Historisches Baudenkmal in der Münchner Altstadt

Zerwirkgewölbe in München

Etwas versteckt zwischen Marienplatz, Altem Hof und Platzl steht eines der ungewöhnlichsten historischen Gebäude der Münchner Altstadt: das Zerwirkgewölbe in der Ledererstraße. Seine Geschichte reicht weit zurück – wie alt der heutige Bau tatsächlich ist, lässt sich allerdings nicht auf eine gesicherte Jahreszahl festlegen.

Seinen Namen erhielt das Gebäude durch die Verarbeitung von erlegtem Wild. Später waren hier unter anderem Theater, Gastronomie und Veranstaltungsräume untergebracht. Heute gehört das denkmalgeschützte Haus dem Freistaat Bayern und wird nicht regulär genutzt.

Adresse und Öffnungszeiten

Ledererstr. 3 , 80331 München

Anette Göttlicher

Das Zerwirkgewölbe auf einen Blick

  • Adresse: Ledererstraße 3, 80331 München
  • Lage: Altstadt, wenige Gehminuten vom Marienplatz und Alten Hof entfernt
  • Alter: im Kern vermutlich mittelalterlich, genaue Datierung nicht gesichert
  • Denkmalschutz: Baudenkmal in der Bayerischen Denkmalliste
  • Eigentümer: Freistaat Bayern
  • Heutige Nutzung: derzeit keine reguläre Nutzung
  • Besonderheiten: historische Gewölberäume und zwei große Wandbilder an den Fassaden
  • Besichtigung: von außen möglich, Innenräume derzeit nicht regulär öffentlich zugänglich

Warum lohnt sich ein Blick auf das Zerwirkgewölbe?

Das Zerwirkgewölbe liegt in der Ledererstraße 3 mitten in der Altstadt, nur wenige Gehminuten vom Marienplatz, Alten Hof und Platzl entfernt. Das Gebäude kann derzeit nur von außen besichtigt werden; die historischen Innenräume sind nicht regulär öffentlich zugänglich.

Gerade von außen lohnt sich ein genauerer Blick. Auffällig sind die beiden großen Wandbilder, die an die frühere Verarbeitung und den Verkauf von Wild erinnern. Das Jagdmotiv an der Südseite stammt von Heinrich Landgrebe und Adolf Klingshirn aus dem Jahr 1927, das Wandbild an der Ostseite schuf Landgrebe 1937.

Auch die Lage macht das Zerwirkgewölbe zu einem guten kurzen Abstecher bei einem Altstadtrundgang: Gleich nebenan führt der Schlichtingerbogen durch eine der verwinkelten historischen Passagen der Münchner Innenstadt.

👉 Das Zerwirkgewölbe lässt sich gut bei einem Rundgang zwischen Marienplatz, Altem Hof und Platzl entdecken; sehenswert sind vor allem die historischen Fassaden und Wandbilder.

Wie alt ist das Zerwirkgewölbe wirklich?

An der Fassade steht die Jahreszahl 1264. Sie führte lange dazu, dass das Zerwirkgewölbe als rund 750 Jahre alt und als zweitältestes Gebäude Münchens bezeichnet wurde. Für genau dieses Baujahr gibt es jedoch keinen historischen Beleg.

Auch die aktuelle Bayerische Denkmalliste formuliert deshalb vorsichtig: Der dreigeschossige Bau stammt im Kern wohl aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts und wurde später mehrfach erneuert.

Bauhistorische Untersuchungen zeigen zudem, wie stark sich das Gebäude über die Jahrhunderte verändert hat. Bei Arbeiten im Jahr 2005 wurden unter anderem Mauerzüge und Fußböden aus dem 15. oder 16. Jahrhundert entdeckt. Der bestehende Bau wurde auf älteren Strukturen errichtet und später immer wieder umgebaut.

Eine einzelne Jahreszahl kann die Geschichte des Zerwirkgewölbes deshalb kaum wiedergeben.

👉 Die bekannte Jahreszahl 1264 ist nicht belegt; laut Bayerischer Denkmalliste reicht der Kern des mehrfach erneuerten Gebäudes vermutlich in die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts zurück.

Woher kommt der Name Zerwirkgewölbe?

„Zerwirken“ stammt aus der Jägersprache und bedeutet, erlegtes Wild fachgerecht zu zerlegen.

Entgegen einer naheliegenden Vermutung war das aber nicht die ursprüngliche Funktion des Gebäudes. Erst 1808 wurde das Hof-Zerwirkgewölbe von der Herzog-Max-Burg an diesen Standort verlegt. Von da an wurden hier erlegte Tiere verarbeitet.

