Sophie Scholl: Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus

Karl Valentin, Foto: Ludwigs-Maximilians-Universität
Foto: Ludwigs-Maximilians-Universität Ein Bodendenkmal am Geschwister-Scholl-Platz, vor dem Haupteingang der LMU, erinnert an die Widerstandsgruppe Weiße Rose

Sophie Scholl und die Weiße Rose in München: Kampf gegen die Nazis

Sophie Scholl war eine der bekanntesten Widerstandskämpferinnen gegen den Nationalsozialismus. Sie war Mitglied der Weißen Rose in München, heute sind zahlreiche Plätze, Straßen und Gebäude nach ihr benannt. Rund um Sophie Scholls 100. Geburtstag finden 2021 mehrere Veranstaltungen statt. Als Höhepunkt setzen 100 junge Theater-Darsteller*innen am 9. Mai ein besonderes Zeichen des Gedenkens, das ihr im Livestream mitverfolgen könnt.

Sophie Scholl im Porträt: Das Wichtigste auf einen Blick

Sophie Scholl, Foto: Shutterstock
Foto: Shutterstock

Sophie Scholl wurde am 9. Mai 1921 in Forchtenberg geboren und starb im Alter von 21 Jahren am 23. Februar 1943 im Münchner Gefängnis Stadelheim.

Ihr Name ist bis heute untrennbar mit der studentischen Widerstandsgruppe Weiße Rose verbunden. Gemeinsam mit ihrem Bruder Hans Scholl und weiteren Studenten verteilte sie Flugblätter gegen die NS-Diktatur.

Nach ihrer Verhaftung wurde sie zum Tode verurteilt und in Stadelheim hingerichtet. Scholl gilt bis heute für ihren Kampf gegen das Unrechtsregime der Nazis als wichtiges Vorbild in Deutschland, sie hat posthum zahlreiche Würdigungen erfahren. Ihr Leben wurde in mehreren Büchern, Filmen und Theaterstücken aufgearbeitet.

Zum 100. Geburtstag Sophie Scholls: Performance am Königsplatz

Performance für Sophie Scholl, Foto: Blickwechsel
Foto: Blickwechsel

Am 9. Mai wäre Sophie Scholl 100 Jahre alt geworden. Anlässlich ihres Geburtstags veranstaltete die Weiße-Rose-Stiftung am 9. Mai 2021 am Münchner Königsplatz eine große Performance: 100 junge Menschen erinnerten hundert Minuten lang an die mutige Widerstandskämpferin. Schirmherr der Aktion ist Oberbürgermeister Dieter Reiter.

Die Aufführung fand unter strengster Beachtung der vorgegebenen Corona-Schutzmaßnahmen im Rahmen einer angemeldeten Demonstration statt. Hier gibt's den Festakt als Video:

Bürgermeisterin Habenschaden legt Kranz am Scholl-Grab nieder

Kathrin Habenschaden am Grab von Sophie Scholl, Foto: UIi Lobinger/LHM
Foto: UIi Lobinger/LHM Bürgermeisterin Habenschaden am Grab von Sophie Scholl

Anlässlich des 100. Geburtstags von Sophie Scholl hat die 2. Bürgermeisterin Katrin Habenschaden am 9.5.2021 im Namen der Stadt München einen Kranz am Grab der Widerstandskämpferin im Friedhof am Perlacher Forst niedergelegt.

„Die ,Weiße Rose‘ ist eine der bekanntesten deutschen Widerstandsgruppen. Ihre Mitglieder machten sich unter Einsatz des eigenen Lebens gegen den nationalsozialistischen Terror stark“, so Habenschaden. „Sie appellierten aus humanistischen Motiven an die Verantwortung jedes Einzelnen für Freiheit und Gerechtigkeit. Und sie bezahlten dafür mit dem Leben. Es ist unsere Aufgabe und die der uns nachfolgenden Generationen, das Gedenken an die ,Weiße Rose‘ und an Sophie Scholl aufrechtzuerhalten.“  

