Schreib-Residency 2026

Karnik Gregorian gestaltet das Literaturprojekt der Monacensia

Was wird in Familien nicht erzählt – und warum? Dieser Frage widmet sich der Münchner Journalist, Autor und Regisseur Karnik Gregorian bei der Schreib-Residency 2026 der Monacensia. Im Mittelpunkt stehen die Lebensgeschichten von Frauen der ersten und zweiten Generation der sogenannten „Gastarbeiter*innen“. Von Oktober bis Dezember greift er das Thema bei vier kostenlosen Veranstaltungen auf – mit Film, Workshop, Lesung und Theater.

Karnik Gregorian
Lothar Reichel
Karnik Gregorian

Schreib-Residency 2026 auf einen Blick

  • 🖋️ Resident: Karnik Gregorian – Journalist, Autor, Dokumentarfilm- und Theaterregisseur
  • 📅 Programm: 6. und 10. Oktober, 24. November und 10. Dezember 2026
  • 📍 Ort: Monacensia im Hildebrandhaus, Maria-Theresia-Str. 23
  • 💬 Themen: Familiengeschichten, Migration, Erinnerung und die Erfahrungen migrantischer Frauen
  • 🎟️ Eintritt: frei bei allen vier Veranstaltungen
  • ✉️ Anmeldung: nur für den Workshop am 10. Oktober unter monacensia.programm@muenchen.de

Schweigen, Migration und weibliche Erinnerung

Viele Frauen kamen zum Arbeiten nach Deutschland und blieben ein Leben lang. Im deutschen Erinnerungsdiskurs kommen ihre Stimmen bis heute kaum vor – obwohl sie die Bundesrepublik mitgeprägt haben. Genau dort setzt Gregorian an: Er will die Lebensgeschichten von Frauen mit migrantischer Biografie sichtbarer machen.

Ausgangspunkt ist seine eigene Familienbiografie, die exemplarisch für viele Migrationsgeschichten seit den 1960er Jahren steht. Seine Eltern migrierten nach Deutschland, seine Mutter starb früh an einer Krebserkrankung. Über die Krankheit, über Belastungen und darüber, was all das mit der Familie machte, wurde lange geschwiegen.

Aus dieser privaten Geschichte entstehen im Programm größere Fragen: Warum sind Erkrankungen tabu? Wie wird über psychische Gesundheit gesprochen – und wie nicht? Und weshalb fehlen öffentliche Erzählungen über weibliche Migrationserfahrungen fast vollständig? Gregorian nähert sich diesen Fragen über Gespräche, Interviews und bewusstes Zuhören.

Die Veranstaltungen der Schreib-Residency 2026

6. Oktober: „Das geschenkte Schweigen“

Filmstill "Die Gerichte meines Vaters"
Karnik Gregorian
Filmstill aus "Die Gerichte meines Vaters"

Zum Auftakt am Dienstag, 6. Oktober, um 19 Uhr zeigt Karnik Gregorian im Forum Atelier seinen Dokumentarfilm „Die Gerichte meines Vaters“ von 2003. Darin sprach er erstmals mit seinem Vater über seine verstorbene Mutter.

Nun schaut und kommentiert Gregorian den Film gemeinsam mit seinen Schwestern Margrit und Karen Gregorian. Der Abend beschäftigt sich mit familiärem Schweigen, Verlust und der Frage, wie gemeinsames Erinnern möglich wird.

10. Oktober: Workshop „Familiengeschichten erfragen“

Wie spricht man mit Eltern, Großeltern oder anderen Angehörigen über die Vergangenheit? Im Workshop „Familiengeschichten erfragen“ am Samstag, 10. Oktober, von 11 bis 16 Uhr im Salon Hildebrand gibt Gregorian seine Erfahrungen und Interviewtechniken weiter.

Die Teilnehmer*innen können sich damit den eigenen Familiengeschichten annähern und ausprobieren, welche Fragen Erinnerungen öffnen und wie aus Gesprächen Erzählungen entstehen.

Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung unter monacensia.programm@muenchen.de ist erforderlich.

24. November: „Wie lange bleibt man Gast?“

Am Dienstag, 24. November, um 19 Uhr spricht Gregorian im Forum Atelier mit der Autorin Özlem Özgül Dündar. Unter dem Titel „Wie lange bleibt man Gast?“ geht es um Zuschreibungen an Künstler*innen mit Migrationsbiografie.

