Historisches Baudenkmal in der Münchner Altstadt
Zerwirkgewölbe in München
Etwas versteckt zwischen Marienplatz, Altem Hof und Platzl steht eines der ungewöhnlichsten historischen Gebäude der Münchner Altstadt: das Zerwirkgewölbe in der Ledererstraße. Sein Kern stammt vermutlich aus dem 13. Jahrhundert, ein genaues Baujahr lässt sich allerdings nicht festlegen.
Seinen Namen erhielt das Gebäude durch die Verarbeitung von erlegtem Wild. Später waren hier unter anderem Theaterbühnen, Gastronomie und Veranstaltungsräume untergebracht. Heute gehört das denkmalgeschützte Haus dem Freistaat Bayern.
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Das Zerwirkgewölbe auf einen Blick
- Adresse: Ledererstraße 3, 80331 München
- Lage: Altstadt, wenige Gehminuten vom Marienplatz und vom Alten Hof entfernt
- Nächste Haltestelle: Marienplatz (U- und S-Bahn)
- Alter: im Kern vermutlich zweite Hälfte 13. Jahrhundert, später mehrfach erneuert
- Denkmalschutz: Baudenkmal in der Bayerischen Denkmalliste
- Eigentümer: Freistaat Bayern
- Heutige Nutzung: derzeit keine reguläre Nutzung
- Besonderheiten: historische Gewölberäume und zwei große Wandbilder an den Fassaden
- Besichtigung: von außen möglich, Innenräume derzeit nicht regulär öffentlich zugänglich
Warum lohnt sich ein Blick auf das Zerwirkgewölbe?
Das Zerwirkgewölbe liegt mitten in der Altstadt. Ihr könnt das Gebäude derzeit nur von außen besichtigen, die historischen Innenräume sind nicht regulär öffentlich zugänglich.
Gerade von außen lohnt sich ein genauerer Blick. Auffällig sind die beiden großen Wandbilder aus dem 20. Jahrhundert. Eines davon zeigt einen Jäger mit erlegtem Wild und passt damit zum Namen des Hauses.
Auch die Lage macht das Zerwirkgewölbe zu einem guten kurzen Abstecher bei einem Altstadtrundgang: Gleich nebenan führt der Schlichtingerbogen durch eine der verwinkelten historischen Passagen der Münchner Innenstadt.
👉 Das Zerwirkgewölbe lässt sich gut bei einem Rundgang zwischen Marienplatz, Altem Hof und Platzl entdecken; sehenswert sind vor allem die historischen Fassaden und Wandbilder.
Wie alt ist das Zerwirkgewölbe?
An der Fassade steht die Jahreszahl 1264. Oft wird das Haus als rund 750 Jahre alt und als zweitältestes Gebäude Münchens bezeichnet. Ob es tatsächlich in diesem Jahr entstanden ist, lässt sich nicht sicher sagen.
Die Bayerische Denkmalliste legt sich auf kein Jahr fest. Sie datiert den Kern des dreigeschossigen Baus, der einst zum herzoglichen Hof gehörte, vorsichtig in die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts. In den folgenden Jahrhunderten wurde das Haus mehrfach erneuert und umgebaut.
👉 Die bekannte Jahreszahl 1264 ist nicht belegt; laut Bayerischer Denkmalliste reicht der Kern des mehrfach erneuerten Gebäudes vermutlich in die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts zurück.
Woher kommt der Name Zerwirkgewölbe?
„Zerwirken“ stammt aus der Jägersprache und bedeutet, erlegtes Wild fachgerecht zu zerlegen.
Entgegen einer naheliegenden Vermutung war das aber nicht die ursprüngliche Funktion des Gebäudes. Erst 1808 wurde das Hof-Zerwirkgewölbe von der Herzog-Max-Burg an diesen Standort verlegt. Von da an wurden hier erlegte Tiere verarbeitet.
Später befand sich über viele Jahrzehnte ein Geschäft für Wildbret im Gebäude. Diese Nutzung prägte den Namen so nachhaltig, dass er bis heute erhalten blieb.
👉 Der Name Zerwirkgewölbe erinnert an die Verarbeitung von Wild, die ab 1808 in dem Gebäude stattfand.
Vom herzoglichen Hof über das Hofbräuhaus bis zur Bühne
Die Geschichte des Hauses ist ungewöhnlich vielfältig.
- Im 16. Jahrhundert gehörte der Bau zu einem Anwesen in der Burgstraße, das unter anderem von einem herzoglichen Falkner bewohnt wurde.
- Um 1590 wurde das Gebäude vom Vorderhaus getrennt und wechselte danach mehrfach den Besitzer. Zeitweise gehörte es der Familie Schlichtinger, nach der auch der benachbarte Schlichtingerbogen benannt ist.
- 1733 kam das Gebäude in kurfürstlichen Besitz und wurde dem benachbarten Hofbräuhaus angeschlossen. Ab 1808 diente es der Verarbeitung von Wild.
- Im 20. Jahrhundert änderte sich die Nutzung erneut: Nach dem Ende des Wildgeschäfts wurden die Gewölbe und Obergeschosse unter anderem als Studiobühnen genutzt. Ab 2005 zogen Gastronomie, Veranstaltungsräume und ein Club ein.
- Seit 2019 gibt es im Zerwirkgewölbe keine reguläre Nutzung mehr.
Umbau 2005: Historische Gewölbe treffen auf moderne Architektur
Nach mehreren Jahren Leerstand wurde das Zerwirkgewölbe 2005 umfassend umgebaut. Auf drei Etagen entstanden Räume für einen Club, einen Veranstaltungssaal und ein Restaurant.
Die neuen Einbauten setzen bewusst einen Kontrast zur alten Bausubstanz. Prägend blieb vor allem das große Gewölbe im Untergeschoss.
👉 Der letzte große Umbau des Zerwirkgewölbes erfolgte 2005.
Wem gehört das Zerwirkgewölbe – und was ist heute darin?
Das Zerwirkgewölbe gehört dem Freistaat Bayern. Seit 2019 wird das Gebäude nicht mehr regulär genutzt.
Für das denkmalgeschützte Haus wird eine langfristige Perspektive gesucht. Vor einer neuen Nutzung ist eine grundlegende Sanierung erforderlich. Welche Funktion das Zerwirkgewölbe künftig übernehmen wird, ist derzeit noch offen.
👉 Das Zerwirkgewölbe gehört dem Freistaat Bayern und steht derzeit leer; seine künftige Nutzung ist noch offen.
Häufige Fragen zum Zerwirkgewölbe
Kann man das Zerwirkgewölbe besichtigen?
Ihr könnt das Gebäude von außen besichtigen. Die historischen Innenräume sind derzeit nicht regulär öffentlich zugänglich.
Wie alt ist das Zerwirkgewölbe?
Der Kern des Gebäudes stammt laut Bayerischer Denkmalliste vermutlich aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. An der Fassade steht die Jahreszahl 1264, ein exaktes Baujahr ist aber nicht gesichert.
Ist das Zerwirkgewölbe das zweitälteste Gebäude Münchens?
Das Zerwirkgewölbe wird häufig so bezeichnet, eindeutig belegen lässt sich das aber nicht. Das Haus wurde im Lauf der Jahrhunderte mehrfach erneuert und umgebaut.
Was bedeutet „zerwirken“?
„Zerwirken“ ist ein Begriff aus der Jägersprache und bedeutet, erlegtes Wild fachgerecht zu zerlegen. Ab 1808 wurde das Gebäude dafür genutzt.
Wem gehört das Zerwirkgewölbe?
Eigentümer ist der Freistaat Bayern.