Aktuelle Corona-Infos der Stadt unter www.muenchen.de/corona

Bairisch-Kurs für die Wiesn

Wiesnherz mit Aufschrift auf bairisch, Foto: Judith Schacht
Foto: Judith Schacht

Mit diesen Vokabeln seid Ihr für das Oktoberfest gewappnet

Wer auf der Wiesn Bairisch kann, ist ganz klar im Vorteil, weil er die Sympathie auf seiner Seite hat. Bairisch ist übrigens nicht bloß ein Dialekt, bei dem man einige Worte anders ausspricht als im Hochdeutschen, sondern es hat die Qualität einer eigenen Sprache, da es sogar über eine eigene Grammatik verfügt.

Wir wissen natürlich, dass es jetzt leider zu spät für euch ist, um so richtig Bairisch zu lernen, deshalb helfen wir euch mit einem Mini-Sprachkurs aus der Patsche - und machen euch Wiesn-fit.

Das Bier und die Breze

Wiesnbreze, Foto: Judith Schacht
Foto: Judith Schacht

Fangen wir gleich mit dem wichtigsten an: Keine Wiesn ohne Bier und Breze. Und Achtung, hier wird es gleich heikel. Deshalb bitte ganz gut aufpassen:

Die MaSSSSSS
Auf dem Oktoberfest trinkt man das Bier aus dem berühmten 1-Liter-Krug, der Maß. Sieht vielleicht aus wie ein Bestandteil des Wortes "Maßeinheit" - aber auf Bairisch sagt man halt MaSS oder noch deutlicher: MaSSSSS. Ein kurzes a und ein ganz scharfes S. Auf keinen Fall sagt man, so wie fast alle Zuagroasten (Zugereisten) "Maaaaaß". Wer sich so eine Maaaaaß bestellt, wird dementsprechend von der Bedienung als einer abgespeichert, der halt keine Ahnung hat. Wer ernst genommen werden will, der konzentriert sich und sagt: MaSSSSS.

Die Brezn

Auch beim Thema Breze kriegen wir Bayern oft Schmerzen beim Zuhören. Brezel, Pretzel - all das tut unseren Ohren weh und wir wollen kurz aufschreien vor Unmut. Meistens tun wir es nicht, weil wir ja höflich sind. Das herrliche Gebäck, das bayerische Grundnahrungsmittel, das es auf der Wiesn in einer extra riesigen Variante gibt, spricht man genau so und nicht anders aus: Brezn oder Wiesnbrezn. Also nicht Brezen - sondern eben Brezn. Das zweite e weglassen. Dann fliegen euch die Herzen der Einheimischen zu. Wer Brezel oder Pretzel sagt, und es eigentlich gar nicht böse meint, dem nehmen wir es trotzdem ein bißchen übel. Sorry, liebe Zuagroasten, da sind wir a bisserl emotional.

Bairisch öffnet Türen und sorgt für Sitzplätze

Besucher in einem Wiesn-Biergarten, Foto: Judith Schacht
Foto: Judith Schacht

Die Wiesn ist voll, eigentlich fast immer. Wer spontan vorbeikommt und noch einen Tisch finden will, ohne Platzreservierung, der hat es schwer. Die Chancen erhöhen sich immens, wenn man ganz nett fragt - und zwar auf bairisch und mit einem Lächeln. Am besten zu einem Tisch hingehen, wo schon ordentlich gefeiert wird und sagen: „Tschuidigung, kannts Ihr denn no a bisserl zsamma rucka, dann kannt i mi a no dazua sitzn.“ Anständige Leute sagen dann: „Ja freili!“ Und Ihr habt einen der heißbegehrten Plätze im Zelt. Dafür lohnt es sich diesen Satz jetzt gleich mehrmals zu üben.

"Tschuidigung, kannts Ihr denn no a bisserl zsamma rucka, dann kannt i mi a no dazua sitzn."
"Entschuldigung, könntet Ihr ein wenig zusammenrücken, dann könnte ich mich noch dazusetzen."

Mehr Tipps zu Sitzplätzen im Festzelt
 

Flirten mit Stil

Nirgends kann man besser flirten als auf der Wiesn. Wer mit einem bairischen Kompliment aufwarten kann, hat einen Vorteil gegenüber der flirtenden Konkurrenz. Für die Buam haben wir folgende Vorschläge:

  • „Du bist a ganz a fesches Madl“ - sagt man zu einem schönen Mädchen
  • „Du bist a Gschmeidige“ - sagt man zu einem schönen Mädchen mit einer besonderen Ausstrahlung
  • „Du warst oane, de kanntat ma a Heiradn.“ So ein Mädchen ist nicht bloß schön, sondern auch charakterlich top.

Und die Mädels können Folgendes sagen, wenn ihnen ein Mann gut gefällt:

  • „Du bist aber a sauberner Kerl“ - sagt man zu einem hübschen Mann
  • „Oiso, du dadst ma direkt gfoin“ - sagt man zu einem Mann, der etwas Anziehendes hat (Charisma, Humor)
  • „Du schaugst echt zünftig aus in deiner Lederhosn“ - sagt man zu Männern, die eine ideale Figur für die Lederhosen haben, schmale Hüfte und durchtrainierte Waden.