Gedenkstätten, Gebäude, Plätze: Was in München an Sophie Scholl erinnert

Schild Geschwister-Scholl-Platz, Foto: Shutterstock
Foto: Shutterstock
  • Das Politik-Institut der LMU wurde 1968 in Geschwister-Scholl-Institut umbenannt
  • Der Platz vor dem Haupteingang der LMU heißt Geschwister-Scholl-Platz, wo auch Flugblätter der Weißen Rose in den Stein eingelassen sind
  • Im LMU-Hauptgebäude gibt es auch eine Dauerausstellung zur Weißen Rose
  • Der Allgemeine Studierendenausschuss (AstA) der LMU hat ein Bild Sophie Scholls als Logo gewählt
  • Eine weitere Gedenkstätte, die nach Vereinbarung besichtigt werden kann, ist in der JVA Stadelheim
  • Die Stadt München vergibt seit 1980 den Geschwister-Scholl-Preis
  • In Schwabing-West steht das Sophie-Scholl-Gymnasium
  • Die Gräber von Sophie und Hans Scholl sowie ihrem Mitstreiter Christoph Probst befinden sich auf dem Friedhof am Perlacher Forst


Das sind nur einige der Münchner Würdigungen: Deutschlandweit existieren zahlreiche Plätze, Straßen und Gebäude, die nach Sophie Scholl benannt sind. Ihre Büste steht in der bayerischen Walhalla, auch mehrere Briefmarken mit ihrem Konterfei wurden bereits herausgegeben. Anlässlich ihres 100. Geburtstags am 9. Mai 2021 wird es eine neue Briefmarke und eine 20-Euro-Gedenkmünze geben.

Das Leben von Sophie Scholl

Kindheit und Jugend
Sophie Scholl wuchs mit ihren vier Geschwistern in Forchtenberg auf, das im heutigen Baden-Württemberg liegt. Die Familie zog 1930 nach Ludwigsburg, später dann nach Ulm. In ihrer Jugend war sie Mitglied im nationalsozialistischen „Bund deutscher Mädel“ (BDM), von dem sie sich aber später abwandte.

Schule, Beruf und Studium
Scholl machte im Jahr 1940 Abitur, 1941 arbeitete sie in einem Kinderhort in Blumberg, da dieser Kriegshilfsdienst notwendig war, um studieren zu dürfen. Im Mai 1942 begann sie ihr Studium der Biologie und Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität.

Mitglied der Weißen Rose: Widerstand gegen die NS-Diktatur

Flugblätter der Weißen Rose, Foto: Shutterstock
Foto: Shutterstock Die Flugblätter der Weißen Rose als Bodendenkmal am Geschwister-Scholl-Platz

Bereits vor ihrem Studium lehnte Sophie Scholl die Praktiken der Nazis mehr und mehr ab. In München lernte sie dann auch durch ihren bereits dort studierenden Bruder Hans Leute kennen, die ähnliche Ansichten vertraten und sich bereits gegen das Hitler-Regime betätigten.

Die Widerstandsgruppe Weiße Rose erstellte und verteilte Flugblätter, die die Verbrechen der Nazis klar ansprachen und zum Widerstand aufriefen. Die Gestapo fahndete bereits intensiv nach den Erstellern dieser Flugblätter. Den Mitgliedern der Weißen Rose war klar, dass ihnen bei Entdeckung der Tod drohte.

Verhaftung, Tod und Vermächtnis

Grab von Sophie Scholl, Foto: Shutterstock
Foto: Shutterstock Grab auf dem Friedhof am Perlacher Forst

Am 18. Februar 1943 wurden Sophie und Hans Scholl bei einer Flugblattaktion im Lichthof des LMU-Hauptgebäudes beobachtet und verhaftet. Nach mehrtägigem Verhör in der Gestapo-Zentrale im damaligen Wittelsbacher Palais wurde Sophie gemeinsam mit ihrem Bruder und Christoph Probst am 22. Februar 1943 der Prozess gemacht.

Dafür war der berüchtigte Vorsitzende des Volksgerichtshofs Roland Freisler nach München gekommen, der die drei Studenten noch am selben Tag zum Tode verurteilte. Sophie Scholl wurde ebenso wie ihr Bruder und Probst am 23. Februar 1943 in Stadelheim mit der Guillotine hingerichtet.

Bis heute sind Sophie Scholl und die Weiße Rose ein Symbol für den studentisch-bürgerlichen Widerstand gegen das Unrechtsregime der Nazis. Hervorgehoben wird dabei immer der Mut der jungen Leute – auch unter Lebensgefahr – für das Richtige einzustehen, also die Menschlichkeit gegen die grausame Willkür des Totalitarismus zu verteidigen. Diese Botschaft ist bis heute ein wichtiger Bestandteil des Selbstverständnisses der Bundesrepublik Deutschland.

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