Werke von Künstlerinnen in den Münchner Sonder- und Dauerausstellungen
Frauen in den Münchner Museen: Highlights und Aktuelles
Kunst war über Jahrhunderte eine Männerdomäne – Frauen galten bis Anfang des 20. Jahrhunderts meist nur als Musen, Modelle oder Randfiguren, selten als eigenständige Künstlerinnen. Umso spannender ist der Blick auf heute: In Münchner Museen, Online-Sammlungen sowie Sonder- und Dauerausstellungen treten Künstlerinnen selbstbewusst mit Namen und Werken hervor. Wir nehmen euch hier mit auf einen Streifzug durch die Kunstgeschichte Münchens bis hin zu aktuellen Ausstellungen und geben euch Tipps für einen Museumsbesuch aus weiblicher Perspektive.
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MUCA: Street Art von Frauen in der Permanent Collection
Die großen Namen Banksy, Invader, Fairey, Haring lassen die Street Art als männliche Domäne erscheinen - und tatsächlich sind Frauen eher ungewöhnlich. Eine beispielhafte Ausnahme ist Swoon (bürgerlich Caledonia Curry, *1977). Sie zählt zu den wichtigsten weiblichen Stimmen der internationalen Street Art und hat in der Szene als erste Frau internationale Anerkennung erlangt. Bekannt ist Swoon für handwerklich aufwendige Kleisterdrucke und lebensgroße Scherenschnitte.
Und es gibt es noch weitere Frauen in der neuen Permanent Collection „Unveiling" des MUCA: Die Japanerin Lady Aiko arbeitet mit großformatiger Street Art, in der sie Popästhetik, japanische Bildtraditionen und feministische Themen verbindet. Maya Hayuk ist bekannt für abstrakte, geometrische Wandbilder mit starken Farbkontrasten, die von Volkskunst und psychedelischen Mustern inspiriert sind.
Kunstlabor 2: Street Art ist hier sehr weiblich
Mit dem Buch „Street Art is Female“ porträtierte Alessandra Mattanza 24 internationale Street-Art-Künstlerinnen. Das Vorwort stammt von Stephanie Utz, die neben dem MUCA auch das Kunstlabor2 betreibt. Entsprechend stark sind Künstlerinnen in der Dauerausstellung der Zwischennutzung mit 60 Räumen vertreten – etwa die renommierte Mural-Künstlerin Hera, die den „tHERApie raum 01“ gestaltet hat, Jordy Korbach mit dem Raum „Feierabend“ zwischen deutscher Ordnung und dem Versagen bei der Aufklärung rechter Taten.
Oder Caratoes, eine nomadische Künstlerin, die Körperteile eines mythischen Drachen ausstellt, dessen weiteren Fragmente in anderen Städten weltweit verteilt sind und so alles miteinander verbindet. Auch die Pop-up-Ausstellungen setzen weibliche Akzente, so war Mattanza selbst schon in einer Kunstlabor-Ausstellung zu sehen. Zuletzt war vom 5. bis 15.2.2026 die Münchner Künstlerin Melike Kerpel mit ihrer fluiden Kunst unter dem Titel "Built in Flow" zu Gast.
Residenz: Miniaturen von Frauen
In der weitläufigen Münchner Residenz sind Werke von Künstlerinnen selten und leicht zu übersehen – umso spannender ist die Spurensuche! Im Blauen Kabinett (Raum 26) finden sich Miniaturen von Amalia Pachelbel (1688–1723), im Gelben Kabinett (Raum 27) Pastellbildnisse von Marie Catherine de Silvestre (1680–1743) und ihrer Tochter Marie Maximilienne de Silvestre (1707–1798) mit sensiblen Jugendporträts höfischer Frauen. Im Puille-Kabinett (Fünftes Hofgartenzimmer) sind Miniaturen der Venezianerin Rosalba Carriera (1675–1757) zu sehen, einer europaweit gefeierten Pastellmeisterin. Dass diese Werke aus dem 18. Jahrhundert Miniaturen sind, ist kein Zufall: Diese intimen Porträts galten am Hof als besonders kostbar – und zählten zu den wenigen künstlerischen Feldern der Malerei, in denen Frauen ausgebildet und anerkannt wurden.
