Oktoberfest Geschichte: O’zapft is und wars auf der Münchner Wiesn

Oktoberfest 1964, Foto: Rudi Dix/Stadtarchiv München/RD2542N29
Foto: Rudi Dix/Stadtarchiv München/RD2542N29

Die Wiesn in München im Wandel der Zeit: Historische Fakten

Das Oktoberfest oder die Wiesn, wie die Einheimischen ihr Volksfest liebevoll bezeichnen, ist fester Bestandteil der Münchner Tradition. Heute sind Bier, Zelte und Hendl weltweit bekannt, aber kennt ihr auch die Geschichte des Oktoberfests?

Urbayerisches Brauchtum auf dem größten Volksfest der Welt

Das Schöne an der Wiesn ist doch, dass sie zwar das größte und bekannteste Volksfest der Welt ist, im Kern aber urbayerisches Brauchtum bleibt. Wenn man an einem sonnigen Werktag mittags im Biergarten des Lieblingszelts ohne lange Platzsuche eine nette Bank findet, an der man ein knuspriges halbes Hendl samt kühler Maß Bier genießen kann, dann ist man mittendrin in der bayerischen Gemütlichkeit.

Und genau dann kann man ihn spüren, den aufregenden Atem gelebter Geschichte. Denn vielleicht ist König Ludwig I. vor über 200 Jahren genau hier gesessen und hat sich auch ein Bier gegönnt. Mit dem hat nämlich alles angefangen.

Das Oktoberfest früher: Wie alles begann

Oktoberfest 1905, Foto: Georg Pettendorfer/Stadtarchiv München/FS-NL-KV-2028
Foto: Georg Pettendorfer/Stadtarchiv München/FS-NL-KV-2028 Das traditionelle Pferderennen war bis in die 1960er ein fester Teil des Oktoberfests (Foto von 1905).
Oktoberfest 1910, Foto: Stadtarchiv München/ZBE_B0056
Foto: Stadtarchiv München/ZBE_B0056 Seit 1910 trägt das Teufelsrad als Fahrgeschäft zur Belustigung der Wiesnbesucher*innen bei.
  • 17.10.1810: Startschuss: Das erste Oktoberfest wird mit einem großen Pferderennen eröffnet. Anlass ist die Hochzeit von König Ludwig I. und Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen. Austragungsort ist eine (damals) am Stadtrand gelegene Wiese, die zu Ehren der Braut fortan "Theresienwiese" genannt wird.
  • 1811: Die Tradition beginnt: Der Landwirtschaftliche Verein in Bayern beschließt, das Fest weiterhin stattfinden zu lassen – schließlich eine praktische Gelegenheit, bäuerliche Leistungen zu präsentieren.
  • 1818: Los geht die Gaudi: Das erste Karussell und zwei Schaukeln werden aufgestellt. Von da an werden es Jahr für Jahr mehr – heute bieten über hundert Fahrgeschäfte den Besuchern Spaß.
  • 1885: Alles Huhn oder was: Die erste Hendlbraterei wird eröffnet – und ein Trend geboren. Heute werden auf der Wiesn jedes Jahr ca. 1 Million halbe Hendl verspeist. 
  • 1886: Es werde Licht: Endlich gibt es Strom auf dem Oktoberfest! Das ist der Startschuss für immer aufregendere Fahrgeschäfte und das unvergleichliche Lichtermeer, das die Wiesn ausmacht. Tipp: Unbedingt nachts mal Riesenrad fahren und das Funkeln von oben betrachten.

Wusstet ihr schon? Unbekannte Fakten aus 200 Jahren Oktoberfest

Oktoberfest 1910, Foto: Stadtarchiv München/ZBE_B1995
Foto: Stadtarchiv München/ZBE_B1995 Ein vierspänniges Bierfuhrwerk wird 1910 vor dem Augustinerbräu bestaunt.
Oktoberfest 1927, Foto: Georg Pettendorfer/Stadtarchiv München/Pett3-0143
Foto: Georg Pettendorfer/Stadtarchiv München/Pett3-0143 Festbesucher*innen auf der Bierbudenstraße im Jahr 1927.
Oktoberfest 1938, Foto: Nortz/Stadtarchiv München/ZBE_B1132
Foto: Nortz/Stadtarchiv München/ZBE_B1132 1938 zu Pferd vor dem Bräurosl-Festzelt.

