Oktoberfest-Geschichte: O’zapft is und wars auf der Münchner Wiesn

Oktoberfest 1964, Foto: Rudi Dix/Stadtarchiv München/RD2542N29
Foto: Rudi Dix/Stadtarchiv München/RD2542N29

Die Wiesn in München im Wandel der Zeit: Fakten und Fotos

Das Münchner Oktoberfest lockt seit über 200 Jahren Gäste aus aller Welt nach München. Wir zeigen einzigartige Meilensteine, Ereignisse und Fotos der Wiesn-Geschichte.

Oktoberfest-Geschichte: Von der Hochzeit zum größten Volksfest der Welt

Das Schöne an der Wiesn ist doch, dass sie zwar das größte und bekannteste Volksfest der Welt ist, im Kern aber urbayerisches Brauchtum bleibt.

Vor über 200 Jahren fing alles mit einer Hochzeit an. Inzwischen lockt das Oktoberfest als bekanntestes und größtes Volkfsfest der Welt Millionen Gäste aus aller Welt an.

Wir zeichnen den ereignisreichen Werdegang der Wiesn nach - und öffnen das Stadtarchiv München für einmalige Fotos vom Oktoberfest früherer Tage.

1810 bis 1871: Die Anfänge des Oktoberfests

Oktoberfest 1905, Foto: Georg Pettendorfer/Stadtarchiv München/FS-NL-KV-2028
Foto: Georg Pettendorfer/Stadtarchiv München/FS-NL-KV-2028 Das traditionelle Pferderennen war lange Zeit ein fester Teil des Oktoberfests (Foto von 1905).
  • 17.10.1810: Die Geburtsstunde: Das erste Oktoberfest wird mit einem großen Pferderennen eröffnet. Anlass ist die Hochzeit von König Ludwig I. und Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen. Austragungsort ist eine (damals) am Stadtrand gelegene Wiese, die zu Ehren der Braut fortan "Theresienwiese" genannt wird.
  • 1811: Die Tradition beginnt: Der Landwirtschaftliche Verein in Bayern beschließt, das Fest weiterhin stattfinden zu lassen – schließlich eine praktische Gelegenheit, bäuerliche Leistungen zu präsentieren.
  • 1813: Wegen der napoleonischen Kriege muss das Oktoberfest erstmals ausfallen.
  • 1818: Los geht die Gaudi: Das erste Karussell und zwei Schaukeln werden aufgestellt. Von da an werden es Jahr für Jahr mehr – heute bieten über hundert Fahrgeschäfte den Besuchern Spaß.
  • 1819: Nachdem das Oktoberfest zuvor privat finanziert stattfand, übernehmen die Stadtväter Münchens die Ausrichtung der Veranstaltung.
  • 1850: Die Bavaria-Statue an der Theresienwiese wird feierlich enthüllt und wacht seither friedlich über das Oktoberfest.
  • 1854: Wegen der Cholera-Epidemie muss die Wiesn ausfallen. Auch in den Jahren 1866 (Preußisch-Österreichischer Krieg) und 1870 (Deutsch-Franzsösischer Krieg) fällt das Oktoberfest ins Wasser.

1871 bis 1918: Das Oktoberfest zu Zeiten des Kaiserreichs

Oktoberfest 1910, Foto: Stadtarchiv München/ZBE_B0056
Foto: Stadtarchiv München/ZBE_B0056 Seit 1910 trägt das Teufelsrad als Fahrgeschäft zur Belustigung der Wiesnbesucher*innen bei.
Oktoberfest 1910, Foto: Stadtarchiv München/ZBE_B1995
Foto: Stadtarchiv München/ZBE_B1995 Ein vierspänniges Bierfuhrwerk wird 1910 vor dem Augustinerbräu bestaunt.
  • 1872: Weil das schöne Wetter des Altweibersommers genutzt werden soll, wird das Oktoberfest in den September vorverlegt. Traditionell beginnt es ab jetzt immer am Samstag nach dem 15.9. und endet am ersten Sonntag im Oktober.
  • 1880: Die Stadtverwaltung genehmigt den Verkauf von Bier auf dem Oktoberfest.
  • 1881: Die erste Hendlbraterei wird eröffnet – und ein Trend geboren. Heute werden auf der Wiesn jedes Jahr ca. 1 Million halbe Hendl verspeist.
  • 1886: Es werde Licht: Endlich gibt es Strom auf dem Oktoberfest! Das ist der Startschuss für immer aufregendere Fahrgeschäfte und das unvergleichliche Lichtermeer, das die Wiesn ausmacht.
  • 1895: Der Volkstrachten-Festzug findet auf dem Oktoberfest statt. Er ist das Vorbild für den heutigen Trachtenzug immer am ersten Wiesensonntag.
  • 1898: Die Wiesn hat ihr erstes großes Festzelt: Der Nürnberger Wirt Georg Lanf errichtet seine "Bierburg" mit Platz für 6.000 Feiernde. 
  • 1913: Zelt der Superlative: Die Bräurosl bekommt einen Neubau mit 4.000 Quadratmetern Fläche und 12.000 Plätzen – damit ist es seiner Zeit das größte Zelt auf dem Oktoberfest.
  • 1914 bis 1918: Das Oktoberfest fällt wegen des 1. Weltkriegs aus.

1919 bis 1945: Weimarer Republik, Drittes Reich und das Oktoberfest

Oktoberfest 1927, Foto: Georg Pettendorfer/Stadtarchiv München/Pett3-0143
Foto: Georg Pettendorfer/Stadtarchiv München/Pett3-0143 Festbesucher*innen auf der Bierbudenstraße im Jahr 1927.
Oktoberfest 1938, Foto: Nortz/Stadtarchiv München/ZBE_B1132
Foto: Nortz/Stadtarchiv München/ZBE_B1132 1938 zu Pferd vor dem Bräurosl-Festzelt.

