, Hörstationen, Dioramen, kuriose Objekte und das Turmstüberl unter dem Dach.
Ist das Valentin-Karlstadt-Musäum für Kinder geeignet?
Ja, das Musäum kann auch für Familien interessant sein. Kinder bis 18 Jahre haben freien Eintritt. Einzelne Kinder- und Familienangebote finden nach Programm statt, für Schulklassen gibt es spezielle Führungen über das Museumspädagogische Zentrum.
Ist das Valentin-Karlstadt-Musäum barrierefrei?
Nein. Das Musäum ist auch nach dem Umbau nicht barrierefrei. Die Ausstellungsräume und das Turmstüberl sind nur über eine Wendeltreppe erreichbar; ein Aufzug ist nicht vorhanden.
Wie lange dauert ein Besuch im Valentin-Karlstadt-Musäum?
Für den Museumsrundgang solltet ihr etwa 1 bis 1,5 Stunden einplanen. Wer das Turmstüberl besucht oder sich Filme und Hörstationen ausführlicher anschaut, bleibt entsprechend länger.
Gibt es Führungen im Valentin-Karlstadt-Musäum?
Ja. Offene Führungen werden an Samstagen mit geradem Datum um 15:01 Uhr angeboten. Gruppenführungen sind auf Anfrage möglich, auch auf Englisch.
In Kooperation mit dem Kulturreferat und den Museen
Dieser Beitrag über die Münchner Museen wird vom Kulturreferat der Landeshauptstadt München gefördert und ist in Kooperation mit der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern konzipiert worden. Die Inhalte wurden zwischen den beteiligten Museen und muenchen.de, dem offiziellen Stadtportal, abgestimmt.
Auf einen Blick
Valentin Karlstadt Musäum
Tal 50
80331
München
Tel:
+4989223266
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