Monacensia: Autorinnen vor Ort und online entdecken
Die Monacensia im Hildebrandhaus ist das literarische Gedächtnis Münchens – das Archiv hat sich zur Aufgabe gemacht, insbesondere die Sichtbarkeit von Autorinnen zu stärken und sie der Vergessenheit zu entreißen. Mit dem Kulturerbe-Projekt #FemaleHeritage rückte die Monacensia in den vergangenen Jahren gezielt weibliche literarische Stimmen in den Fokus, und präsentiert online die digital erschlossenen Nachlässe von Erika Mann und Monika Mann. Jüngst (im Januar 2026) kam z.B. der literarische Vorlass der Münchner Autorin Keto von Waberer hinzu, im Vorjahr übernahm Elvira Steppacher die Schreib-Residency. Stöbert in der Bibliothek vor Ort in Bogenhausen nach für euch vielleicht unbekannten Autorinnen oder surft in der digitalen Sammlung. Die Sonder-Ausstellung "Frei leben! Die Frauen der Boheme 1890-1920" über mondäne Künstler*innen wie Franziska zu Reventlow ist z.B. noch online nachzuschauen.
Aktuell: Mit "Voices of Exile" startet die Monacensia eine neue Sammlungslinie zu Exil und Diaspora - und als erste Zugänge erhält sie Manuskripte von zwei Autorinnen: Volha Hapeyeva (Belarus) und Rania Mleihi (Syrien) übergeben ihre Werke am Tag der Archive 7. März persönlich bei einer Veranstaltung im Hildebrandhaus.
Villa Stuck: Aktuelle Ausstellungen
Mit „Die Sünde“ ebnete Franz von Stuck 1893 seinen Weg zum Malerfürsten seiner Zeit. Das düster-erotische Frauenbild mit der lasziven Femme fatale provozierte einen Skandal und wurde zur Ikone des Symbolismus. Modell stand seine Jugendliebe Anna Maria Brandmaier, die er als nicht standesgemäß für eine Ehe betrachtete. Stattdessen heiratete er die vermögende Arztwitwe Mary Lindpaintner und zog 1898 mit ihr in die Villa Stuck ein. Frauen waren zentral für Stucks Œuvre nur als Dargestellte – heute übernehmen sie selbstbewusst als eigenständige Künstler*innen auch schon mal die Ausstellungsräume seiner Villa.
Aktuell zeigt die britische Künstlerin Louise Giovanelli (*1993) dort ihre erste große Einzelausstellung „A Song of Ascents“, in der sie mit glamouröser Verhüllung spielt. Weit radikaler entfernen sich Utopia von Stucks Geist: Das weibliche Performance-Kunst-Kollektiv aus München versammelt selbstbewusste "Chicks on Speed" - so der Titel der Ausstellung - und bringen Musik, Malerei, Design und Körperkunst zusammen.
Lenbachhaus: Frauen des Blauen Reiter
Franz von Lenbach war Ende des 19. Jahrhunderts Münchens bedeutendster Bildnismaler. Mit dem Aufkommen neuer Strömungen wurde er jedoch abgelöst – darunter der Blaue Reiter, dessen Werke heute zu den Aushängeschildern der Städtischen Galerei im Lenbachhaus zählen. Überraschend und lange unterschätzt: Auch Frauen prägten diese Künstlervereinigung entscheidend – in der Malerei, in der Theorie und in der Praxis. Sichtbar wird das im Lenbachhaus vor allem durch Gabriele Münter, vertreten mit Schlüsselwerken wie Murnauer Landschaften und Stilleben sowie durch Marianne von Werefkin, deren visionäre Gemälde die Ausrichtung des Blauen Reiter mitbestimmten.
Doch nicht nur in der ständigen Sammlung bekommen Frauen ihren Platz: Aktuell lädt die ägyptische Künstlerin Iman Issa mit „Lass uns spielen“ (bis 16.4.) dazu ein, Kunst neu zu betrachten: In Skulpturen und Fotografien wird die Frage selbst zum Medium – was ist ein Kunstwerk? Spielerisch und zugleich konzentriert regt die Ausstellung dazu an, sich ein eigenes Bild zu machen.
