Sammlung mittelalterlicher Kunst erstrahlt in neuem Glanz

Bayerisches Nationalmuseum: Drei Mittelalter-Säle wiedereröffnet

Nach fast vier Jahren Schließzeit hat das Bayerische Nationalmuseum am 5. März 2026 drei Säle seines mittelalterlichen Ausstellungsbereichs wiedereröffnet. Vorausgegangen waren eine inhaltliche Neukonzeption, aufwändige Restaurierungen und sensible Raumrekonstruktionen. Die Besucher*innen erwartet in den wiedereröffneten Sälen eine Zeitreise ins Mittelalter durch die Präsentation herausragender Bestände. Gleichzeitig lassen sich hier auch die architektonischen und gestalterischen Ursprünge des Bayerischen Nationalmuseums entdecken.

Raumeindruck Saal 4
Bayerisches Nationalmuseum, Foto: Bastian Krack
Raumeindruck von Saal 4

Eine Zeitreise ins Mittelalter in den architektonischen Ursprüngen des Museums

Die Sammlung mittelalterlicher Kunst im Bayerischen Nationalmuseum gehört nach Umfang, Qualität und Vielfalt zu den bedeutendsten ihrer Art in Deutschland. Um diesen Schatz zeitgemäß präsentieren zu können und dabei der historischen Architektur des Museums Rechnung zu tragen, wurden die originale farbige Ausmalung von Saal 3 sowie ein großformatiges Fresko in Saal 4 in mühevoller Kleinstarbeit freigelegt und rekonstruiert.

Zum anderen wurden etwa 30 Objekte einer hoch technologisierten Untersuchung und feinfühliger und umfassender Restaurierung unterzogen und erstrahlen nun erstmals nach vielen Jahrzehnten wieder in ihrem ursprünglichen Glanz. Die neu gestaltete Präsentation widmet sich unterschiedlichen Themen: In Saal 3 stehen eindrucksvolle Grabmäler im Mittelpunkt, Saal 4 zeigt Kunst um 1400, darunter bedeutende Altaraufsätze, und Saal 7 beleuchtet die Kunst und Frömmigkeit in Frauenklöstern.

Saal 3 - Grabmale

Raumeindruck Saal 3
Bayerisches Nationalmuseum, Foto: Bastian Krack

Besonders eindrücklich ist Saal 3: Ursprünglich waren die Innenräume des zwischen 1893 und 1900 errichteten Museumsgebäudes farbenprächtig ausgemalt. Die Wandgestaltung von Rudolf Seitz (1842–1910) orientierte sich an historischen Stilelementen. Bereits Mitte der 1930er Jahre wurden Wände und Gewölbe jedoch weiß überstrichen. 2023/24 legte man die originale farbige Wandfassung frei und rekonstruierte sie. Der Saal vermittelt heute wieder einen Eindruck von der starken Farbwirkung der Museumsräume zur Bauzeit. Eine besondere Herausforderung waren zudem die Grabsteine: Die teils bis zu zwei Tonnen schweren Werke mussten restauriert, transportiert und mit neuen Montage- und Sockellösungen präsentiert werden.

Saal 4 - Kunst um 1400

Raumeindruck Saal 4
Bayerisches Nationalmuseum, Foto: Bastian Krack

Eine besondere Herausforderung bei der Neupräsentation bildeten die fragilen und technisch anspruchsvollen Glasgemälde im Folgesaal (Saal 4). Für sie mussten neue Konzepte entwickelt werden, die sowohl konservatorischen als auch klimatischen Anforderungen gerecht werden. Auch für zahlreiche, teils frisch restaurierte Skulpturen und große Flügelaltäre waren innovative Montagelösungen nötig.

Die Restaurierung des Pähler Altars zeigt, wie sich die Wirkung eines Kunstwerks verändern kann: Durch die rekonstruierte Rahmenvergoldung ist die ursprüngliche Farbigkeit wieder deutlich erlebbar. Das Flügelretabel stammt aus Prag um 1390 und stellt der Kreuzigung Christi sowie die Heiligen Johannes der Täufer und Barbara dar. 

Prägend für die Raumgestaltung ist zudem eine eingebaute Apsis, die sich an der Chorapsis der Wormser Stiftskirche St. Paulus (um 1190) orientiert. Ihr Gewölbe mit Darstellungen des apokalyptischen Christuslamms und zahlreicher Engel wurde von Rudolf Seitz gestaltet. Das überstrichene Wandgemälde wurde 2024 freigelegt und ist nun erstmals seit fast 100 Jahren wieder sichtbar.

Saal 7 - Kunst in Frauenklöstern

Raumeindruck Saal 7
Bayerisches Nationalmuseum, Foto: Bastian Krack

Frauenklöster waren im Mittelalter bedeutende geistliche und kulturelle Zentren - um diese dreht sich die Ausstellung in Saal 7. Das Leben der meist aus adeligen oder patrizischen Familien stammenden Nonnen folgte dem Prinzip „ora et labora“ – Gebet und Arbeit. Ihre Andacht war häufig von gefühlsbetonter Frömmigkeit geprägt und beeinflusste die Entwicklung wichtiger religiöser Bildtypen. Kunstwerke spielten dabei eine zentrale Rolle im klösterlichen Alltag und in der religiösen Praxis.

Beispiele dafür sind ein Vesperbild vom Mittelrhein (um 1360), das Maria mit dem toten Christus im Schoß zeigt, eine Reliquienbüste aus Regensburg (1345), die für Kunigunde von Egloffsheim geschaffen wurde, sowie das Epitaph der Dominikanerin Gerhaus Ferin aus Bamberg (um 1443). Diese Werke dienten der Andacht und erinnerten zugleich an das Gebet für Verstorbene.

Öffentliche Führungen

Pähler Altar: Flügelretabel mit der Kreuzigung Christi und den hll. Johannes der Täufer und Barbara
Bayerisches Nationalmuseum, Foto: Bastian Krack
Pähler Altar: Flügelretabel mit der Kreuzigung Christi und den hll. Johannes der Täufer und Barbara

In öffentlichen Führungen erfahren Besucher*innen mehr über die Geschichte der Räume und die aufwändige Restaurierung der Objekte. Die Buchung erfolgt per Mail an: veranstaltungen@bayerisches-nationalmuseum.de oder telefonisch: 089/21124-216.

  • So 19. April, 11 Uhr: Leistungsschau der Waffenschmiede. Zu neu ausgestellten Grabplatten des Mittelalters. Dr. Raphael Beuing
  • So 03. Mai, 11 Uhr: Von Pähl bis Fürstätt. Zur Restaurierung zweier mittelalterlicher Altäre. Dr. Daniela Karl
  • Do 28. Mai, 18 Uhr: Dem Licht Farbe geben: Glasmalerei. Dr. Sigrid Epp
  • So, 7. Juni, 11 Uhr: Ein Baldachinaltar und ein Johanneshaupt. Außergewöhnlich spannende Restaurierungsgeschichten. Stefan Schuster

In Kooperation mit dem Kulturreferat und den Museen

Dieser Beitrag über die Münchner Museen wird vom Kulturreferat der Landeshauptstadt München gefördert und ist in Kooperation mit der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern konzipiert worden. Die Inhalte wurden zwischen den beteiligten Museen und muenchen.de, dem offiziellen Stadtportal, abgestimmt.

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