Müssen Autor*innen über Migration schreiben, wenn sie Teil der eigenen Familiengeschichte ist? Und wie lässt sich eine künstlerische Identität jenseits solcher Erwartungen entwickeln? Dündar und Gregorian sprechen über Herkunft, Eigenständigkeit und den Druck, immer wieder als „migrantische“ oder „postmigrantische“ Stimme eingeordnet zu werden.

10. Dezember: „Fiktion und Zeitzeuginnenschaft“

Teutonistan
Lothar Reichel
Berrin Önler-Sayan in Teutonistan

Den Abschluss bildet am Donnerstag, 10. Dezember, um 19 Uhr „Fiktion und Zeitzeuginnenschaft: TEUTONISTAN im Gespräch mit Berrin Önler-Sayan" im Forum Atelier. Ausgangspunkt ist das 2025 uraufgeführte Theaterstück „TEUTONISTAN" von Bülent Kullukcu und Karnik Gregorian, in dem Dokumentation und Fiktion ineinandergreifen.

Die Schauspielerin Anne-Isabelle Zils und der Regisseur Bülent Kullukcu lesen Szenen daraus und sprechen darüber mit Berrin Önler-Sayan. Die Zeitzeugin organisierte in den 1980er-Jahren politische Kämpfe migrantischer Frauen in Deutschland mit – darunter den historischen Frauenkongress von 1984. Es geht um Aufenthaltsrecht, Arbeit, Gesundheit und Selbstbestimmung. Karnik Gregorian moderiert den Abend.

Wer ist Karnik Gregorian?

Karnik Gregorian arbeitet als Journalist, Autor sowie Dokumentarfilm- und Theaterregisseur. Seine Arbeiten entstehen aus intensiver Recherche und im engen Austausch mit den Menschen, um die es geht.

Als freier Journalist schrieb er unter anderem für das „SZ Magazin", die „Frankfurter Rundschau" und sueddeutsche.de, Dokumentarfilme realisierte er für ZDF/3sat, BR und WDR. Als Theaterregisseur arbeitet er unter anderem an den Münchner Kammerspielen, der Schauburg und am Maxim Gorki Theater. Sein Dokumentarfilm „Die Gerichte meines Vaters" gewann Festivalpreise in San Francisco, Yerevan und Stuttgart; für „Weiß Gott wann" an den Münchner Kammerspielen erhielt er 2015 den BKJ-Preis.

Im MON Mag der Monacensia ist außerdem ein persönlicher Essay von Gregorian über sein Residency-Programm erschienen.

»Mit Karnik Gregorian gewinnt die Schreib-Residency 2026 eine Stimme, die Dokumentarisches und Journalistisches mit einem feinen Gespür für das Sprechen und Zuhören verbindet. Sein Ansatz, Menschen und ihre Geschichte als kollektives Gedächtnis zu begreifen, erweitert unser Verständnis davon, was Literatur in der Stadt leisten kann.«

Anke Buettner Leiterin der Monacensia

Die Schreib-Residency der Monacensia

Monacensia im Hildebrandhaus
Eva Juenger

Seit 2022 vergibt die Monacensia jährlich eine Schreib-Residency an Münchner Autor*innen. Sie schafft Raum für literarische Arbeit und Austausch – und lässt die Resident*innen das Programm des Hauses mitgestalten. Im Austausch mit ihnen wird das Format laufend weiterentwickelt.

Anke Buettner, Leiterin der Monacensia, sieht in Gregorian eine Stimme, die Dokumentarisches und Journalistisches mit einem feinen Gespür fürs Sprechen und Zuhören verbindet: Sein Ansatz, Menschen und ihre Geschichte als kollektives Gedächtnis zu begreifen, erweitere das Verständnis davon, was Literatur in der Stadt leisten könne.

Karnik Gregorian folgt auf Dana von Suffrin, das Turtle-Kollektiv, Annegret Liepold und Elvira Steppacher. Gefördert wird die Schreib-Residency 2026 von der Richard Stury Stiftung.

In Kooperation mit dem Kulturreferat und den Museen

Dieser Beitrag über die Münchner Museen wird vom Kulturreferat der Landeshauptstadt München gefördert und ist in Kooperation mit der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern konzipiert worden. Die Inhalte wurden zwischen den beteiligten Museen und muenchen.de, dem offiziellen Stadtportal, abgestimmt.

Das könnte euch auch interessieren