Haus der Kunst: Sandra Vásquez de la Horra - „Soy Energía"
Das Haus der Kunst widmet sich in seinen Einzelausstellungen auch starken weiblichen Protagonistinnen in der Kunstwelt - aktuell der chilenischen Künstlerin Sandra Vásquez de la Horra (*1967). Sie verbindet in Zeichnung, Malerei, Film und Performance indigene und transnationale Perspektiven. Die Ausstellung „Soy Energía“, ihre erste institutionelle Überblicksschau in Europa, zeigt bis 17. Mai 2026 Werke aus den 1980er-Jahren bis heute und stellt ihr räumliches, energetisches Denken in den Mittelpunkt. Geprägt von Erfahrungen von Diktatur, Migration und einem Leben zwischen Chile und Deutschland entwickelt sie einen künstlerischen, ja spirituellen Kosmos, in dem sie Mensch und Natur verbindet und für Selbstbestimmung sowie Frauen- und Menschenrechte eintritt.
Münchner Stadtmuseum: Künstlerinnen in der Online-Sammlung
Das Münchner Stadtmuseum ist derzeit wegen Sanierung geschlossen, doch in der Online-Sammlung schlummern die Schätze digital und hier finden sich Künstlerinnen und Fotografinnen, deren Namen vielleicht nicht so bekannt sind, die dennoch München geprägt haben.
Ein tragisches Schicksal ist Maria Luiko (1904–1941) - sie zählt zur „verschollenen Generation“ jüdischer Künstler*innen. Ein Online-Gedenkalbum versammelt Werke aus mehreren Sammlungen und erinnert an ihr vielseitiges Schaffen – von Zeichnung und Druckgrafik bis Marionetten – sowie an ihre Deportation und Ermordung 1941.
Das Hofatelier Elvira war um 1900 eines der bekanntesten Fotostudios Münchens. Gegründet 1887 von Anita Augspurg und Sophia Goudstikker, verband es künstlerisch anspruchsvolle Porträtfotografie mit frauenpolitischem Engagement. Die Spezialisierung auf Frauen- und Kinderporträts brachte großen Erfolg: 1898 wurde Goudstikker erste „Königlich Bayerische Hofphotographin“.
Wo ihr noch Künstler*innen entdecken könnt...
Pinakothek der Moderne
In der Pinakothek der Moderne sind herausragende Werke von Künstlerinnen u.a. in der Sammlung Moderne Kunst vertreten: So ist die bedeutende österreichische Malerin Maria Lassnig mit dem „Selbstporträt mit Drahtarmen“ (1968) in Saal 12 ausgestellt, ein Beispiel für ihre radikale Auseinandersetzung mit dem Körperbewusstsein. Im selben Saal findet sich Käthe Kollwitz’ "Selbstporträt" (1926) - eine Bronzebüste.
Museum Brandhorst
Das Museum Brandhorst widmet sich der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts und beherbergt neben Werken der großen männlichen Namen wie Twombly, Warhol und Haring auch zahlreiche Objekte von zeitgenössischen weiblichen US-Künstlerinnen wie Cady Noland, Louise Lawler aus den USA oder Monika Baer und Rosemarie Trockel aus Deutschland.
Galerie der Künstler*innen:
Die Galerie der Künstler*innen trägt weibliche Sichtbarkeit bereits im Namen. Als Plattform für zeitgenössische Kunst fördert sie gezielt Nachwuchs – darunter viele Künstlerinnen. Wechselnde Ausstellungen machen die Vielfalt der Münchner Kunstszene sichtbar. Aktuell zeigt die Ausstellung zum „Bayerischen Kunstförderpreis“ u.a. Arbeiten der in München lebenden Künstlerin Ju Young Kim, eine der vier Preisträger*innen (bis 8. März 2026).
In Kooperation mit dem Kulturreferat und den Museen
Dieser Beitrag über die Münchner Museen wird vom Kulturreferat der Landeshauptstadt München gefördert und ist in Kooperation mit der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern konzipiert worden. Die Inhalte wurden zwischen den beteiligten Museen und muenchen.de, dem offiziellen Stadtportal, abgestimmt.