Künstlervillen in München: Von Lenbachhaus bis Villa Stuck

Museum als Gesamtkunstwerk: Ausstellungen in den Münchner Künstlerhäusern

Künstler*innen schaffen Kunst – das gilt auch für ihre Häuser! Denn nicht nur Könige und Kurfürsten: Auch einige kreative Geister konnten sich in München im 19. Jahrhundert großartige Wohnräume und Villen leisten. Ihr seid auf der Suche nach einem authentischen Kunsterlebnis? Wir stellen vier Museen vor, bei denen nicht nur die Kunst außergewöhnlich ist, sondern schon allein das historische Gebäude.

Außenansicht der Villa Stuck
Nikolaus Steglich
Die Münchner Villa Stuck ist eines der bedeutendsten existierenden Künstlerhäuser in Europa

In Kooperation mit dem Kulturreferat und den Museen

Dieser Beitrag über die Münchner Museen wird vom Kulturreferat der Landeshauptstadt München gefördert und ist in Kooperation mit der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern konzipiert worden. Die Inhalte wurden zwischen den beteiligten Museen und muenchen.de, dem offiziellen Stadtportal, abgestimmt.

Villa Stuck: Künstler-Flair an der Prinzregentenstraße

Inneneinrichtung der Villa Stuck
Jens Weber, München

Wer steckt dahinter? Der damals 34-jährige Maler, Grafiker und Bildhauer Franz von Stuck (1863-1928) konzipierte seine Villa Ende des 19. Jahrhunderts als einzigartiges Gesamtkunstwerk. Er hatte sein zukünftiges Künstlerparadies in allen Details geplant vom Rohbau bis zu den Einzelheiten für die Innendekoration und dem Garten mit seinen beeindruckenden Figuren.

Was sind die Highlights? Von außen wirkt die Fassade eher schlicht, innen ist das Gebäude dafür um so opulenter. Ein besonderer Hingucker ist die Decke im Musikzimmer, die als Himmelsgewölbe mit goldenen Sternen und Sternzeichen versehen ist. Der Künstlergarten, ebenfalls nach antikem Vorbild angelegt, ist heute eine idyllische Ruhe- und Gartenoase mit Museumscafé.

Und heute? Die einstige Künstlervilla ist heute ein städtisches Museum. Weltbekannte Bilder, darunter die Werke des Hausherrn selbst, aber auch Sonderausstellungen mit aktuellen Themenschwerpunkten und Künstler*innen, werden in spannenden Interaktionen mit dem historischen Gebäude gezeigt. 

Video: Münchner Museen als Gesamtkunstwerk

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Lenbachhaus: Eine Prachtvilla wie in Italien

Michaela Eichwald im Lenbachhaus im Kunstareal
Anette Göttlicher

Wer steckt dahinter? Franz von Lenbach hatte einen Palast im Sinn, als er beschloss nahe dem prunkvollen Königsplatz eine Villa zu errichten. Zwischen 1887 und 1891 entstand das in L-Form angelegte Gelände, bestehend aus einem Atelierflügel und einem Wohntrakt. Den Entwurf dazu erarbeitete der Malerfürst mit dem Münchner Architekten Gabriel von Seidl, der auch für das Bayerische Nationalmuseum, das Deutsche Museum und das Rondell am Stachus verantwortlich zeichnete.

Was sind die Highlights? Die Architektur des Museums ist ein echter Hingucker: Die 1887 im toskanischen Stil errichtete Künstlervilla wurde 2013 durch einen modernen kubischen Anbau erweitert. Auch bei der Innenausstattung war Lenbach nicht bescheiden. Antike Skulpturen und Kopien antiker Kunstwerke, Malereien, Gobelins und Teppiche zieren die Räumlichkeiten. Die grüne Gartenanlage ist an die italienische Renaissance angelehnt.