Ganz oft werdet Ihr ganz andere Sprüche lesen in diversen Artikeln oder Wiesn-Guides, wie „Du host aba Hoiz vor da Hüttn“ oder „Mogst schmusn?“. Davon können wir nur abraten. Diese Sätze überschreiten eindeutig die Höflichkeitsgrenze und führen nicht zu einem gelungenen Flirt, sondern zu einer Watschn (Ohrfeige).

Schimpfen mit Charme

Missgeschicke und die kleinen Widrigkeiten des Alltags gibt es natürlich auch auf der Wiesn. Deshalb wird auch dort geschimpft. Wenn man die richtigen bairischen Wörter kennt, dann hat das sogar ein wenig Charme. Wir haben für euch die Ausdrücke ausgewählt, die nicht ganz so derb sind.

  • „Gäh, Hackozah.“ Eine vernünftige Übersetzung ist hier leider nicht möglich, die Lautsprache sagt aber alles.
  • „Herrschaftszeitn, no amoi.
  • „Zefix.“
  • „Des gähd auf koa Kuahaud.“ „Das hat auf keiner Kuhhaut Platz.“

Beschimpfen mit Charme

Und natürlich gibt es auch auf der Wiesn jene Gesellen, die man im Allgemeinen als Deppen bezeichnen möchte. Folgende Schimpfwörter sind im bairischen Sprachgebrauch recht üblich und nicht allzu verletzend. Denn wir wollen ja auf der Wiesn keinen Streit anzetteln, der dann böse endet.

  • „Du bist doch auf da Brennsuppn dahergschwumma." Du bist doch auf einer Mehlsuppe (Arme-Leute-Essen) dahergeschwommen, was soviel bedeutet wie: Du bist blöd.
  • „Schleich di, du bist a rechta Haumdaucha". Hau lieber ab, du hast das Wesen eines Haubentauchers (eine Vogelart mit offensichtlich schlechtem Ruf)
  • „Mia zwoa kemman nimma zam.“ Mit uns beiden wird das nichts mehr - also lass uns unbedingt getrennte Wege gehen.

Wir hoffen aber, dass Ihr diese Ausdrücke auf dem Oktoberfest kaum brauchen werdet. Dann was wir alle wollen, ob wir nun bairisch sprechen oder jede andere Sprache, ist: eine friedliche Wiesn!

Alle Infos zum größten Volksfest der Welt gibts im Wiesn-Special

Autorin: Judith Schacht

Video: Wiesn-Gäste üben Bairisch

Besucher des Oktoberfestes sprechen Sätze auf Bairisch nach. Das ist gar nicht so einfach...

Hier unser kleines Bairisch-Lexikon für Euren Wiesnbesuch

Griasgood / Griasdi

Guten Tag / Grüß dich

Griaseichgood miteinand

Grüß Gott zusammen

Deaf I? / Ealaums?

Darf ich? / Erlauben Sie?

Is da no frei?

Ist hier noch frei?

A Maß (unbedingt mit kurzem a aussprechen!)

Ein Liter Bier

Brezn

Brezel, Brezen

bieseln

urinieren

Schmaizler

Schnupftabak

Radi

Rettich

Hendl / Gickerl

Brathuhn

Stamperl

Gläschen Schnaps

Obatzda

Paste aus Camembert und Zwiebeln, gewürzt mit Paprika

Ha?

Wie bitte?

Host mi?

Hast du mich verstanden?

Ja mei

wörtlich zu übersetzen; bedeutsam ist hier die Betonung: ein kurz gesprochenes "ja mei" bedeutet wenig Interesse an einer Sache, ein gedehntes "ja mei" mit steigender Stimmhöhe schon erfreutes Erstaunen und ein seufzendes "ja mei" höchste Anteilnahme. Norddeutsche benötigen hingegen meist einen Wortschwall, um ihre Gefühle so differenziert ausdrücken zu können.

Jaggal

Jäckchen

Des is mia wurscht

Das ist mir egal

Ja, mi leggst am Oarsch! / Ja, do legst di nieda!

Donnerwetter! (Ausruf des Erstaunens)

Aff / Depp / Hirsch

Nicht als Beleidigung zu verstehen; herzlicher Umgangston

Saupreiß

Saupreuße (Schimpfwort für alle Nichtbayern)

Bussl

Küsschen

Gschbusi

Geliebte(r)

Gaudi

Vergnügen

De hod Hoiz vor da Hüttn

Die hat eine große Oberweite

Schleich di

Verschwinde!

Watschn / Fotzn / Schejn

Ohrfeige

Dangschee

Vielen Dank

Servus / Pfiat di / Pfiat eich

Auf Wiedersehen

Mehr Wiesn gibt's hier

X

CORONAVIRUS: DIE AUSWIRKUNGEN AUF MÜNCHEN

Alle Infos
Top