Später befand sich über viele Jahrzehnte ein Geschäft für Wildbret im Gebäude. Diese Nutzung prägte den Namen so nachhaltig, dass er bis heute erhalten blieb.

👉 Der Name Zerwirkgewölbe erinnert an die Verarbeitung von Wild, die ab 1808 in dem Gebäude stattfand.

Vom herzoglichen Hof über das Hofbräuhaus bis zur Bühne

Die Geschichte des Hauses ist ungewöhnlich vielfältig.

  • Im 16. Jahrhundert gehörte der Bau zu einem Anwesen in der Burgstraße, das unter anderem von einem herzoglichen Falkner bewohnt wurde.
  • Um 1590 wurde das Gebäude vom Vorderhaus getrennt und befand sich anschließend mehr als ein Jahrhundert in Privatbesitz. Von 1639 bis 1733 gehörte es der Familie Schlichtinger, nach der auch der benachbarte Schlichtingerbogen benannt ist.
  • 1733 kam das Gebäude wieder in kurfürstlichen Besitz und wurde dem benachbarten Hofbräuhaus angeschlossen. Ab 1808 diente es schließlich der Verarbeitung von Wild.
  • Im 20. Jahrhundert änderte sich die Nutzung erneut: Nach dem Ende des Wildgeschäfts wurden die Gewölbe und Obergeschosse unter anderem als Studiobühnen genutzt. Später zogen Gastronomie, Veranstaltungsräume und ein Club ein.
  • Seit 2019 gibt es im Zerwirkgewölbe keine reguläre Nutzung mehr.

Umbau 2005: Historische Gewölbe treffen auf moderne Architektur

Nach mehreren Jahren Leerstand wurde das Zerwirkgewölbe 2005 umfangreich umgebaut und neu gestaltet

Auf rund 795 Quadratmetern entstanden damals Räume für Gastronomie, Veranstaltungen und einen Club. Die modernen Einbauten wurden bewusst als Kontrast zur historischen Bausubstanz gestaltet. Besonders das markante Gewölbe im Untergeschoss blieb dabei als prägendes Element sichtbar.

Die Arbeiten wurden archäologisch begleitet. Dabei kamen ältere Mauerzüge und Fußböden zum Vorschein, die vermutlich aus dem 15. oder 16. Jahrhundert stammen.

Schon zuvor war mehrfach am Gebäude gearbeitet worden. Dokumentiert sind unter anderem Renovierungsmaßnahmen an der Außenseite in den Jahren 1955 und 1966.

👉 Der letzte große Umbau des Zerwirkgewölbes erfolgte 2005

Wem gehört das Zerwirkgewölbe – und was ist heute darin?

Das Zerwirkgewölbe gehört dem Freistaat Bayern. Seit 2019 wird das Gebäude nicht mehr regulär genutzt.

Für das denkmalgeschützte Haus wird eine langfristige Perspektive gesucht. Vor einer neuen Nutzung ist eine grundlegende Sanierung erforderlich. Welche Funktion das Zerwirkgewölbe künftig übernehmen wird, ist derzeit noch offen.

👉 Das Zerwirkgewölbe gehört dem Freistaat Bayern und steht derzeit leer; seine künftige Nutzung ist noch offen.

Häufige Fragen zum Zerwirkgewölbe

Ist das Zerwirkgewölbe wirklich das zweitälteste Gebäude Münchens?

Die Jahreszahl 1264 an der Fassade ist nicht historisch belegt. Die Bayerische Denkmalliste datiert den Kern des mehrfach erneuerten Gebäudes vorsichtig in die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts.

Was ist das älteste erhaltene Gebäude Münchens?

Als ältestes erhaltenes Gebäude gilt der Alte Hof. Dort sind Mauerteile aus dem 12. Jahrhundert erhalten.

Was bedeutet „zerwirken“?

„Zerwirken“ ist ein Begriff aus der Jägersprache und bedeutet, erlegtes Wild fachgerecht zu zerlegen. Seit 1808 wurde das Gebäude dafür genutzt.

Wem gehört das Zerwirkgewölbe?

Eigentümer ist der Freistaat Bayern.

Was befindet sich heute im Zerwirkgewölbe?

Derzeit gibt es dort keine reguläre Nutzung. Das denkmalgeschützte Gebäude steht leer.

Kann man das Zerwirkgewölbe besichtigen?

Das Gebäude kann von außen besichtigt werden. Die historischen Innenräume sind derzeit nicht regulär öffentlich zugänglich.

Auf einen Blick

Zerwirkgewölbe

Ledererstr. 3
80331 München