Hat Albert Einstein wirklich mal auf dem Oktoberfest gearbeitet? Und gab es im Hofbräu Zelt wirklich mal Paulaner Bier? Diese kuriosen Begebenheiten der Oktoberfest-Historie solltet ihr euch merken und am Wiesntisch damit angeben:

  • 1872: Zu zapfig zum Feiern: Weil das schöne Wetter des Altweibersommers genutzt werden soll, wird das Oktoberfest in den September vorverlegt. Traditionell beginnt es ab jetzt immer am Samstag nach dem 15.9. und endet am ersten Sonntag im Oktober. Passender wäre also eher der Name „Septemberfest“. Neu seit 2000: Wenn der 1. oder 2.10. ein Sonntag ist, wird die Wiesn bis zum Tag der deutschen Einheit am 3. Oktober verlängert.
  • 1896: Geniale Beleuchtung: Die elektrotechnische Firma J. Einstein & Cie. installiert die Lampen in den Zelten. Albert, der Sohn des Besitzers, schraubt als Aushilfsjob Glühbirnen in den Himmel des Schottenhamel Zelts. So richtig beweisen und zeitlich zuordnen lässt sich die Legende von Albert Einstein als Oktoberfest-Elektriker zwar nicht, dafür hält sich der Mythos tapfer. Ist aber auch eine tolle Geschichte.
  • 1949: Gut gebrüllt, Löwe: In diesem Jahr findet das erste richtige Oktoberfest nach dem Krieg statt. Auch brüllt heuer der berühmte Löwenbräu-Löwe zum ersten Mal. Das finden die anderen Wirte nicht so zum Brüllen und sie protestieren gegen den Lärm. 1952 können sie sogar ein Brüllverbot erwirken, doch der Maulkorb hält nicht lange. Schon im nächsten Jahr brüllt der Löwe wieder und das tut er bis heute.
  • 1950: Ab heute heißt es: O´zapft is! Oberbürgermeister Thomas Wimmer sticht das erste von vielen Fässern im Schottenhamel an. Und stellt gleichzeitig einen nicht sehr schmeichelhaften ewigen Rekord auf: Mit 17 Schlägen
    ist es nicht nur der erste, sondern auch der schlechteste Anstich der Wiesn-Geschichte.
  • 1981: Hilfe, das Bier ist alle! An einem Abend haben die Gäste des Hofbräu Zelt besonders großen Durst – und dem Wirt geht langsam das Bier aus. In seiner Not bittet er den damaligen Nachbarwirt um Hilfe. Und so kommt es, dass im Hofbräu Zelt für einige Stunden Paulaner Bier ausgeschenkt wird.
  • 2017: Die Wiesn im Wörterbuch: Das Wort „Wiesn“ wird offiziell in den Duden aufgenommen. Nach einer groß angelegten Initiative des Münchner Radiosenders Gong 96.3, unterstützt von Ministerpräsident Horst Seehofer und Oberbürgermeister Dieter Reiter, schafft es das Synonym von „Oktoberfest“ in die digitale Version des Wörterbuchs und 2020 auch in die 28. Auflage der gedruckten Version. Spätestens jetzt ist offiziell klar: Wiesn und nicht Wies’n.

Oktoberfest Historie: Wichtige Meilensteine

Dokumentation Oktoberfest-Attentat, Foto: Landeshauptstadt München / Kulturreferat
Foto: Landeshauptstadt München / Kulturreferat Dokumentation Oktoberfestattentat, September 2020.
Festzelt Tradition  auf der Oidn Wiesn, Foto: muenchen.de/Katy Spichal 2018
Foto: muenchen.de/Katy Spichal 2018 Ein Paar tanzt 2018 im Festzelt Tradition auf der Oidn Wiesn.

Auf der Wiesn passieren jedes Jahr außergewöhnliche Dinge, die einem im Gedächtnis bleiben. Es gibt allerdings ein paar herausragende Jahre mit Ereignissen – gut oder schlecht - die eine extra Erwähnung verdient haben:

  • 1850: Mama München: Unsere Bavaria wird feierlich enthüllt und wacht seither friedlich über das Oktoberfest.
  • 1913: Zelt der Superlative: Die Bräurosl bekommt einen Neubau mit 4.000 Quadratmetern Fläche und 12.000 Plätzen – damit ist es seiner Zeit das größte Zelt auf dem Oktoberfest.
  • 1935: Einzug der Wiesnwirte: Erstmals nehmen alle Wiesn Brauereien gemeinsam am Einzug teil und laufen mit Personal, Bierwagen und Blaskapelle durch die Stadt zu ihren Zelten. Angeführt wird der Umzug seit ungefähr dieser Zeit traditionell von einem Mädchen in schwarz-gelber Mönchskutte, dem Münchner Kindl.
  • 1980: Das Attentat: Leider gab es auch traurige Tage auf der Wiesn. Am 26.9. tötet eine Bombe am Haupteingang des Oktoberfests 12 Besucher sowie den Attentäter und verletzt über 200 weitere Besucher. Ein Denkmal an der Unglücksstelle erinnert heute an das Attentat.
  • 2010: Zum Jubiläum die Oide Wiesn: Das Oktoberfest feiert 200. Geburtstag. Anlässlich der Jubiläums-Wiesn findet die Jubiläumsfeier 200 Jahre Oktoberfest statt – und stößt auf so großen Anklang, dass sie ab sofort als "Oide Wiesn" zum festen Bestandteil wird.
  • 2020: Ausfall: In diesem Jahr ist alles anders - weltweit und damit auch bei der Wiesn. Wegen der Corona-Pandemie fällt das Oktoberfest 2020 zum ersten Mal seit Jahrzehnten aus. Das ist insgesamt die 25. Absage in 210 Jahren.

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