1919 und 1920: Nach dem 1. Weltkrieg findet das Oktoberfest zunächst nur zwei Jahre als kleineres Herbstfest statt.

1923 und 1924: Wegen der Inflation und der Währungsumstellung findet kein Oktoberfest statt.

1933: Zu Zeiten des Nationalsozialismus wird es Juden verboten, auf dem Oktoberfest zu arbeiten.

1935: Einzug der Wiesnwirte: Erstmals nehmen alle Wiesn-Brauereien gemeinsam am Einzug teil und laufen mit Personal, Bierwagen und Blaskapelle durch die Stadt zu ihren Zelten. Angeführt wird der Umzug seit ungefähr dieser Zeit traditionell von einem Mädchen in schwarz-gelber Mönchskutte, dem Münchner Kindl.

1939 bis 1945: Wegen des 2. Weltkriegs findet kein Oktoberfest statt.

1946 bis heute: Nachkriegsaufschwung, Attentat, Oide Wiesn und mehr

Dokumentation Oktoberfest-Attentat, Foto: Landeshauptstadt München / Kulturreferat
Foto: Landeshauptstadt München / Kulturreferat Dokumentation Oktoberfestattentat, September 2020.
Festzelt Tradition  auf der Oidn Wiesn, Foto: muenchen.de/Katy Spichal 2018
Foto: muenchen.de/Katy Spichal 2018 Ein Paar tanzt 2018 im Festzelt Tradition auf der Oidn Wiesn.
  • 1949: Das erste Oktoberfest nach dem Krieg findet statt. In den drei Jahren zuvor gibt es nur das kleinere Herbstfest. Das einstmals obligatorische Pferferennen findet nach dem 2. Weltkrieg nur noch in den Jubiläumsjahren 1960 und 2010 statt.
  • 1950: Erstmals heißt es: O´zapft is! Oberbürgermeister Thomas Wimmer sticht das erste von vielen Fässern im Schottenhamel an. Und stellt gleichzeitig einen nicht sehr schmeichelhaften ewigen Rekord auf: Mit 17 Schlägen ist es nicht nur der erste, sondern auch der schlechteste Anstich der Wiesn-Geschichte.
  • 1980: Das Attentat: Leider gab es auch traurige Tage auf der Wiesn. Am 26.9. tötet eine Bombe am Haupteingang des Oktoberfests zwölf Besucher sowie den Attentäter und verletzt über 200 weitere Menschen. Ein Denkmal an der Unglücksstelle erinnert heute an den rechtsextremen Terroranschlag, der bis heute als schwerster Terrorakt in der Geschichte der Bundesrepublik gilt.
  • 2010: Zum Jubiläum die Oide Wiesn: Das Oktoberfest feiert 200. Geburtstag. Anlässlich der Jubiläums-Wiesn findet die Feier 200 Jahre Oktoberfest statt – und stößt auf so großen Anklang, dass sie ab sofort als "Oide Wiesn" zum festen Bestandteil wird.
  • 2020 und 2021: Wegen der Corona-Pandemie fällt das Oktoberfest 2020 zum ersten Mal seit Jahrzehnten aus. Auch 2021 kann es nicht stattfinden. Es ist die insgesamt 26. Absage in 211 Jahren.

Wusstet ihr schon? Fun Facts und Legenden aus über 200 Jahren Wiesn

Hat Albert Einstein wirklich mal auf dem Oktoberfest gearbeitet? Und gab es im Hofbräu Zelt wirklich mal Paulaner Bier? Diese kuriosen Begebenheiten der Oktoberfest-Historie solltet ihr euch merken und am Wiesntisch damit angeben:

  • 1896: Geniale Beleuchtung: Die elektrotechnische Firma J. Einstein & Cie. installiert die Lampen in den Zelten. Albert, der Sohn des Besitzers, schraubt als Aushilfsjob Glühbirnen in den Himmel des Schottenhamel Zelts. So richtig beweisen und zeitlich zuordnen lässt sich die Legende von Albert Einstein als Oktoberfest-Elektriker zwar nicht, dafür hält sich der Mythos tapfer. Ist aber auch eine tolle Geschichte.
  • 1949: Gut gebrüllt, Löwe: In diesem Jahr findet das erste richtige Oktoberfest nach dem Krieg statt. Auch brüllt heuer der berühmte Löwenbräu-Löwe zum ersten Mal. Das finden die anderen Wirte nicht so zum Brüllen und sie protestieren gegen den Lärm. 1952 können sie sogar ein Brüllverbot erwirken, doch der Maulkorb hält nicht lange. Schon im nächsten Jahr brüllt der Löwe wieder und das tut er bis heute.
  • 1981: Hilfe, das Bier ist alle! An einem Abend haben die Gäste des Hofbräu Zelt besonders großen Durst – und dem Wirt geht langsam das Bier aus. In seiner Not bittet er den damaligen Nachbarwirt um Hilfe. Und so kommt es, dass im Hofbräu Zelt für einige Stunden Paulaner Bier ausgeschenkt wird.
  • 2017: Die Wiesn im Wörterbuch: Das Wort „Wiesn“ wird offiziell in den Duden aufgenommen. Nach einer groß angelegten Initiative des Münchner Radiosenders Gong 96.3, unterstützt von Ministerpräsident Horst Seehofer und Oberbürgermeister Dieter Reiter, schafft es das Synonym von „Oktoberfest“ in die digitale Version des Wörterbuchs und 2020 auch in die 28. Auflage der gedruckten Version. Spätestens jetzt ist offiziell klar: Wiesn und nicht Wies’n.
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