Und heute? 1924 verkaufte Lenbachs Witwe sowohl das Gebäude als auch Teile des Inventars und Kunstwerke an die Stadt München. Diese begründeten den ersten Bestand der Kunstsammlung des Lenbachhauses. 1957 dann beschenkte Gabriele Münter die Stadt und das Lenbachhaus mit der einzigartigen Sammlung, die heute als der Blaue Reiter zu sehen ist. Der Kunstbau ist der Städtischen Galerie im Lenbachhaus angeschlossen. Er wurde 1994 eröffnet und besticht vor allem durch seine besondere Räumlichkeit. Der Kunstbau liegt im Zwischengeschoss der U-Bahn-Station Königsplatz und sein Zuschnitt orientiert sich an dem des U-Bahnhofs.

Monacensia im Hildebrandhaus: Das literarische Gedächtnis der Stadt

Monacensia im Hildebrandhaus
Eva Juenger

Wer steckt dahinter? Das Literaturarchiv Monacensia der Stadt München hat seinen Sitz in der ehemaligen Künstlervilla des Bildhauers Adolf von Hildebrand (1874-1921), der Anfang des 20. Jahrhunderts zu den bedeutendsten Künstlern seiner Zeit gehörte. Zu seinen Werken in München zählen der Wittelsbacherbrunnen, der Vater-Rhein-Brunnen oder das Reiterstandbild von Prinzregent Luitpold. Der Architekt Gabriel von Seidl hat das Wohnhaus und Atelier nach Plänen von Hildebrand 1898 gebaut.

Was sind die Highlights? In der Bibliothek beherbergt die Monacensia etwa 150.000 Bücher und Medien rund um München, die frei zugänglich sind und ausgeliehen werden können. Im Lesegarten oder Salon könnt ihr vor Ort entspannt schmökern. Eine Dauerstellung mit authentischen Exponaten informiert euch über die Münchner Literatur- und Künstler Szene zur Zeit von Thomas Mann zwischen 1894 und 1933.

Und heute? Seit 1977 beherbergt das Hildebrandhaus das Münchner Literaturarchiv und eine Forschungsbibliothek. Zwischen 2013 und 2016 wurde das Hildebrandhaus generalsaniert und die öffentlich nutzbare Fläche deutlich erweitert. Der großzügige, helle, moderne Bau ist technisch auf dem neuesten Stand und verwahrt als "literarisches Gedächtnis der Stadt" die Vor- und Nachlässe sowie Schriftstücke von bedeutenden Münchner Schriftsteller*innen.

Archiv Geiger: Die Werke des Künstlers direkt am Entstehungsort

Pigmentraum: Hier mischte Geiger seine Farben
Katharina Haider

Wer steckt dahinter? Das Museum im Stadtteil Solln befindet sich im ehemaligen Atelier des abstrakten Künstlers Rupprecht Geiger (1908-2009). Farbe war für den Bildhauer ein wichtiges Element seines Schaffens: Seine Skulpturen und großformatigen Wandbildern prägen noch heute das Münchner Stadtbild. Vielleicht kennt ihr zum Beispiel das Aluminium-Oval "Gerundetes Blau" vor dem Gasteig oder sein Acryl-Werk auf Holz in der Mensa der TU.

Was sind die Highlights? Im Archiv Geiger spürt man die Gegenwart des Künstlers. Ihr bewundert nicht nur seine originalen Bilder und Objekte, sondern riecht und seht, wie er arbeitete. Im Pigmentraum im Keller mischte er seine kräftigen Farben zusammen, davon zeugen die Farbspritzer an den Wänden. 

Und heute? Das Archiv wurde 2010 zum ersten Todestag des Künstlers eröffnet und wird von seiner Enkelin Julia Geiger geleitet. Alle zwei Jahre wechseln die Ausstellungen mit Präsentationen von Werken Geigers, es gibt regelmäßig Führungen und Workshops. Durch die besondere Konzeption des Archivs taucht man noch Jahrzehnte später mitten in den Arbeitsprozess des Münchner Künstlers ein.

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